Die neue Diktierfunktion des Meeting-Notizen-Anbieters Granola für macOS nutzt eine standardmäßig aktivierte Bildschirmkontext-Funktion, um gesprochene Texte präziser in Anwendungen einzufügen.
Bei dieser Funktion liest die Software über die Bedienungshilfen von macOS den Text der aktuell aktiven Anwendung aus, um beispielsweise die korrekte Schreibweise von Namen und Fachbegriffen zu gewährleisten. Dabei werden nach Unternehmensangaben keine Bildschirmfotos erstellt und Passwortfelder automatisch übersprungen. Nutzer können die Kontext-Erkennung in den Programmeinstellungen abschalten.
Kontextsensitives Diktieren direkt am Cursor
Granola hatte die Diktierfunktion am 29. Oktober 2026 über die Plattform X in einer Betaversion für den Mac angekündigt. Das Werkzeug bereinigt und formatiert gesprochene Sprache automatisch und setzt das Ergebnis an der jeweiligen Cursorposition ein. Die Eingabe funktioniert app-übergreifend, unter anderem in Programmen und Diensten wie Gmail, ChatGPT und Claude.
Die Aktivierung erfolgt standardmäßig über das Drücken der Fn-Taste, lässt sich alternativ aber auch in den Einstellungen über die Spracheingabe unter Zuweisung der erforderlichen Mikrofon- und Bedienungshilfen-Rechte einrichten.
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Die Diktierfunktion ist laut Granola in allen Tarifen ohne Begrenzung der Wortanzahl kostenlos nutzbar. Versionen für iOS und Windows sind nach Angaben des Anbieters für einen späteren Zeitpunkt geplant, konkrete Termine wurden bislang nicht genannt.
Granola wirbt damit, dass die Spracheingabe viermal schneller sei als manuelles Schreiben. Als Grundlage nennt das Unternehmen einen Richtwert von 160 gesprochenen Wörtern pro Minute im Vergleich zu 40 getippten Wörtern pro Minute.
Neben der Bildschirmkontext-Funktion enthält das Tool ein Wörterbuch für Namen und Begriffe und lernt aus nachträglichen Korrekturen durch den Nutzer. Eine unabhängige Bewertung der Genauigkeit sowie eine Liste aller unterstützten Sprachen liegen bisher nicht vor; die voreingestellte Sprache ist Englisch.
Datenverarbeitung über externe KI-Dienstleister
Während die Historie der Diktate lokal auf dem Rechner verbleibt, findet die eigentliche Audioverarbeitung nicht auf dem Mac statt. Die Audiodaten, Spracheinstellungen, Wörterbucheinträge und bei aktivem Bildschirmkontext auch begrenzter App-Text werden an spezialisierte Transkriptions- und KI-Anbieter übertragen.
In den Sicherheitsdokumenten von Granola werden als Transkriptionspartner Deepgram und Assembly sowie als KI-Dienstleister OpenAI und Anthropic aufgeführt. Laut den Unterlagen nutzen diese Anbieter die übermittelten Diktate nicht zum Training ihrer Modelle. Die aufgezeichneten Audiodaten werden nach Abschluss der Transkription gelöscht.
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Wachsender Wettbewerb im Markt für Produktivitätswerkzeuge
Mit der Erweiterung um ein eigenständiges Diktierwerkzeug bewegt sich Granola in einem Marktsegment, in dem die Grenzen zwischen Meeting-Transkription und allgemeiner Spracheingabe zunehmend verschwimmen.
Während Granola als Notizen-Tool für Konferenzen startete, ging der Konkurrent Wispr den umgekehrten Weg und ergänzte seine Diktier-App Monate zuvor um Funktionen zur Meeting-Zusammenfassung. Wispr setzt dabei auf eigene Sprachmodelle aus einem Forschungslabor.
Branchenberichten zufolge wird Granola mit 1,5 Milliarden US-Dollar bewertet, während die Bewertung von Wispr bei 2 Milliarden US-Dollar liegt. Auch andere Anbieter wie Fireflies, Speechify und Monologue kombinieren mittlerweile Werkzeuge für Besprechungsnotizen mit allgemeinen Diktierfunktionen.

