Das Legal-Software-Unternehmen Harvey hat die Einführung von Tenet bekannt gegeben, seinem ersten proprietären KI-Modell, das speziell für juristische Arbeitsprozesse entwickelt wurde. Mit einer aktuellen Bewertung von 11 Mrd. US-Dollar positioniert sich das Unternehmen damit direkter gegen allgemeine KI-Anbieter wie Anthropic und OpenAI, die ihre Präsenz auf dem Rechtsmarkt in den letzten Monaten ebenfalls verstärkt ausgebaut haben.
Das neue Modell Tenet ist darauf ausgelegt, komplexe Aufgaben, die traditionell von Anwälten durchgeführt werden, effizienter zu bearbeiten. Ein zentrales Ziel bei der Entwicklung war es, diese juristischen Dienstleistungen kostengünstiger anzubieten, als dies durch den Einsatz von Drittanbieter-Modellen möglich wäre. Damit reagiert Harvey auf den wachsenden Bedarf an spezialisierten Lösungen innerhalb der Branche, während gleichzeitig der Wettbewerbsdruck durch große Sprachmodell-Entwickler zunimmt.
Parallel zur Vorstellung des neuen Modells hat das Unternehmen Harvey II veröffentlicht. Dabei handelt es sich um die zweite Generation seiner Plattform, die unter anderem ein integriertes „Memory“-Tool umfasst. Diese Funktion, die bereits seit Januar angekündigt war, ermöglicht es der künstlichen Intelligenz, einen kontinuierlichen Kontext über verschiedene Arbeitsschritte hinweg beizubehalten.
Das Memory-System wurde entwickelt, um den individuellen Stil beim Verfassen von Dokumenten sowie spezifische Zitierstrukturen und persönliche Präferenzen einzelner Juristen zu speichern.
Diese Informationen stehen nicht nur innerhalb der Harvey-Plattform zur Verfügung, sondern lassen sich zudem in Standardanwendungen wie Microsoft Word und Outlook integrieren. Das umfassende Update von Harvey II beinhaltet darüber hinaus eine neue Benutzeroberfläche sowie KI-Agenten, die den spezifischen Nutzerkontext berücksichtigen können.
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An der Entwicklung von Harvey II waren über einen Zeitraum von sechs Monaten zahlreiche internationale Anwaltskanzleien und interne Rechtsabteilungen beteiligt. Zu den Design-Partnern gehörte unter anderem die australische Kanzlei Mallesons.
Ein wesentlicher Fokus der Entwicklungsarbeit lag auf der Datensicherheit und der Nutzerkontrolle: Anwender können ihren persönlichen Speicher jederzeit einsehen, ändern oder vollständig deaktivieren. Harvey stellte zudem klar, dass die im persönlichen Speicher hinterlegten Daten nicht für das Training von KI-Modellen verwendet werden.
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Derzeit ist die Nutzung des Memory-Tools auf den individuellen Speicher für einzelne Nutzer beschränkt. Das Unternehmen verfolgt jedoch das Ziel, künftig auch gemeinsame sowie organisationsweite Speicherlösungen anzubieten. Ergänzt wird die Plattform durch weitere Neuerungen wie „Spaces“, ein Modul für die gemeinsame, aktenzentrierte Ablage von Dokumenten.
Anique Drumright, Chief Product Officer bei Harvey, hob die praktischen Vorteile der neuen Werkzeuge hervor. Das System spare Zeit bei der Einhaltung formaler Präferenzen und schaffe so mehr Raum für Aufgaben, die das fachliche Urteilsvermögen der Juristen erfordern.

