Das US-amerikanische FBI und südkoreanische Sicherheitsbehörden haben eine gemeinsame Warnung vor der Ransomware-Gruppe Gunra herausgegeben. Die Akteure nehmen verstärkt kritische Infrastrukturen weltweit ins Visier, wobei insbesondere die Sektoren Gesundheitswesen, Finanzen und Regierungsbehörden betroffen sind.
Die Gruppe nutzt für ihre Angriffe bekannte Sicherheitslücken in Fortinet-Systemen aus, konkret die Kennungen CVE-2024-55591 und CVE-2025-24472. Nach einer erfolgreichen Verschlüsselung fordern die Angreifer Lösegelder in einer Höhe von mehr als 10 Mio. Dollar. Den betroffenen Organisationen wird dabei in der Regel eine Zahlungsfrist von lediglich 5 bis 7 Tagen eingeräumt. Experten weisen jedoch darauf hin, dass eine Linux-Variante der Gunra-Schadsoftware eine spezifische Schwachstelle aufweist. Diese ermögliche eine Wiederherstellung der verschlüsselten Dateien, ohne dass eine Lösegeldzahlung geleistet werden müsse.
Eskalation der Bedrohungslage in Europa und dem Nahen Osten
Parallel zu den Warnungen vor Gunra berichten die Vereinigten Arabischen Emirate über die Abwehr von Cyberangriffen auf den Luftfahrt-, Energie- und Bildungssektor. Details zu den Urhebern oder dem genauen Ausmaß der Vorfälle wurden über die staatliche Nachrichtenagentur jedoch nicht bekannt gegeben.
In Europa hat das polnische CERT Einzelheiten zu einem schwerwiegenden Vorfall aus dem Dezember 2025 veröffentlicht. Die Gruppe Sandworm griff damals ein kleineres Heizkraftwerk an. Als Angriffsvektor diente ein privates APN, über das sich die Angreifer via Fortinet-VPN und Teltonika-Router Zugang verschafften. Ziel war die Manipulation der operativen Technik: Die Akteure stoppten Siemens-PLCs und beschädigten WAGO-Controller. Eine Unterbrechung der Wärme- und Stromversorgung konnte jedoch verhindert werden.
Angesichts der volatilen Sicherheitslage haben Polen und die baltischen Staaten ihre Schutzmaßnahmen für kritische Infrastrukturen verschärft. Hintergrund sind Befürchtungen vor russischen Sabotageakten unter falscher Flagge. Während Litauen Militärkräfte stationiert, sichert Lettland verstärkt Staudämme und Gasspeicher. Der Energiekonzern Orlen prüft zudem alternative Routen für den Gasimport.
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Staatliche Gegenmaßnahmen und neue Sicherheitsframeworks
In den USA reagiert die Politik auf die wachsende Bedrohung durch KI-gestützte Angriffe. Der kalifornische Gouverneur Newsom kündigte das landesweit erste KI-Cyberverteidigungsprogramm an. Dieses umfasst unter anderem den Ausbau von Schutzmaßnahmen für lokale Behörden und die Ernennung von KI-Cybersicherheitsbeauftragten in jeder Staatsbehörde. Die Initiative erfolgt vor dem Hintergrund massiver Kürzungen der Bundesmittel; der Haushaltsentwurf für 2027 sieht eine Reduzierung des Budgets der Cybersicherheitsbehörde CISA um 707 Mio. $ vor, was einem Rückgang von 30 % entspricht.
Auf regulatorischer Ebene veröffentlichte das NIST NCCoE das Dokument NIST IR 8576, das als Leitfaden zur Verbesserung der Cybersicherheit für US-Verkehrsbetriebe dienen soll. In Europa gab das NCSC Leitlinien zur Umsetzung der NIS2-Richtlinie heraus. Dabei wird der Cyber Fundamentals Framework (CyFun) als bevorzugtes Modell für das Risikomanagement empfohlen, wobei die Verantwortung ausdrücklich der obersten Führungsebene zugewiesen wird.
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Technologische Aufrüstung und wirtschaftliche Bedeutung
Die technologische Komplexität der Angreifer nimmt weiter zu. Berichte über die nordkoreanische Gruppe Kimsuky (APT43) zeigen, dass diese bereits eigene Offline-KI-Umgebungen nutzt. Mithilfe von Tools wie Ollama und GPT4All werden gestohlene Dokumente automatisiert ausgewertet und Phishing-Kampagnen erstellt.
Brian McGillion vom Technology Innovation Institute betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit nationaler Sicherheitslabore, da das Vertrauen in Technologien nicht vollständig ausgelagert werden könne. Er verwies auf die Effizienz automatisierter Systeme: In der DARPA AI Cyber Challenge wurden 18 Schwachstellen in weniger als einer Stunde zu Kosten von lediglich $150 identifiziert.
Die wirtschaftliche Dimension der Branche wächst stetig. Laut Daten der GSMA erwirtschafteten mobile Technologien in der Region Asien-Pazifik im vergangenen Jahr einen Wert von 1 Billion US-Dollar, was 5,9 % des regionalen BIP entspricht. Die Ausgaben für Cybersicherheit in diesem Raum sollen bis 2028 auf 60,6 Mrd. $ ansteigen. Dass der Bedarf an Schutzmaßnahmen akut bleibt, zeigt der jüngste Vorfall bei Ceva Logistics: Seit Ende Juli sind acht europäische Lagerstandorte von einem Angriff betroffen, bei dem Kundendaten von Organisationen wie ING, Valve und Bol entwendet wurden.

