Auf der Shenzhen Harmony Ecology Conference am 28. August 2026 hat Huawei bedeutende Fortschritte beim Ausbau seines eigenen Betriebssystems bekannt gegeben.
Der amtierende Vorsitzende des Unternehmens, Xu Zhijun, erklärte vor Branchenvertretern, dass die Zahl der nativen Anwendungen für HarmonyOS mittlerweile die Marke von 100.000 überschritten habe. Insgesamt stehen für die Plattform demnach bereits mehr als 400.000 mobile Anwendungen zur Verfügung.
Technologische Basis und Systemleistung
Der Ausbau des Ökosystems folgt auf die vollständige Migration des Unternehmens zu HarmonyOS, die seit Beginn des Jahres 2025 konsequent umgesetzt wird. Das aktuelle Betriebssystem basiert auf einer Microkernel-Architektur und verzichtet vollständig auf AOSP-Code (Android Open Source Project).
Laut Unternehmensangaben führt dieser radikale technologische Schnitt bei der sogenannten „reinen“ HarmonyOS-Version zu einer Steigerung der Systemleistung um 30 Prozent.
Zudem ermöglicht die optimierte Architektur Einsparungen beim Arbeitsspeicher von rund 1,5 Gigabyte (GB). Eine Ausstattung mit 12 GB RAM soll dadurch eine Nutzererfahrung bieten, die herkömmlichen 16 GB entspricht.
Weiterhin wurde die Batterielaufzeit um 56 Minuten verlängert, während der Programmcode um 40 Prozent gestrafft werden konnte. In Nutzerberichten wird das System für eine dauerhaft flüssige Bedienung über Zeiträume von einem halben Jahr gelobt.
Marktposition und globale Expansionsziele
Mit der Neuausrichtung konnte Huawei seine Marktstellung insbesondere in der Volksrepublik China massiv stärken. Marktdaten für das zweite Quartal 2026 weisen für HarmonyOS einen Marktanteil von 24 Prozent im chinesischen Inland aus, während der globale Anteil bei 5 Prozent liegt. Xu Zhijun betonte, dass Huawei im Jahr 2026 die Spitzenposition im chinesischen Markt zurückerobert habe.
Zum Stichtag 20. August 2026 waren mehr als 80 Millionen Geräte mit HarmonyOS 6 im Einsatz. Bis zum vierten Quartal rechnet das Management damit, die Marke von 100 Millionen Nutzern im gesamten Ökosystem zu durchbrechen. Die nächste Phase der Unternehmensstrategie sieht eine verstärkte globale Expansion und den Aufbau internationaler Marktstrukturen vor.
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Herausforderungen bei Kompatibilität und Alltagsnutzung
Trotz des Wachstums bestehen weiterhin Hürden bei der internationalen Nutzbarkeit. HarmonyOS NEXT und nachfolgende Versionen unterstützen keine nativen Google-Dienste (GMS). Ein Zugriff auf entsprechende Dienste ist für Nutzer lediglich über Web-Lösungen wie „Chujingyi“ möglich. Ältere Versionen bis HarmonyOS 4.x erlauben zwar teils die Installation von Google-Diensten, bieten jedoch keinen offiziellen Support.
Analysen zur Systemstabilität zeigen zudem punktuellen Optimierungsbedarf. Bei Tests mit einem MateBook X Pro 2026 wurden Verzögerungen von 38 Millisekunden bei der Geräteerkennung sowie Fehlerraten von 23 Prozent bei der Synchronisation von PDF-Aufgaben festgestellt.
Unter hoher KI-Last stieg die Temperatur der NPU auf bis zu 48,3 Grad Celsius, was mit einem leichten Rückgang der Bildrate einherging. Auch bei spezifischen Anwendungen wie WPS, DingTalk oder der Offline-Erkennung in Huawei-Notizen wurden funktionale Einschränkungen dokumentiert.
Hardware-Offensive und kommende Software-Generation
Parallel zur Software-Entwicklung setzt Huawei auf neue Hardware. Am 28. August wurde in China das Pura X View eingeführt. Das Gerät verfügt über ein 6,39-Zoll-OLED-Display, einen 7.000-Milliamperestunden-Akku sowie eine Gehäusetiefe von 6,68 Millimetern. Es basiert auf dem Kirin 9030S und wird ab einem Preis von 4.499 Yuan (ca. 620 US-Dollar) angeboten.
Für den 7. September hat das Unternehmen zudem eine offizielle Präsentation von HarmonyOS 7 angekündigt. In diesem Rahmen wird die Vorstellung des dreifach faltbaren Mate XT2 sowie des Pura X View erwartet.
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Das Mate XT2 soll Gerüchten zufolge mit einem Kirin 9050 Pro Prozessor und einem Akku mit über 6.000 Milliamperestunden ausgestattet sein. Bereits im Juni hatte das Unternehmen HarmonyOS 7 als Startpunkt für eine neue Ära angekündigt, die verstärkt auf intelligente Agenten-Systeme und ein neues Framework für KI-Interaktionen setzt.
Um Entwicklern den Übergang zu erleichtern, veröffentlichte Huawei zudem Ende August ein Open-Source-Projekt, das die Ausführung des Expo SDK auf OpenHarmony validiert. Da ein Großteil der React-Native-Anwendungen auf diesem SDK basiert, soll dies den Migrationsaufwand von Android-Apps erheblich reduzieren.

