Herzinfarkt-Prävention: Lp(a)-Senker Pelacarsen verfehlt klinische Ziele

Pelacarsen senkte zwar Lipoprotein(a), brachte aber keinen klinischen Vorteil. Novartis beendet die Studie, Ionis verliert wichtige Einnahmen.

Die pharmazeutische Entwicklung von Lipoprotein(a)-Senkern hat einen signifikanten Dämpfer erhalten. Wie aus Daten vom 7. September 2026 hervorgeht, konnte der Wirkstoffkandidat Pelacarsen, der gemeinschaftlich von Novartis und Ionis Pharmaceuticals entwickelt wurde, die gesteckten Ziele in einer großangelegten klinischen Untersuchung nicht erreichen.

Die Ergebnisse werfen Fragen zur therapeutischen Strategie bei Patienten mit erhöhten Lp(a)-Werten auf, die trotz bestehender Standardtherapien ein hohes kardiovaskuläres Risiko tragen.

Diskrepanz zwischen Biomarker-Senkung und klinischem Nutzen

In der Phase-III-Studie, an der insgesamt 8.323 Probanden über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahren teilnahmen, wurde die Wirksamkeit von Pelacarsen zur Reduktion schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse untersucht.

Zwar bestätigten die Daten, dass Pelacarsen den Spiegel des Lipoproteins(a) im Blut wie beabsichtigt senkte, doch schlug sich dieser biochemische Effekt nicht in einem klinischen Vorteil nieder. Der primäre Endpunkt – eine statistisch signifikante Verringerung von Herzinfarkten, Schlaganfällen oder kardiovaskulär bedingten Todesfällen – wurde verfehlt.

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Angesichts dieser enttäuschenden Resultate hat Novartis die Entscheidung getroffen, die klinische Prüfung von Pelacarsen einzustellen. Analysten der Investmentbank JPMorgan wiesen in einer ersten Einordnung darauf hin, dass die teilnehmenden Patienten bereits sehr gut auf bestehende Therapien eingestellt gewesen seien, was die statistische Hürde für den Nachweis eines Zusatznutzens durch den neuen Wirkstoffkandidaten möglicherweise erhöht habe. Die vollständigen Datensätze der Studie sollen auf einem kommenden Fachkongress der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Wirtschaftliche Folgen für Novartis und Ionis Pharmaceuticals

Die Nachricht über den Studienabbruch am 7. September 2026 löste umgehende Reaktionen an den Finanzmärkten aus. Da Pelacarsen als potenzieller Blockbuster galt, hatten Analysten im Vorfeld mit einem jährlichen Umsatzpotenzial zwischen 3 und 6 Milliarden US-Dollar gerechnet. Dieser erwartete Erlösstrom bricht nun weg, was die Bewertung beider beteiligter Unternehmen belastete.

Die Aktie von Novartis verzeichnete im nachbörslichen Handel einen Rückgang von 4 Prozent, während sie im regulären Handelsverlauf um etwa 3,3 Prozent nachgab.

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Deutlich schwerwiegender traf es den Partner Ionis Pharmaceuticals: Hier brach der Aktienkurs nachbörslich um 10 Prozent ein, im weiteren Verlauf wurde sogar ein Minus von 12 Prozent gemeldet. Für Ionis bedeutet das Scheitern von Pelacarsen den Verlust einer wichtigen Meilensteinzahlung und künftiger Lizenzgebühren.

Strategische Neuausrichtung im Portfolio von Novartis

Trotz des Misserfolgs in der Lipidtherapie hält Novartis an seinen Ambitionen im Bereich der Herz-Kreislauf- und Immunerkrankungen fest. Das Unternehmen verlagert nun den Fokus auf andere Projekte in der späten Entwicklungsphase.

Marktbeobachter verwiesen darauf, dass Novartis seine Hoffnungen verstärkt auf die Wirkstoffe Remibrutinib und Del-desiran setze, um die durch Pelacarsen entstandene Lücke in der mittelfristigen Umsatzplanung zu schließen.

Während Remibrutinib vor allem in der Immunologie eine Rolle spielt, bleibt die Suche nach einer wirksamen medikamentösen Intervention bei erhöhten Lp(a)-Werten eine Herausforderung für die gesamte Branche. Die Pelacarsen-Studie verdeutlicht, dass die Senkung dieses speziellen Risikofaktors allein nicht zwangsläufig zu einer Verbesserung der Patientenprognose führt, solange andere kardiovaskuläre Parameter bereits optimal kontrolliert sind.