Kriminelle hatten Ende März eine Erpressungsmail geschickt, die erst nach 21 Tagen geöffnet wurde. In der Zwischenzeit platzierten sie vergiftete Gläschen in Supermärkten.
Warum die Warnung im Postfach versauerte
Die verhängnisvolle Nachricht traf am 27. März in einem allgemeinen Sammelpostfach von Hipp ein. Solche Adressen werden laut Unternehmen nur in größeren Abständen geprüft. Diese Lücke wurde fatal: Die Mail, die eine Forderung von zwei Millionen Euro enthielt, wurde erst am 16. April entdeckt. Die Frist der Täter war da bereits seit zwei Wochen abgelaufen.
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Erst dann informierte Hipp Polizei und Behörden und richtete einen Krisenstab ein. Die Kritik bleibt: Ein Konzern mit einer der sensibelsten Zielgruppen – Eltern und Kleinkinder – hatte keine engmaschigere Überwachung seiner digitalen Kanäle.
Rattengift in der Babykost: So gingen die Täter vor
In der Mail kündigten die Erpresser präzise an, was passieren würde: Sie würden Gläschen der Sorte „Karotten mit Kartoffeln“ (190g) manipulieren und in den Handel bringen. Genannt wurden Filialen von Tesco in Tschechien und der Slowakei sowie ein Interspar in Eisenstadt, Österreich.
Am vergangenen Wochenende bewahrheiteten sich die Drohungen. In den genannten Regionen stellten Behörden fünf manipulierte Gläser sicher. Labortests bestätigten: Dem Inhalt war Rattengift beigemischt. Ein sechstes Glas aus Eisenstadt bleibt verschwunden. Die Polizei warnt eindringlich vor dem Verzehr, da das Gift lebensbedrohlich sein kann.
Hipp veranlasste daraufhin mit Handelskettnern in Österreich einen großflächigen Rückruf des gesamten Gläschen-Sortiments. In Deutschland wurden bislang keine vergifteten Produkte gefunden.
Internationale Fahndung nach den Erpressern
Die Ermittlungen führt die Sonderkommission „Glas“ beim Polizeipräsidium Oberbayern Nord. Wegen versuchter Erpressung und vorsätzlicher Gemeingefährdung wird gegen Unbekannt ermittelt. Die Tatorte in drei Ländern erfordern intensive internationale Zusammenarbeit.
Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt äußert sich aus taktischen Gründen nicht zu Details. Man prüfe, ob Einzeltäter oder eine Gruppe hinter der Tat stecken. Die digitale Spur der E-Mail zurückzuverfolgen, könnte sich als schwierig erweisen.
Hipp betont, die eigenen Produktionskontrollen seien intakt. Die Manipulation habe außerhalb des Werks stattgefunden. Doch der Vorwurf wiegt schwer: Hätte das Unternehmen schneller reagiert, wären die Gift-Gläser vielleicht nie in den Regalen gelandet.
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Ein Weckruf für die ganze Industrie
Der Fall zeigt eine fatale Schwachstelle auf: In Zeiten digitaler Erpressung sind unüberwachte Sammelpostfächer ein enormes Sicherheitsrisiko. Experten sehen das Vertrauen in die Marke Hipp massiv beschädigt. Die Strategie, primär die Kriminellen zu beschuldigen, greift zu kurz, wenn interne Warnsysteme versagen.
Für die Lebensmittelbranche dürfte der Vorfall ein Weckruf sein. Versicherer und Aufsichtsbehörden werden künftig wohl strengere Anforderungen an das Monitoring digitaler Kommunikation stellen.
Die Ermittler suchen weiter unter Hochdruck nach dem verschwundenen Glas in Österreich. Hipp kündigte an, Prüfintervalle für Postfächer zu verkürzen und IT-Sicherheit auszubauen. Ob das den massiven Vertrauensverlust wettmacht, wird sich erst zeigen.





