Handy-Recycling: 167 Millionen Geräte mit einer Tonne Gold lagern ungenutzt

Studie belegt: In deutschen Haushalten lagern Handys mit einer Tonne Gold, doch der Recycling-Anreiz sinkt.

Rund 167 Millionen alte Handys lagern ungenutzt in deutschen Schubladen – und enthalten eine Tonne Gold.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat in einer heute veröffentlichten Studie das wahre Ausmaß des deutschen Handy-Tresors enthüllt. In den heimischen Beständen schlummern neben dem Edelmetall auch 3.700 Tonnen Aluminium und 1.800 Tonnen Kupfer. Das Problem: Nur ein Bruchteil landet im Recycling.

Warum sich das Einsammeln kaum lohnt

Der wirtschaftliche Anreiz fürs Recycling schwindet. Der Materialwert pro Gerät ist in den letzten zehn Jahren um rund 50 Prozent gefallen – auf durchschnittlich nur noch 1,25 Euro pro Handy. Kein Wunder also, dass lediglich fünf bis zehn Prozent der Altgeräte in den Recycling-Kreislauf gelangen.

„Die geringe Rücklaufquote ist das größte Hindernis“, erklärt Studienleiterin Britta Bookhagen. Dabei wächst das Problem weltweit rasant: Die Menge an Elektroschrott ist zwischen 2010 und 2022 um 82 Prozent gestiegen. Global werden jährlich etwa 2,8 Millionen Tonnen Elektroschrott produziert – die Recyclingquote liegt international bei mageren 17,4 Prozent.

Industrie setzt auf Großanlagen

Die Industrie reagiert mit Milliardeninvestitionen. Am Freitag nimmt der Kupferproduzent Aurubis seine neue Anlage „Complex Recycling Hamburg“ (CRH) in Betrieb. 190 Millionen Euro flossen in die Fabrik, die Kupfer, Blei und Schwefelsäure aus Elektroschrott gewinnen soll.

In Dänemark läuft parallel das CIRCUIT-Projekt. Sieben Unternehmen arbeiten bis 2028 daran, seltene Erden und Tantal aus Leiterplatten zurückzugewinnen. Das ist dringend nötig: Bei herkömmlichen Schmelzverfahren werden schätzungsweise 20 bis 35 Prozent der Handy-Materialien zerstört.

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Die BGR-Studie zeigt: 167 Millionen alte Handys enthalten eine Tonne Gold – doch der Materialwert pro Gerät ist auf 1,25 Euro gefallen. Unser Report erklärt in 3 Schritten, wie Sie Altgeräte erkennen und von neuen EU-Regeln profitieren. Kostenlosen Report jetzt sichern

Technische Durchbrüche bei der Reinheit

Die Technologie macht Fortschritte. Das US-Unternehmen Momentum Technologies erreichte kürzlich eine Reinheit von 99,9 Prozent bei Neodym-Praseodym-Oxid – einem Schlüsselrohstoff für Magnete. Auch Dysprosium und Yttrium lassen sich inzwischen zu 99,5 Prozent rein gewinnen.

In Indien fokussieren sich Firmen wie Attero und Exigo Recycling auf Batterieabfälle. Sie gewinnen Lithium, Kobalt und Nickel zurück – Mineralien, die die Region derzeit zu 100 Prozent importieren muss. Zwar hat die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) rund 60 Prozent des Elektroschrotts in den formellen Sektor gebracht, doch der informelle Sektor verarbeitet noch immer über 80 Prozent der Gesamtmenge.

Neue EU-Regeln und Sicherheitsdebatten

Seit 2025 schreibt die EU vor, dass Hersteller Ersatzteile länger bereitstellen und Reparaturinformationen veröffentlichen müssen. Organisationen wie iFixit arbeiten mit Recyclern zusammen, um Komponenten aus Altgeräten für die Wiederverwendung zu gewinnen.

Ein weiteres Thema beschäftigte heute das Europaparlament: die Brandgefahr durch falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus. Branchenvertreter von BDE und Denuo trafen sich mit Abgeordneten, um über Pfandsysteme für Batterien und ein Verbot fest verbauter Akkus zu diskutieren.

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Weltweit werden jährlich 2,8 Millionen Tonnen Elektroschrott produziert, nur 17,4% landen im Recycling. Neue EU-Vorschriften ab 2026 zwingen Hersteller zu mehr Reparatur und Recycling. Unser Report zeigt, welche Altgeräte sich lohnen und wie Sie die Rohstoffausbeute maximieren. Report: Handy-Recycling-Strategie 2026

Zukunftsaussichten: 75 Prozent Bedarfsdeckung bis 2030

Das EU-geförderte WISER-Projekt verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Innerhalb von vier Jahren sollen Halbleiter-Rohstoffe wie Antimon, Silizium und Silber aus Abfallquellen gewonnen werden. Analysten schätzen, dass solche Initiativen bis 2030 rund 75 Prozent des europäischen Bedarfs decken könnten – und das zu deutlich geringeren Kosten als der traditionelle Bergbau.