Die Hong Kong Monetary Authority hat auf der Hong Kong FinTech Week das Projekt SAGE vorgestellt. Die Initiative mit dem vollständigen Namen Securing Agentic Finance with Governance and Enablement gilt als das weltweit erste bankspezifische Governance-Vorhaben für autonome Künstliche Intelligenz. Begleitet wird das Projekt von einer 22-köpfigen Expertengruppe sowie einem Diskussionspapier zu Verfahren nach dem Prinzip „Know Your Agent“.
Vier Säulen für autonome Finanztransaktionen
Das am 2. November 2026 vorgestellte Programm ruht auf vier Säulen: der Validierung konkreter Anwendungsfälle, der Feststellung von Agenten-Identitäten und Autorisierungen, der Entwicklung interoperabler Standards sowie Fragen zu Governance, Haftung und Verbraucherschutz.
Die Währungsbehörde prüft dabei unter anderem die Verifizierung delegierter Befugnisse. Ein zentraler Grundsatz lautet, dass die Identitätsprüfung eines Agenten organisatorisch von der Entscheidung getrennt werden muss, welche Partei eine konkrete Aktion anfordern darf.
Zu den erprobten Einsatzfeldern zählen Zahlungen im Endkundengeschäft, Beschaffungsprozesse und Treasury-Abläufe in Unternehmen sowie direkte Zahlungen zwischen Maschinen für digitale Dienste.
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Die Aufsicht stellte klar, dass das Programm der Exploration, Validierung und dem regulatorischen Dialog dient. Es begründet vorerst keine neuen rechtlichen Verpflichtungen, führt keine KYA-Pflicht ein und autorisiert noch keine direkten Kundentransaktionen.
Erwogen werden neben Eingriffsmechanismen und einem Notabschaltmechanismus auch ein zentrales Register materieller KI-Agenten. Behördenchef Eddie Yue erklärte, im Fokus stünden klare Governance-Strukturen, eine geregelte Verantwortungsteilung und die mögliche Einrichtung eines zentralen Verzeichnisses vertrauenswürdiger Agenten.
Zusammenarbeit mit Finanz- und Technologiekonzernen
Das Vorhaben baut auf dem Mitte Oktober 2026 veröffentlichten ART-Framework auf, das Schwerpunkte auf Rechenschaftspflichten, Agentenregister und Eingriffsmöglichkeiten legt. Erste greifbare Ergebnisse aus Projekt SAGE werden innerhalb von 9 bis 12 Monaten erwartet.
Als Basis dient die Initiative GenAI Sandbox++, die fast 100 Bewerbungen, 36 Anwendungsfälle, 30 Finanzinstitute und 27 Technologiepartner zusammenführte. In der zweiten Kohorte dieser Testumgebung bezogen sich über 60 Prozent der Anwendungsfälle auf agentische KI.
Die begleitende Agentic Finance Expert Group umfasst 22 Mitglieder. Darunter befinden sich elf Finanzinstitute wie HSBC, Visa Hong Kong, Mastercard, UnionPay International, Ant International und WeChat Pay Hong Kong.
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Auf Technologieseite wirken AWS, Google Cloud, Tencent Cloud und Circle Hong Kong mit, ergänzt durch das Forschungsinstitut AIFT, die Kanzlei Clifford Chance, die Beratungsgesellschaft PwC sowie Allen Huang von der Hong Kong University of Science and Technology. Flankierend veröffentlichte die Behörde ein Toolkit zur Post-Quanten-Kryptographie für die langfristige Cybersicherheit der Institute.
Zunehmender Fokus der Finanzaufsicht auf KI-Systeme
Am selben Tag kündigte die Wertpapier- und Terminaufsicht SFC prinzipienbasierte Leitlinien für autonome KI an. Auch in der Praxis schreitet die Technologie voran: HSBC-Chef Georges Elhedery erklärte, sein Institut teste die direkte Kommunikation zwischen Kunden-KI-Agenten und bankeigenen Systemen, wobei die Sicherheit die zentrale Herausforderung bleibe.
Das Fintech Sunrate brachte eine programmierbare virtuelle Mehrwährungskarte für autorisierte KI-Agenten mit vordefinierten Ausgabenlimits an den Start, für die eine entsprechende Zertifizierung durch Mastercard vorliegt.
Die regulatorischen Schritte in Hongkong fügen sich in eine weltweite Debatte ein. Ende Oktober 2026 hatten britische Behörden im Digital Regulation Cooperation Forum bekräftigt, dass bestehende Gesetze auch für persönliche KI-Agenten gelten und die Autonomie eines Systems Betreiber nicht aus der Pflicht entlässt.

