Eine weltweite Erhebung zeichnet ein skeptisches Bild über den Einsatz automatisierter Werkzeuge im Bildungswesen. Laut dem aktuellen „HP Futures 2026 Report“, der von HP Inc. in Zusammenarbeit mit dem World Learning Council sowie dem Education Leaders Forum vorgelegt wurde, befürchten 82 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler, dass Künstliche Intelligenz Aufgaben zwar beschleunigt, zugleich jedoch das tiefere Verständnis des Lernstoffs beeinträchtigen könnte.
Für die zwischen Mai und Juni 2026 durchgeführte Untersuchung wurden 6.206 Jugendliche in 37 Ländern befragt, ergänzt durch die Einschätzungen von 58 Bildungsexperten. Bei 88 Prozent der befragten Jugendlichen lag das Alter zwischen 12 und 17 Jahren.
Kreativität wichtiger eingestuft als reine Programmierkenntnisse
Bei den für die berufliche Zukunft als entscheidend erachteten Fähigkeiten setzen die Lernenden klare Schwerpunkte auf menschliche Kernkompetenzen. 56 Prozent der befragten Jugendlichen nannten Kreativität sowie kritisches Denken als besonders wichtige Fertigkeiten für ihren weiteren Lebensweg.
Kommunikation und Zusammenarbeit folgten mit 52 Prozent auf dem zweiten Rang. Eine fundierte KI- und Digitalkompetenz stuften 44 Prozent als wesentlich ein. Technische Kenntnisse und Programmierfähigkeiten landeten mit 29 Prozent hingegen lediglich auf dem achten Platz.
Hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektiven überwiegt unter den befragten Jugendlichen verhaltener Optimismus. 61 Prozent der Teilnehmenden äußerten die Ansicht, dass Künstliche Intelligenz mehr Arbeitsplätze schaffen werde, als durch die Technologie wegfallen.
Zudem trauten sich 80 Prozent die praktische Nutzung von KI im späteren Berufsumfeld zu, während 81 Prozent angaben, sich durch ihre bisherige Ausbildung ausreichend auf den Arbeitsmarkt vorbereitet zu sehen.
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Aus den Ergebnissen leitet der Bericht die Empfehlung für ein sogenanntes „AI + X“-Modell ab: Künstliche Intelligenz solle im Bildungswesen lediglich als ergänzende Ebene über einem soliden Grundwissen fungieren, keinesfalls aber als Ersatz für grundlegende kognitive Lernprozesse.
Ähnliche Tendenzen in begleitenden Bildungsanalysen
Die Sorge vor einem Verlust an eigenständiger Problemlösungskompetenz deckt sich mit aktuellen Untersuchungen aus der Bildungsforschung. Daniel Jeremiah, Forscher im Bereich KI und Cybersicherheit, stellte in einer Untersuchung mit fast 1.000 Mathematiklernenden der Sekundarstufe fest, dass sich Aufgabenlösungen unter Verwendung einer ChatGPT-Schnittstelle zwar um 40 Prozent verbesserten, die Leistungen nach einem Entzug des Werkzeugs jedoch um 17 Prozent unter jenen von Lernenden ohne vorherige KI-Unterstützung lagen.
Jeremiah stufte die Technologie daher als reinen Kapazitätsmultiplikator ein, der Lehrkräfte keineswegs ersetzen könne. Auch Ewa Lombard von der Universität Genf verwies in einem Beitrag für das Weltwirtschaftsforum auf Risiken des kognitiven Auslagerns, wodurch alltägliche Nutzung großer Sprachmodelle mit geringeren Werten bei kritischem Denken einhergehen könne.
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Parallel dazu belegen nationale Erhebungen, wie tief KI-Werkzeuge bereits im Schulalltag verankert sind. Eine Untersuchung des Nachhilfeinstituts Lernquadrat unter 1.045 Schülern im Alter von 11 bis 20 Jahren in Österreich ergab, dass 42 Prozent entsprechende Werkzeuge mehrmals wöchentlich und 12 Prozent mehrmals täglich für schulische Zwecke heranziehen.
Auch dort überwog die Nachdenklichkeit über die langfristigen Folgen: Drei Viertel der befragten Jugendlichen in der Erhebung äußerten die Befürchtung, dass die Gesellschaft durch den intensiven Einsatz von KI künftig geistig nachlassen könnte.

