Gürtelrose: Nur 28% der über 60-Jährigen vollständig geimpft

Ukraine und Deutschland kämpfen mit fragilen Arzneilieferketten, während geringe Impfquoten und Klinikdefizite die Gesundheitsversorgung zusätzlich belasten.

Die Stabilität der Medikamentenversorgung steht international vor erheblichen Belastungsproben. Während die Ukraine mit den infrastrukturellen Folgen langjähriger Kriegshandlungen kämpft, verdeutlichen Analysen aus Deutschland strukturelle Defizite in den Lieferketten und bei der Umsetzung präventiver Gesundheitsmaßnahmen, insbesondere für die ältere Bevölkerung.

Versorgungssituation in der Ukraine: Lagerbestände und Preisdruck

In der Ukraine werden Engpässe bei einzelnen Arzneimitteln zunehmend möglich, wenngleich derzeit kein landesweiter Mangel konstatiert wird. Nach Einschätzung des Ukrainischen Rates zum Schutz der Rechte und Sicherheit von Patienten sind die ehemals robusten Lagerbestände seit 2022 sukzessive dezimiert worden.

Ratspräsident Viktor Serdyuk wies darauf hin, dass die Reserven vor dem Krieg für Zeiträume von mehreren Monaten bis zu einem halben Jahr ausreichten, durch Zerstörungen jedoch massiv beeinträchtigt wurden.

Der ukrainische Markt besteht zu 70-80% aus Generika. Angesichts steigender Produktionskosten haben lokale Hersteller das Gesundheitsministerium um Preisanpassungen von 20-30% für spezifische Produkte gebeten.

Das Ministerium selbst gab am 9. September 2026 bekannt, dass zu diesem Zeitpunkt keine akuten Engpässe verzeichnet wurden. Die Diskrepanz zwischen behördlicher Wahrnehmung und der Warnung vor potenziellen Versorgungsstopps unterstreicht die fragile Lage des dortigen Gesundheitswesens.

Lieferkettenproblematik und Medikamentenmangel in Deutschland

Die Herausforderungen bei der Arzneimittelverfügbarkeit sind kein lokales Phänomen. Bereits Anfang des Jahres 2026 zeigten sich in Deutschland deutliche Lücken im Sortiment. Besonders betroffen waren versorgungsrelevante Präparate wie Antibiotika – speziell Säfte für Kinder –, Fiebersenker, Blutdruckmittel sowie Onkologika und Psychopharmaka. Auch Schmerzmittel, Asthmasprays und Infusionslösungen für Kliniken waren zeitweise Mangelware.

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Fachleute führen diese Instabilität auf hochgradig fragile Lieferketten zurück. Die Produktion wesentlicher Wirkstoffe ist oft in wenigen Standorten in Asien konzentriert, was die Abhängigkeit von globalen Logistikprozessen erhöht. Bei Störungen in diesen Zentren kommt es unmittelbar zu Verknappungen auf dem europäischen Markt.

Präventionslücken und Risiken für die Generation 60 Plus

Ein wesentlicher Aspekt der Arzneimittelversorgung betrifft die Prävention, wie Daten aus Brandenburg illustrieren. Laut dem BARMER-Arzneimittelreport sind in Brandenburg lediglich rund 28% der über 60-Jährigen vollständig gegen Gürtelrose geimpft. Dies steht im Kontrast zu den statistischen Risiken: Personen zwischen 60 und 69 Jahren erkranken 40% häufiger als die Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen. Ab dem 80. Lebensjahr verdoppelt sich das Risiko im Vergleich nochmals, wobei die Gefahr einer Augenbeteiligung um das Dreifache steigt.

Analysen aus dem Zeitraum von 2019 bis 2023 belegen eine geringe Impfquote in den Hausarztpraxen; nur 4,5% der Praxen erreichten eine Quote von mindestens 50% der Anspruchsberechtigten. Dabei könnten Schätzungen zufolge zwei von drei Erkrankungen durch eine Impfung vermieden werden, was auch die Belastung durch langanhaltende Nervenschmerzen reduzieren würde, von denen im Jahr 2023 etwa 1,8 von 1.000 Versicherten betroffen waren.

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Finanzielle und regulatorische Spannungsfelder im Gesundheitswesen

Die Versorgungssicherheit wird zudem durch wirtschaftliche Instabilitäten bei den Leistungserbringern gefährdet. In Baden-Württemberg warnen kirchliche und kommunale Klinikträger vor einer drohenden Insolvenzwelle.

Die Defizite der Krankenhäuser sollen dort laut Prognosen von 880 Mio. Euro im Jahr 2026 auf 1,6 Mrd. Euro im Jahr 2027 ansteigen. DKG-Chef Gerald Gaß verwies zudem auf Berechnungen, wonach bis 2030 fast die Hälfte aller Krankenhausstandorte eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit aufweisen könnte.

Parallel dazu belasten fehlgeschlagene Kapitalanlagen die Budgets der Krankenkassen. Einem Bericht zufolge existieren leistungsgestörte Immobilienanlagen mit einem Nominalwert von rund 1,1 Mrd. Euro. Bis Ende 2025 wurden hierauf bereits Wertberichtigungen von etwa 400 Mio. Euro vorgenommen. Diese finanziellen Engpässe limitieren den Spielraum für die Erstattung neuer Therapieformen.

So lehnt der GKV-Spitzenverband aktuell die Kostenübernahme für hochdosierte Cannabisextrakte ab, da deren THC-Gehalt über 25% liege – eine Rechtsfrage, die derzeit im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beraten wird. Patientenvertreter drängen hier auf eine zügige Klärung, um die Versorgungssicherheit für Betroffene nicht weiter zu gefährden.