HP-Bilanz 27. Mai: KI-PC-Boom treibt Konkurrenz Lenovo

HP steht vor der Quartalsbilanz: Analysten erwarten leichten Umsatzanstieg, während KI-PCs und die Führungslücke die Aktie bewegen.

Am 27. Mai 2026 legt der US-Konzern seine Quartalszahlen vor – und die Erwartungen sind hoch. Denn der gesamte Hardware-Markt befindet sich im Umbruch, angetrieben von der künstlichen Intelligenz. Kann HP von diesem Boom profitieren?

Hoffnungsschimmer an der Börse

Bereits Anfang der Woche zeigte sich, wie sehr die Stimmung kippen kann. Am 22. Mai schnellte die HP-Aktie um mehr als 15 Prozent auf rund 25,24 Euro nach oben. Auslöser: die starken Zahlen des Konkurrenten Lenovo. Der chinesische Hersteller steigerte seinen Umsatz um 27 Prozent auf 21,6 Milliarden Euro. Besonders bemerkenswert: 38 Prozent der Erlöse stammten aus KI-bezogenen Geschäften. Für HP stellt sich nun die Frage, ob das eigene PC-Geschäft – das zwischen 40 und 45 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht – ähnlich zulegen kann.

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Zahlen, Fakten und ein scharfes Gefälle

Die Analystenschätzungen für das zweite Quartal liegen bei rund 14,05 Milliarden Euro Umsatz – ein Plus von etwa 6,3 Prozent im Jahresvergleich. Der Gewinn pro Aktie soll stabil zwischen 0,71 und 0,72 Euro liegen. Zum Vergleich: Im ersten Quartal (Ende Januar 2026) hatte HP noch 14,4 Milliarden Euro umgesetzt und 0,81 Euro pro Aktie verdient.

Doch innerhalb des Konzerns klafft ein Riss. Das Druckergeschäft, das 35 bis 40 Prozent zum Umsatz beiträgt, schwächelt seit Monaten. Zwar hält HP die Profitabilität durch strenge Kostendisziplin auf hohem Niveau – die Segmentmarge liegt bei 18,3 Prozent. Doch das PC-Geschäft wächst zwar (plus 11 Prozent im Vorquartal), bleibt aber mit Margen um die fünf Prozent vergleichsweise dünn.

Die entscheidende Frage: Wie viele KI-fähige Computer verkauft HP? Im letzten Quartal lag der Anteil bei über 35 Prozent aller ausgelieferten Geräte. Gelingt es, diesen Wert zu halten oder gar zu steigern, könnten die Margen stabil bleiben – trotz des aggressiven Preiskampfs. Die Optionsmärkte deuten auf eine mögliche Kursschwankung von rund zehn Prozent nach der Veröffentlichung hin. Das zeigt, wie viel auf dem Spiel steht.

Neue Hardware für Profis und Enthusiasten

In den Tagen vor der Bilanz hat HP kräftig vorgelegt. Gleich mehrere neue High-End-Geräte sollen zeigen, dass der Konzern bei KI und Leistung ganz vorne mitspielt.

Die neuen ZBook-Workstations sind das Flaggschiff:
– Das ZBook 8 G2a setzt auf AMD Ryzen AI PRO 400 Prozessoren, kommt ab Juli 2026 und kostet mindestens 2.796 Euro.
– Das ZBook X G2i nutzt Intels Panther-Lake-Architektur und Nvidia-Blackwell-Grafik (bis zur RTX PRO 3000 Serie). Es richtet sich an Entwickler und 3D-Künstler, unterstützt bis zu 128 GB RAM und startet bei rund 3.600 Euro. Voll konfiguriert können die Preise auf über 10.000 Euro steigen.

Auch bei den mobilen Geräten gibt es Neues: Das EliteBook X G2q ist ein 14-Zoll-Notebook mit ARM-basierten Snapdragon X2 Prozessoren, bis zu 64 GB RAM und einem 120-Hz-OLED-Display mit 700 Nits Helligkeit. Die Preise liegen zwischen 1.572 und 6.340 Euro, je nach Ausstattung.

Und für Gamer gibt es eine besondere Überraschung: Am 26. Mai kündigte HP das HyperX OMEN 16 VALORANT Limited Edition an – ein Gaming-Notebook mit AMD Ryzen 9 9955HX3D und Nvidia GeForce RTX 5070. Der Preis für die Vorbestellung: 3.050 Euro.

Strukturelle Baustellen

So beeindruckend die neuen Produkte sind – HP hat mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Seit Februar 2026 ist der Posten des Vorstandsvorsitzenden vakant. Eine Führungslücke in einer Zeit, in der die Lieferketten knirschen und der Wettbewerb hinterher ist.

Der globale Halbleitermarkt setzt die Hersteller zusätzlich unter Druck. Zwar soll der Umsatz mit Chips 2026 die Marke von einer Billion Euro überschreiten, doch die Versorgung bleibt angespannt. Vor allem die Preise für DRAM- und NAND-Flash-Speicher steigen. Branchenkenner warnen: Die Kosten wachsen schneller als erwartet – das könnte die Margen im laufenden Geschäftsjahr spürbar belasten.

Trotz des jüngsten Kurssprungs gilt die HP-Aktie unter Analysten als unterbewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei etwa 9,17 – unter dem Fünf-Jahres-Median von 9,43. Einige Modelle deuten darauf hin, dass die Aktie fast 24 Prozent unter ihrem fairen Wert notiert. Dennoch bleiben die großen Research-Häuser vorsichtig. Das durchschnittliche Votum lautet „Halten“ oder „Moderat Verkaufen“.

Der große Erneuerungszyklus

Der langfristige Ausblick für HP hängt an einem gewaltigen Ersatzzyklus. Rund 500 Millionen PCs weltweit sind älter als vier Jahre. Hinzu kommt: Der Support für Windows 10 endete Ende 2025. Unternehmen und Verbraucher müssen aufrüsten – auf Windows 11 und KI-fähige Hardware.

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Intel drängt die Hersteller, auf die neuen 18A-Chips wie Panther Lake und Wildcat Lake zu setzen. Obwohl Intel im ersten Quartal 2026 einen Nettoverlust von 3,7 Milliarden Euro verbuchte, wuchs der Umsatz um 7,2 Prozent auf 13,58 Milliarden Euro. Die Nachfrage nach den Chips für die neue PC-Generation ist also da.

Für HP wird es in den kommenden Monaten darauf ankommen, die richtige Balance zu finden: zwischen margenstarken Druckern und dem boomenden, aber margenschwachen KI-PC-Geschäft. Während die Druckersparte weiterhin eine verlässliche Cash-Quelle bleibt, zeigt das 84-prozentige Wachstum der KI-Erlöse bei Wettbewerbern, wohin die Reise geht. Ob HP den Schwung an der Börse bis Ende 2026 halten kann, wird sich daran messen lassen, ob es gelingt, ein Drittel aller Auslieferungen mit KI-Funktionen zu bestücken. Die Zeichen stehen auf Sturm – aber auch auf Chance.