Das Laden von Mobiltelefonen während der Nachtstunden gehört für viele Verbraucher zum Alltag. Prüforganisationen und Sicherheitsfachleute weisen jedoch darauf hin, dass die Praxis nicht völlig frei von Risiken ist.
Experten wie Dr. Hermann Dinkler vom TÜV-Verband betonen, dass beim nächtlichen Aufladen zwar ein generell geringes, aber keineswegs ausgeschlossenes Brandrisiko besteht. Neben Sicherheitsfragen spielt dabei auch die Lebensdauer moderner Lithium-Ionen-Akkus eine wesentliche Rolle.
Hauptursachen für Erwärmung und Brände
Nach Angaben des TÜV-Verband-Experten lassen sich Zwischenfälle vor allem auf vier wesentliche Ursachen zurückführen. An erster Stelle stehe mangelhafte Billig- und Fälschungselektronik. Wie Kontrollen belegen, erteilte die Bundesnetzagentur im Jahr 2024 Verkaufsverbote für über 1,9 Millionen Geräte, unter denen sich auch Multifunktions-Ladegeräte befanden. Als zweiter Faktor gilt der mechanische Verschleiß von Netzteilen und Verbindungskabeln.
Ein dritter Gefahrenpunkt ist eine starke Erwärmung. Sollte sich ein Gerät so stark aufheizen, dass es zu heiß zum Anfassen wird, sei Skepsis geboten. Geräte sollten keinesfalls im Bett zwischen Matratze und Kissen geladen werden.
Auch Apple empfiehlt in Sicherheitsrichtlinien, Telefone, Kabel, Netzteile und kabellose Ladestationen an gut belüfteten Orten zu platzieren und nicht unter Textilien zu betreiben. Als vierte Ursache nennt Dinkler unpassende Kombinationen von Zubehör, da überdimensionierte Netzteile überhitzen können.
Der Zubehörhersteller Wecent verweist zudem darauf, dass Erwärmung unter Last bei hohen Wattzahlen physikalisch bedingt zunimmt, Warnsignale wie Brandgeruch, Verfärbungen oder Schmelzspuren jedoch auf schwere Defekte hinweisen.
Statistische Wahrscheinlichkeiten und Brandschutz
Einsatzkräfte und Notfalldienste stufen schwere Vorfälle bei vorschriftsmäßiger Nutzung als selten ein. Die spanische Notfallorganisation ASEM 112 beziffert die Wahrscheinlichkeit eines schweren Zwischenfalls bei einer zertifizierten Batterie auf etwa 1 zu 10 Millionen. Zu den typischen Alarmsignalen zählen demnach Gas- oder Plastikgeruch, pfeifende Geräusche, Verformungen oder Temperaturen von über 60 °C.
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Die Feuerwehr Madrid empfiehlt das Laden auf harten, nicht brennbaren Unterlagen, den Einsatz von Original- oder EU-homologierten Geräten sowie das Freihalten von Fluchtwegen. Rauchmelder in Wohnungen können das Risiko schwerer oder tödlicher Verletzungen laut Erhebungen von ASEM 112 aus dem Jahr 2023 halbieren.
Kommt es zu Rauchentwicklung, raten Notfallstellen zur sofortigen Trennung der Stromzufuhr, dem Verbringen des Geräts ins Freie oder dem Einsatz von Löschdecken beziehungsweise ABC-Feuerlöschern.
Akkuschonung und Lademanagement moderner Geräte
Fachleute betrachten den Ladevorgang nicht nur unter Sicherheits-, sondern auch unter Verschleißaspekten. Meena Jha, Professorin an der CQUniversity Australia, schätzt das nächtliche Laden für Nutzer moderner Smartphones als weitgehend unbedenklich ein, da aktuelle Geräte den Ladevorgang eigenständig elektronisch regeln.
Ausschlaggebend für die Zellalterung seien vor allem die Verweildauer bei hohen Spannungen sowie übermäßige Hitze. Hersteller integrieren daher Schutzfunktionen: Apple führte 2019 optimiertes Laden ein, Google nutzt adaptives Laden und Samsung bietet Akkuschutzoptionen an, die den Ladestand teils fest auf 80 bis 85 Prozent begrenzen.
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Chao-Yang Wang, Direktor des Centers for Electrochemical Engines an der University of Pennsylvania, legt dar, dass ein Akku bei dauerhafter Ladung auf 100 Prozent über seine Lebensdauer etwa 10 bis 15 Prozent schneller verschleißt als bei einer Begrenzung auf 90 Prozent.
Für den Alltagsgebrauch hält Wang einen Korridor zwischen 20 und 80 Prozent für optimal. Der TÜV SÜD empfiehlt zur Schonung der Zellen, die typischerweise auf 500 bis 2000 Ladezyklen ausgelegt sind, einen Bereich zwischen 30 und 70 Prozent und rät von vollständigen Entladungen ab.
Empfehlungen für den Umgang mit Ladegeräten
Experten raten einhellig dazu, Ladeadapter nach Abschluss des Ladevorgangs aus der Steckdose zu ziehen. Leerlaufversuche von Feuerwehren zeigten, dass auch ohne angeschlossenes Endgerät geringe Spannungen anliegen und ein Transformator warm bleiben kann, was bei Vorschäden ein theoretisches Kurzschlussrisiko birgt.
Auch für Powerbanks, deren Lebensdauer Hersteller wie Anker mit 300 bis 500 Ladezyklen angeben, gilt die Empfehlung, auf intakte Kabel zu achten, weiche Ablagen zu vermeiden und Akkus nicht unüberwacht über Nacht am Netz zu belassen.

