Ab heute gelten in den USA neue Regeln für den Umgang mit besonders sensiblen Patientendaten. Die Reform soll die Behandlung von Suchterkrankungen verbessern, indem sie lange bestehende Datenschutz-Hürden abbaut. Für Kliniken und Arztpraxen war der 16. Februar eine verbindliche Frist zur Umsetzung.
Ein historischer Bruch mit Informations-Silos
Die Neuregelung bringt zwei bisher getrennte Datenschutzregime in Einklang: Den allgemeinen HIPAA Privacy Rule und die speziellen, extrem strengen Vorschriften für Aufzeichnungen zu Substanzgebrauchsstörungen (SUD) nach 42 CFR Part 2. Letztere sollten Patienten vor Stigmatisierung schützen, führten in der Praxis aber oft zu abgeschotteten Dateninseln. Das behinderte eine koordinierte Behandlung, besonders bei Patienten mit mehreren Erkrankungen.
„Das alte System war gut gemeint, aber unpraktisch“, erklärt ein Gesundheitsrecht-Experte. „Jeder einzelne Datenaustausch erforderte eine separate Einwilligung. Das bremste die integrierte Versorgung aus.“ Die von US-Gesundheitsministerium (HHS) vorangetriebene Reform setzt genau hier an.
Revolution der Patienten-Einwilligung
Der Kern der Änderung ist eine modernisierte Einwilligungserklärung. Patienten können nun mit einer einzigen, umfassenden Einwilligung zustimmen, dass ihre SUD-Daten zu Behandlungs-, Abrechnungs- und Betriebszwecken genutzt und geteilt werden dürfen. Diese Daten müssen nicht mehr in separaten Systemen geführt werden und können so in die elektronische Patientenakte (ePA) integriert werden.
Doch mehr Datenfluss bedeutet nicht weniger Kontrolle. Die neuen Regeln stärken gleichzeitig die Patientenrechte. Betroffene haben nun explizit das Recht auf eine Auskunft darüber, wann und an wen ihre SUD-Daten weitergegeben wurden. Sie können auch Einschränkungen für die Nutzung beantragen. Alle behandelnden Stellen – von der Hausarztpraxis bis zur Krankenkasse – müssen über diese Rechte in ihren aktualisierten Datenschutzerklärungen informieren.
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Treiber des globalen Digitalisierungsbooms
Die regulatorische Harmonisierung kommt zu einer Zeit rasanten technologischen Wandels. Der globale Markt für elektronische Patientenakten wird von 18,4 Milliarden US-Dollar (2024) auf voraussichtlich über 31 Milliarden bis 2033 wachsen. Treiber sind Künstliche Intelligenz, Cloud-Computing und Datenanalysen.
Für diesen Boom ist Interoperabilität entscheidend – also die Fähigkeit verschiedener Systeme, Daten nahtlos auszutauschen. „Vereinheitlichte Datenschutzregeln sind die Grundlage für vertrauenswürdige, vernetzte Gesundheitsnetze“, so eine Branchenanalystin. Die US-Reform gilt als wichtiger Schritt, um die rechtliche Klarheit für solche Netzwerke zu schaffen.
Weg frei für die vernetzte Versorgung der Zukunft
Mit dem Stichtag beginnt die Umsetzung in der Praxis. Kliniken und Praxen müssen ihre Abläufe anpassen, Mitarbeiter schulen und ihre IT-Systeme aktualisieren. Die Reform ist Teil einer größeren Strategie der US-Regierung für mehr Transparenz und Datenaustausch im Gesundheitswesen.
Weitere Regeln, etwa zur Berichterstattung von Krankenkassen oder zu neuen Datenaustausch-Schnittstellen (APIs) ab 2027, stehen bereits in den Startlöchern. Gemeinsam markieren sie den Abschied von fragmentierten, papierbasierten Prozessen. Das Ziel ist klar: ein effizienteres, transparenteres und patientenzentrierteres digitales Ökosystem für die Gesundheit.





