Das Softwareprojekt ArtCraft hat mit WordCraft, GridCraft und DeckCraft drei kostenlose Open-Source-Alternativen zu den Büroprogrammen Microsoft Word, Excel und PowerPoint vorgelegt. Entwickelt wurden die Anwendungen von Brandon Thomas unter Einsatz von Claude-KI-Modellen und der Programmiersprache Rust für die Betriebssysteme Windows, macOS und Linux.
Nach der Bereitstellung der Software rückt nun die juristische Tragfähigkeit des Projekts in den Fokus: Ein Rechtsexperte schätzte ein, dass der Ansatz einer unabhängigen Clean-Room-Implementierung zwar das Argument einer Nichtverletzung von Schutzrechten stützen könne, juristische Schritte des Rechteinhabers jedoch weiterhin möglich blieben. Microsoft selbst hat sich zu den Nachbauten bislang nicht geäußert.
Entwicklungsstand und Funktionsumfang der Werkzeuge
Die unter den freien Lizenzen MIT und Apache-2.0 stehenden Werkzeuge wurden in der Version 0.5.0 veröffentlicht und arbeiten lokal ohne Cloud-Anbindung, Abonnements oder Telemetrie. Sie lassen sich über eine grafische Benutzeroberfläche, die Befehlszeile, einen JSON-Kanal oder MCP-Server steuern.
WordCraft liegt im Alpha-Stadium vor und erreicht laut Entwicklerangaben rund 60 Prozent der Reife für den produktiven Einsatz. Das Textverarbeitungsprogramm deckt 422 Befehle sowie 88 Prozent der Menüband-Funktionen von Microsoft Word ab.
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Neben Formatvorlagen, Tabellen, Serienbriefen und Änderungsverfolgung unterstützt es Formate wie DOCX, ODT, RTF, HTML und Markdown sowie den PDF-Export. Beim Speichern im DOCX-Format gehen derzeit noch Diagramme, SmartArt und OLE-Objekte verloren.
Die Tabellenkalkulation GridCraft befindet sich im Pre-Alpha-Stadium bei etwa 50 Prozent Fertigstellung. Die Anwendung deckt 89 Prozent der Ribbon-Befehle und 513 von 523 Excel-Funktionen ab, darunter dynamische Arrays, Pivot-Tabellen, Flash Fill sowie Formeln wie LET und LAMBDA.
Für Präsentationen bietet DeckCraft einen Reifegrad von etwa 55 Prozent bei 79 Prozent der PowerPoint-Funktionen. Das Programm umfasst Masterfolien, über 150 Formen, Folienübergänge, Animationen und eine Referentenansicht.
Resonanz, Vorgeschichte und offene Fragen
Die quelloffenen Programme stießen auf GitHub rasch auf Interesse. WordCraft verzeichnete nach wenigen Tagen Tausende Sterne, während auch GridCraft und DeckCraft vierstellige Bewertungen verbuchten. Unterstützer betrachten die Software als Protest gegen die Abonnementmodelle großer Softwarehäuser.
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Brandon Thomas hatte zuvor bereits Open-Source-Pendants für mehrere Programme der Adobe Creative Suite publiziert, darunter PhotoCraft, FilmCraft und PdfCraft. Als nächste Vorhaben wurden unter anderem Werkzeuge für Autodesk-Anwendungen diskutiert.
Gleichzeitig sorgt die Entstehung der Anwendungen für Diskussionen in der Entwicklergemeinde. Kritiker äußerten Bedenken hinsichtlich der Codequalität von KI-generierter Software und bezweifelten, ob ein einzelner Entwickler Fehlerbehebungen und die langfristige Wartung der Programme bewältigen könne.
Thomas betonte hingegen seine eigene Programmiererfahrung und begründete den Neuentwurf mit der Unzufriedenheit über bestehende freie Bürolösungen. Offen bleibt neben der langfristigen Pflege vor allem, wie Softwarekonzerne künftig auf KI-generierte Reimplementierungen ihrer proprietären Schnittstellen und Oberflächen reagieren werden.

