Die anhaltenden Engpässe und extremen Preisaufschläge im Markt für Consumer-Grafikkarten stehen im Fokus von Branchenbeobachtern. Analysten und Tech-Kritiker gehen der Frage nach, ob die mangelnde Verfügbarkeit aktueller Gaming-Modelle auf tatsächliche Engpässe in den Lieferketten zurückzuführen ist oder ob strategische Allokationsentscheidungen der Chiphersteller das Angebot künstlich verknappen.
Vorwürfe ungenutzter Server-Hardware und Kanalüberlastung
Tech-Kritiker wie Ed Zitron werfen Nvidia vor, den Markt durch eine gezielte Überbelieferung von Großkunden zulasten der GeForce-Versorgung zu beeinflussen. Berichten zufolge sei der Großteil der verfügbaren Silizium-Wafer von Fertigungspartner TSMC für hochmargige KI-Beschleuniger wie H100, B200 und GB300 reserviert worden, während Endverbraucher-Grafikkarten das Nachsehen hätten.
Interne E-Mails von Amazon belegen laut Medienberichten, dass der Cloud-Anbieter AWS im August 2026 im Rahmen eines Vorab-Bereitstellungsverfahrens Nvidia-GB300-Server-Racks im Wert von rund 5 Mrd. US-Dollar abnahm und monatliche Neubestellungen von weiteren etwa 3 Mrd. US-Dollar vorsah. Da es mehreren Rechenzentren jedoch an ausreichender Stromversorgung fehlte, lagern die Racks ungenutzt.
Auch Microsoft-Chef Satya Nadella räumte ein, dass Chips eingelagert wurden, weil sie nicht unmittelbar ans Netz gehen konnten. Während Amazon das Vorgehen als unternehmerisch sinnvolle Vorratsbeschaffung verteidigte, äußerte sich Nvidia zu den Berichten nicht. Belege für den Vorwurf, Kunden seien zu derartigen Käufen gezwungen worden, liegen nicht vor.
Konkurrierende Ressourcen bei Fertigung und Speicher
Hinter den Engpässen stehen reale Verteilungskonflikte innerhalb der Halbleiterindustrie. Während die eigentliche Wafer-Fertigung bei TSMC für die Blackwell-Architektur als gesichert gilt, erweist sich die Versorgung mit GDDR7-Speicher als Nadelöhr. Analysten verweisen darauf, dass Speicherkapazitäten vorrangig in den Bereich für KI-Rechenleistung fließen.
Zudem greifen professionelle Lösungen und Desktop-Karten teilweise auf dieselben Basischips zurück. Sowohl die RTX 5090 als auch die RTX Pro 5500 basieren auf dem GB202-Chip.
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Für das professionelle Modell, das mit 84 GB GDDR7-Speicher und 21.760 Rechenkernen ausgestattet ist und rund 11.400 US-Dollar kostet, verzeichnet der Hersteller eine enorme Nachfrage: ByteDance, Alibaba und Tencent bestellten zusammen mehr als 3 Mio. Einheiten im Gesamtwert von etwa 35 Mrd. US-Dollar.
Die Gesamtnachfrage in China liegt bei über 6 Mio. Einheiten. Nvidia plant jedoch Berichten zufolge für das Jahr 2027 lediglich eine Produktion von 3 Mio. Einheiten der RTX Pro 5500, weshalb Partner zunächst nur 5 bis 10 Prozent der angefragten Kontingente erhalten.
Gerüchte über eine Einstellung der RTX 5090 wies Nvidia indes zurück. Unternehmensvertreter betonten, dass die Nachfrage hoch sei und weiterhin alle Modelle der GeForce-Reihe ausgeliefert würden, Engpässe bei Komponenten die Auslieferungsmengen jedoch belasten.
Auswirkungen auf Einzelhandel und Wiederverkaufspreise
Die Verknappung schlägt sich drastisch in den Endkundenpreisen nieder. Für das Flaggschiff RTX 5090 liegt die offizielle unverbindliche Preisempfehlung bei 1.999 US-Dollar. Bei Drittanbietern auf Plattformen wie Amazon kletterten die Notierungen zeitweise auf bis zu 8.500 US-Dollar; in den USA verlangten Zwischenhändler teilweise über 10.000 US-Dollar, während in Großbritannien Preise von über 6.000 GBP aufgerufen wurden.
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Der Preisdruck betrifft auch kleinere Modelle. In China zogen die Großhandels-Spotpreise laut Branchendaten spürbar an: Eine RTX 5080 verteuerte sich dort um rund 2.000 Yuan (etwa 300 US-Dollar) auf bis zu 15.000 Yuan. Im US-Einzelhandel lag das günstigste gelistete Modell der RTX 5080 bei 1.850 US-Dollar, während eine RTX 5050 ab 400 US-Dollar geführt wurde.
Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage führte in Asien bereits zu Zweckentfremdungen: Videoaufnahmen dokumentierten Werkstätten in China, in denen reguläre RTX-5090-Karten verschiedener Hersteller zerlegt wurden, um deren Chips auf kompakten Platinen mit Blower-Kühlern für den Einsatz in KI-Servern umzurüsten.

