Großbritannien sperrt TikTok, Instagram für unter 16 Jahren

Neues Gesetz verbietet TikTok und Instagram für Minderjährige, während WhatsApp und Signal ausgenommen bleiben.

Premierminister Keir Starmer kündigte die Maßnahmen am heutigen Montag an – mit einer entscheidenden Ausnahme.

Während Plattformen wie TikTok, Instagram und Snapchat für Kinder unter 16 Jahren tabu werden, bleiben die verschlüsselten Messengerdienste WhatsApp und Signal vom Verbot ausgenommen. Die Regierung begründet dies mit einer technischen Unterscheidung: Anders als soziale Netzwerke, die auf öffentliche Interaktion und Inhalteverbreitung ausgelegt sind, gelten die beiden Dienste als reine Kommunikationsmittel. Kinder dürfen also weiterhin verschlüsselt chatten – nur nicht mehr auf Plattformen, die nach Einschätzung der Regierung ein höheres Risiko für soziale Schäden bergen.

Welche Plattformen betroffen sind

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Die Verbotsliste liest sich wie das Who’s who der digitalen Welt. Neben Snapchat, TikTok, YouTube, Instagram, Facebook und X (ehemals Twitter) fallen auch Reddit, Twitch, Threads und Kick unter die neuen Regeln.

Konkret müssen diese Plattformen für Nutzer unter 16 Jahren:
Live-Streaming-Funktionen blockieren
Kontaktaufnahmen durch Fremde verhindern

Für KI-gesteuerte romantische Chatbots gilt sogar eine Altersgrenze von 18 Jahren. Nutzer zwischen 16 und 17 Jahren erhalten zumindest strengere Standard-Einstellungen.

Ausgenommen bleiben ausdrücklich Bildungs- und Kreativangebote: YouTube Kids, Lego Play und Google Classroom sind weiterhin erlaubt, ebenso wie Musik-Streaming-Dienste und Lernplattformen.

Zeitplan und Umsetzung

Noch vor Weihnachten 2026 soll das Gesetz ins britische Parlament eingebracht werden. Die vollständige Umsetzung ist für Anfang 2027 geplant, die konkreten Schutzmaßnahmen sollen im Frühjahr unter dem „Children’s Wellbeing and Schools Act“ in Kraft treten.

Doch damit nicht genug: Die Regierung prüft weitere Einschränkungen. Im Juli 2026 sollen Details zu möglichen nächtlichen Sperrzeiten und Pflichtpausen beim endlosen Scrollen für Nutzer unter 18 Jahren veröffentlicht werden.

Die Aufsichtsbehörde Ofcom wurde beauftragt, eine schnelle Überprüfung von Altersverifikationsmethoden durchzuführen. Bis dahin haben Tech-Unternehmen drei Monate Zeit, um zu zeigen, wie sie Kinder vor expliziten Inhalten auf ihren Plattformen schützen wollen.

Bürgerbeteiligung und Vorbild Australien

Der Ankündigung vorausgegangen war eine öffentliche Konsultation mit über 116.000 Antworten. Das Ergebnis ist eindeutig: 90 Prozent der Eltern befürworten ein Mindestalter von 16 Jahren für soziale Medien. 83 Prozent sind der Meinung, dass die Risiken der Plattformen die Vorteile für Kinder derzeit überwiegen. Und zwei Drittel der Jugendlichen selbst unterstützen Einschränkungen für jüngere Nutzer.

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Das britische Modell orientiert sich an Australien, das im Dezember 2025 ein ähnliches Social-Media-Altersverbot einführte. Allerdings geht London weiter: Die britischen Regeln enthalten zusätzliche Maßnahmen wie das Verbot von Fremdkontakten auf Gaming-Plattformen. Die Erfahrungen aus Australien zeigen jedoch, dass die Durchsetzung schwierig bleibt – rund 70 Prozent der Eltern gaben dort an, dass ihre Kinder trotz Verbots weiterhin auf den gesperrten Plattformen aktiv sind.

Offline-Alternativen für die Jugend

Um den Jugendlichen echte Alternativen zur digitalen Welt zu bieten, kündigte die Regierung das Programm „Every Child Can“ an. Mit umgerechnet rund 132,5 Millionen Euro sollen Freizeitaktivitäten und Offline-Angebote für Kinder und Jugendliche im ganzen Land gefördert werden. Ob das reicht, um die Anziehungskraft von TikTok und Co. zu brechen? Das dürfte sich zeigen.