Honda und Acura rüsten ihre Fahrzeuge mit Googles KI-Assistenten Gemini aus – ein Schritt, der die Art der Sprachsteuerung im Auto grundlegend verändern dürfte.
Seit Ende Juli 2026 rollt der Konzern die Integration von Gemini in tausende Fahrzeuge mit Google-built-in-Technologie aus. Der neue Assistent ersetzt den bisherigen Google Assistant und verspricht deutlich natürlichere Gespräche zwischen Fahrer und Auto. Statt starrer Kommandos soll Gemini komplexe Fragen verstehen und den Kontext über längere Dialoge hinweg behalten.
Gemini Live: Reden statt Befehlen
Ein Kernstück des Updates ist Gemini Live, das flüssige, längere Sprachinteraktionen ermöglicht. Fahrer können frei sprechen, ohne sich an bestimmte Befehlswörter erinnern zu müssen. Die KI verbessert sich dabei automatisch mit jeder Weiterentwicklung des Modells – ein entscheidender Vorteil gegenüber statischen Sprachassistenten.
Voraussetzung für die Nutzung ist ein Google-Konto. In Kanada bestätigte Honda-Manager Emile Korkor, dass die Einführung gezielt bestimmte Modelle und Ausstattungsvarianten umfasst.
Welche Modelle profitieren?
Die Kompatibilitätsliste ist umfangreich. Bei Honda sind betroffen:
- Accord Touring Hybrid (ab Baujahr 2023)
- Civic Sedan Sport Touring Hybrid, Civic Hatchback Sport Touring Hybrid und Civic Si (Baujahr 2025)
- Pilot, Passport, Prelude und CR-V Touring Hybrid (Baujahr 2026)
Bei Acura läuft die Integration für alle ZDX-Modelle ab 2024, sämtliche MDX ab 2025 sowie den ADX Platinum Elite A-Spec ab 2026.
Unterschiedliche Strategien in der Branche
Honda ist nicht der einzige Autobauer, der auf Googles KI setzt. Waymo hat kürzlich eine Beta-Version von Gemini in seine Robotaxis integriert – dort steuert die KI Kabinenfunktionen, liefert Reiseinformationen und beantwortet Passagierfragen. Wichtig: Die KI bleibt strikt vom Fahrsystem getrennt.
General Motors (GM) geht einen anderen Weg. Der US-Konzern entwickelt einen eigenen KI-Assistenten, der noch dieses Jahr starten soll. Während GM-Fahrzeuge Gemini weiterhin für allgemeine Anfragen nutzen, soll die hauseigene Lösung tiefer in die Fahrzeugtechnik eingreifen.
„Bestehende KI-Assistenten stoßen oft an Grenzen, weil sie keinen Zugriff auf Fahrzeugdaten haben“, erklärt Anna Santos, Produktdirektorin bei GM. Das neue System, das mit einem nicht genannten Anbieter für große Sprachmodelle entwickelt wird, soll mit der OnStar-Intelligenz verzahnt werden – etwa für vorausschauende Wartung oder spezielle Einstellungen für Familien.
Der Zeitpunkt ist gut gewählt: GM meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von rund 44 Milliarden Euro und ein Wachstum von 20 Prozent bei den digitalen Diensten.
Hondas langfristige Software-Offensive
Die Gemini-Integration ist Teil einer größeren Strategie. Honda arbeitet zudem an einer Zusammenarbeit mit Nissan bei der Softwareentwicklung. Mit ASIMO OS hat der Konzern bereits ein eigenes Betriebssystem vorgestellt – zunächst für die 0-Serie-Elektrofahrzeuge, inzwischen auch für Hybridmodelle.
Rund 1 Billion Yen (etwa 6 Milliarden Euro) will Honda im Rahmen seiner „Triple-Half“-Ziele in Software investieren. Für die aktuelle Kundenoberfläche setzt der Hersteller jedoch weiterhin auf das Google-Ökosystem – eine pragmatische Entscheidung, die den Zugang zu Googles KI-Infrastruktur sichert, während die eigene Plattform reift.
Die Frage ist nun, wie schnell sich die Konkurrenz anschließt. Denn eines zeigt der Schritt von Honda und Acura deutlich: Der Sprachassistent im Auto wird zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal – vielleicht wichtiger als manches PS-Detail.

