Der Entwickler Mitchell Hynes hat das Original-Xbox-Spiel Halo: Combat Evolved aus dem Jahr 2001 browserfähig gemacht – inklusive Unterstützung für Multiplayer-Partien mit bis zu 128 Spielerinnen und Spielern. Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um den von Gearbox 2003 veröffentlichten PC-Port, sondern um das Original-Spiel, das nun ohne Installation in Chrome und Firefox mit voller Maus- und Tastatursteuerung spielbar ist.
Volle Kampagne und Multiplayer im Browser
Die Browser-Version bietet nach Angaben von Hynes die komplette Kampagne, Splitscreen-Koop sowie Online-Multiplayer mit bis zu 128 Teilnehmenden. Der Mehrspielermodus läuft über private Lobbys per Einladungslink im Peer-to-Peer-Verfahren – ein Matchmaking existiert nicht, und der jeweilige Host benötigt eine stabile Internetverbindung.
Laut Hynes ist die 128-Spieler-Option im Menü noch experimentell und wurde in dieser Größenordnung nicht vollständig getestet. Technisch basiert die Umsetzung auf einer Byte-Level-Wasm-Kompilierung, die laut Beschreibung mehr als 120 Bilder pro Sekunde über WebGL 2.0 ermöglicht, während der Multiplayer über Cloudflare Workers und Durable Objects abgewickelt wird.
Grundlage ist eine Dekompilierung von Halo: Combat Evolved durch den Entwickler bnunu im Rahmen des Projekts Halo-1, das wiederum auf Arbeiten von punpckhdq aufbaut.
Ein Fork des Cybersecurity-Teams namens „halo-ce-universal“ auf GitHub ergänzte daraufhin den 128-Spieler-Multiplayer sowie Kompatibilität mit Windows, Linux und Android. Zum Spielen benötigen Nutzerinnen und Nutzer ein eigenes Disc-Image (.xiso/.iso) des Originalspiels, das mit allen bekannten Versionen kompatibel sein soll.
Laut Hynes dürfte bei der Entwicklung erhebliche KI-Unterstützung im Spiel gewesen sein, worauf die GitHub-Seite selbst allerdings keine näheren Angaben macht; eine weitere Einordnung verweist darauf, dass das Modell Claude Opus 5.5 die Hürde für derartige Projekte gesenkt habe.
Hoher Andrang und kurzzeitige Sperre
In den ersten fünf Stunden nach dem Livegang verzeichnete das Projekt nach Angaben mehrerer Quellen fast 20.000 Spiele beziehungsweise Sessions bei einer durchschnittlichen Framerate von 94 Bildern pro Sekunde; eine Quelle beziffert dies auf über 20.000 Sessions und mehr als 1.000 Multiplayer-Partien aus 115 Ländern.
Die Performance schwankt dabei je nach Hardware deutlich: Auf iOS und Android soll das Spiel laut Hynes kaum spielbar sein, weshalb er zum PC rät. Erste Tests deuten zudem auf mögliche Performance-Einbrüche beim Laden bestimmter Spielzonen hin.
Der virale Andrang hatte Folgen für die Website selbst: Sie wurde für rund 24 Stunden mit einer „Suspected Phishing“-Warnung blockiert. Laut Hynes handelte es sich um eine automatische Cloudflare-Maßnahme und nicht um ein Eingreifen Microsofts.
Die Sperre erfolgte demnach rund sieben Stunden nach dem Start, nachdem Sicherheits-Crawler durch die Verbreitung über URL-Wrapping auf Twitter sowie durch den massiven Wasm-Datentransfer und aggressiven WebSocket-/WebRTC-Traffic der 128-Spieler-Lobbys auf die Seite aufmerksam geworden waren.
Acht Stunden nach dem Start meldete sich Hynes öffentlich, nach zwölf Stunden entfernte Cloudflare die Warnung, und zwei Stunden später war die Seite wieder vollständig erreichbar.
Kein offizielles Microsoft-Projekt
Microsoft hat den Browser-Release nicht genehmigt; es handelt sich um ein inoffizielles Experiment ohne Billigung des Konzerns. Beobachter sehen darin möglicherweise eine unerwünschte Konkurrenz zu Halo: Campaign Evolved, das Microsoft im Juli 2026 für PC und Konsolen veröffentlicht hatte.
Der Konzern hatte zuvor die Entwicklung des nächsten Haupt-Halo-Titels an Activision übergeben und Halo Studios, vormals 343 Industries, verkleinert beziehungsweise geschlossen.
Neben der Browser-Fassung kursieren bereits weitere inoffizielle Community-Ports von Halo: Combat Evolved für Android, Linux sowie PlayStation 4 und 5, die ebenfalls die volle Kampagne und Multiplayer-Funktionen bieten sollen – die PlayStation-Varianten setzen allerdings ein jailbroken Gerät voraus. Offen bleibt laut einer Einschätzung, ob die 128-Spieler-Infrastruktur der Browser-Version auch unter anhaltend hoher Last stabil funktioniert.

