Die weltweite Knappheit bei High-Bandwidth-Speicher (HBM) zwingt führende KI-Hardware-Hersteller zu Kompromissen. Nvidia prüft offenbar, die Speicherausstattung seiner kommenden Rubin-Ultra-Architektur zu reduzieren, weil die drei dominierenden Speicherhersteller Samsung, SK Hynix und Micron ihre Produktionskapazitäten für 2027 bereits vollständig ausgelastet haben. Die Engpässe könnten die gesamte Technologiebranche bis 2028 beeinträchtigen.
Nvidia vor schwieriger Abwägung
Der KI-Chip-Primus steht vor einem Dilemma: Lieferfähigkeit oder maximale Leistung? Branchenberichten vom 6. August zufolge testet das Unternehmen mindestens drei Varianten der für Anfang 2027 geplanten Rubin-Ultra-GPU mit reduzierter Speicherbestückung. Ursprünglich hatte CEO Jensen Huang 1 Terabyte HBM4E-Speicher über 16 Stacks in Aussicht gestellt. Nun erwägt Nvidia offenbar Versionen mit zwölf oder sogar nur acht Stacks.
Die Rechnung dahinter ist simpel: Analysten von Eugene Investment beziffern den Produktionsverlust beim Wechsel von 16 auf zwölf Stacks auf rund 33 Prozent. Umgekehrt ließe sich die Ausbeute durch den Rückgriff auf acht Stacks um 50 Prozent steigern. Angesichts der eklatanten Angebotslücke priorisiert Nvidia offenbar die Auslieferung von Hardware gegenüber der idealen Speicherperformance.
Märkte bis 2027 leergefegt
Die Lage ist angespannt: Samsung, Micron und SK Hynix haben ihre DRAM- und HBM-Produktion für das gesamte Kalenderjahr 2027 bereits vollständig vergeben. Große KI-Unternehmen zahlen erhebliche Aufschläge und leisten Vorauszahlungen, um sich Restkapazitäten zu sichern.
Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Booms. Marktbeobachter prognostizieren für 2026 einen weltweiten Speicherumsatz von rund 960 Milliarden Euro – ein Anstieg von 290 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit entfallen etwa 60 Prozent des gesamten Halbleitermarktes auf Speicherchips. Doch das Ungleichgewicht bleibt: Während die DRAM-Nachfrage 2027 voraussichtlich um 34,4 Prozent wachsen wird, dürfte das Angebot nur um 20 Prozent zulegen.
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Verbraucher spüren die Folgen
Die Knappheit treibt die Preise in der gesamten Technologiebranche nach oben. Aktuelle Daten zeigen: DDR5-Arbeitsspeicher kostet pro Gigabyte zwischen 11,41 und 13,28 Euro – ein Niveau, das zuletzt 2008 bei DDR2-Modulen erreicht wurde. Der Vorsitzende der SK Group bezeichnete diese Preise als „abnormal hoch“, verursacht durch den unersättlichen Bedarf der KI-Rechenzentren.
Die Kosten erreichen die Endverbraucher: Spielkonsolen verteuern sich spürbar, die Xbox Series X und S kosten 150 Euro mehr. Auch beim kommenden Switch-Nachfolger wird bereits im nächsten Monat eine Preiserhöhung erwartet. Apple kämpft derweil mit eigenen Problemen: Der Konzern hat für rund eine Milliarde Euro Prozessor-Wafer für das iPhone 18 eingelagert, wartet jedoch auf verfügbaren DRAM-Speicher, um die Verpackung abzuschließen. Das iPhone 18 Pro dürfte entsprechend teurer werden – erwartet wird ein Einstiegspreis von über 1.399 Euro.
Neue Konkurrenz nutzt die Gunst der Stunde
Die Krise öffnet neuen Anbietern die Tür. Der chinesische Speicherhersteller CXMT erreichte im zweiten Quartal 2026 einen DRAM-Marktanteil von sieben Prozent – ein Anstieg von 716 Prozent im Jahresvergleich. Analysten warnen jedoch: Die zusätzlichen Kapazitäten werden von Rechenzentren sofort aufgesogen und bringen kaum Entlastung für den allgemeinen Markt.
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Nvidia, das Apple jüngst bei der Marktkapitalisierung überholt hat, legt am 26. August seine Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor. Analysten erwarten einen Umsatz von rund 91 Milliarden Euro bei Bruttomargen nahe 75 Prozent. Die finanzielle Perspektive der KI-Führungskräfte bleibt stark – doch der anhaltende Speicherengpass könnte Produktionspläne und Produktleistung bis 2028 beeinflussen.

