Hotel-WLAN-Angriff: Russische Hacker stehlen Microsoft-365-Daten

Microsoft deckt Cyber-Spionage auf: Russische Gruppe stiehlt Zugangsdaten über manipulierte Hotel-WLAN-Portale. Deutsche Firmen könnten betroffen sein.

Eine russische Hackergruppe nutzt Hotel-WLAN-Netzwerke, um Geschäftsreisende auszuspähen und Zugangsdaten zu Microsoft-365-Konten zu stehlen. Die Kampagne namens „CaptiveCrunch“ richtet sich gezielt gegen Unternehmen weltweit – auch deutsche Firmen könnten betroffen sein.

Microsoft hat eine hochentwickelte globale Cyber-Kampagne aufgedeckt, die Geschäftsreisende ins Visier nimmt. Die Angreifer kompromittieren dabei die WLAN-Netzwerke von Hotels und Konferenzzentren, um an Zugangsdaten für Microsoft-365-Konten zu gelangen. In einem Sicherheitsupdate vom 3. August führt der Konzern die Aktivitäten auf eine Untergruppe des russischen Akteurs Midnight Blizzard zurück, die intern als Storm-2945 verfolgt wird.

Angriff über captive Portale

Die Täter nutzen gezielt die sogenannten Captive Portale aus – jene Anmeldeseiten, die in Hotels und auf Messen üblicherweise den Internetzugang freischalten. Über manipulierte DNS- und HTTP-Einstellungen werden Gäste auf betrügerische Anmeldeseiten umgeleitet, die täuschend echt den Microsoft-365-Login nachahmen. Wer sich dort einloggt, übergibt seine Zugangsdaten direkt an die Angreifer.

Erste Hinweise auf manipulierte DNS-Einstellungen hatte das Sicherheitsunternehmen ReliaQuest bereits am 23. Juli gemeldet. Die Experten vermuteten zunächst eine Beteiligung der Gruppe APT28. Microsofts jüngste Analyse bestätigt nun jedoch eine Verbindung zum APT29-Untercluster.

Die Kampagne begann bereits im Februar 2026 mit Phishing-Angriffen und OAuth-basierten Attacken. Seit Mai 2026 haben die Angreifer ihre Strategie auf die direkte Manipulation des Netzwerkverkehrs umgestellt. Am 31. Juli ordnete Microsoft die Taktiken offiziell der Gruppe Storm-2945 zu.

Gefälschte Updates als Einfallstor

Neben dem Diebstahl von Zugangsdaten dient die Kampagne auch als Verteiler für Schadsoftware. Die Angreifer nutzen dabei eine als ClickFix bekannte Social-Engineering-Masche: Nutzer werden aufgefordert, vermeintlich dringende Software-Updates zu installieren, um Verbindungsprobleme zu beheben.

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Die als „winupdate“, „browser“ oder „defender“ getarnten Dateien enthalten zwei Schadprogramme:

  • CornFlake: Ein in Go programmierter Remote-Access-Trojaner, der den Angreifern dauerhaften Zugriff auf das infizierte Gerät verschafft.
  • ChocoShell: Ein auf PowerShell basierender Infostealer, der sensible Daten aus dem System abzieht.

Betroffen sind sowohl Windows- als auch Android-Geräte. Letztere werden über manipulierte APK-Dateien infiziert, die als System-Scans oder Browser-Updates getarnt sind.

Multi-Faktor-Authentifizierung ausgehebelt

Besonders perfide: Die Angreifer umgehen auch die übliche Zwei-Faktor-Authentifizierung. Seit dem 16. Juli nutzen sie dafür sogenanntes Device-Code-Phishing. Dabei werden Nutzer auf eine gefälschte Website gelockt, wo sie einen Code eingeben sollen – unwissentlich autorisieren sie damit die Sitzung der Angreifer auf deren eigenem Gerät.

Selbst Unternehmen mit aktivierter Multi-Faktor-Authentifizierung sind verwundbar, sofern sie nicht auf phishing-resistente Verfahren wie Passkeys setzen oder den Device-Code-Flow komplett deaktiviert haben.

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Weltweite Angriffe auf Schlüsselbranchen

Die Kampagne zeigt eine beachtliche geografische Reichweite. Kompromittierte Netzwerke und gezielte Angriffe wurden in den USA, Indien und Saudi-Arabien identifiziert. Im Fokus stehen hochwertige Unternehmensziele aus:

  • Finanzdienstleistungen und Beratung
  • Gesundheitswesen und Rechtsdienstleistungen
  • Energie und Einzelhandel

Microsoft und ReliaQuest raten Unternehmen, öffentliche und Hotel-WLAN-Netzwerke grundsätzlich als unsicher zu behandeln. Geschäftsreisende sollten bevorzugt mobile Hotspots nutzen, VPN-Verbindungen aufbauen und auf Passkeys oder andere phishing-resistente Authentifizierungsmethoden setzen. Administratoren wird empfohlen, den Device-Code-Flow in ihren Unternehmensumgebungen zu deaktivieren, um das Risiko dieser spezifischen Phishing-Technik zu minimieren.