Der einstige Pionier der E-Mail-Dienste feiert seinen 30. Geburtstag – und kämpft mit technischen Problemen.
Am 4. Juli 1996 ging Hotmail an den Start, gegründet von den Ingenieuren Sabeer Bhatia und Jack Smith. Der Name war eine Hommage an die Sprache des Internets: „HTML“ stand Pate. Was als einfacher Webmail-Dienst begann, entwickelte sich rasant. Schon im Dezember 1997 kaufte Microsoft das junge Unternehmen für rund 400 Millionen US-Dollar – umgerechnet etwa 370 Millionen Euro. Damals zählte Hotmail rund 9,5 Millionen Nutzer.
Vom Start-up zum Milliardenpublikum
Die Wachstumszahlen der Folgejahre lesen sich beeindruckend. Ende 1998 waren bereits 25 Millionen Accounts registriert, ein Jahr später knackte der Dienst die 30-Millionen-Marke. 2001 folgte die magische Grenze von 100 Millionen Nutzern. Doch der Erfolg weckte Begehrlichkeiten: Als 2004 Google mit Gmail auf den Markt kam, geriet Hotmail unter Druck. Microsoft reagierte und erhöhte die Speicherlimits von mageren zwei Megabyte auf 250 Megabyte. 2012 folgte die Neuerfindung als Outlook.com, später wurde der Dienst fest in die Microsoft-365-Produktpalette integriert.
Ausgerechnet am Geburtstag: Störung legt Tausende lahm
Der 30. Geburtstag verlief alles andere als reibungslos. Am heutigen Samstag kam es zu einer Service-Unterbrechung, die mehr als 11.000 Nutzer betraf. Betroffen waren vor allem Outlook und Teams. Microsoft räumte ein, dass ein Teil der Infrastruktur in Nordamerika den Datenverkehr nicht wie erwartet verarbeitete. Das Unternehmen leitete den Traffic um und stellte die Systeme wieder her.
Es ist nicht der erste Ausfall in diesem Jahr. Bereits am 27. April sorgte eine fehlkonfigurierte Regel für einen globalen Login-Ausfall, der rund vier Stunden dauerte. Hauptsächlich Privatkunden waren betroffen, während einige mobile Mail-Clients funktionsfähig blieben.
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Bug-Jagd: Von verschwundenen Buttons bis zu abgestürzten Clients
Microsoft hatte in den vergangenen Tagen alle Hände voll zu tun. Am 29. Juni wurde ein Fehler behoben, der dazu führte, dass die Copilot-Chat-Buttons für Nutzer mit Basic-Lizenzen im klassischen Outlook für Windows verschwanden. Und pünktlich zum Jubiläum veröffentlichte Microsoft ein Update für ein hartnäckiges Problem: Outlook reagierte nicht mehr, wenn es zusammen mit Cloud-Speicherdiensten wie OneDrive oder Dropbox genutzt wurde. Die Ursache reichte bis in einen Sicherheitspatch vom Januar 2026 zurück.
Sicherheitslage: Millionen Angriffe und neue Schwachstellen
Die Sicherheitslage bleibt angespannt. Laut aktuellen Analysen wurden Microsoft-365-Konten innerhalb von zwei Wochen mit über 81 Millionen Anmeldeversuchen durch sogenannte Password-Spraying-Angriffe attackiert. Dabei probieren Angreifer schwache Passwörter gegen viele verschiedene Konten aus.
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Zusätzlich wurde am 3. Juli ein Proof-of-Concept für eine Sicherheitslücke in Microsoft Exchange Server 2019 veröffentlicht. Die Schwachstelle vom Typ Server-Side-Request-Forgery (SSRF) könnte es Angreifern mit niedrigen Berechtigungen ermöglichen, geschützte Dateien auszulesen.
Auch Änderungen an den Protokollen sorgen für Herausforderungen. Seit August 2025 blockiert Microsoft standardmäßig das veraltete FrontPage-RPC-Protokoll in Microsoft 365. Die Maßnahme soll die Angriffsfläche verkleinern, führt aber bei Nutzern mit alten SharePoint-Pfaden oder bestimmten Web-Ordner-Konfigurationen zu Problemen beim Dateizugriff.

