Humanoid startet KI-Betriebssystem für gemischte Roboterflotten

Das britische Startup Humanoid stellt mit KinetIQ ein Betriebssystem vor, das verschiedene Roboterarten unter einer Architektur steuert und bereits umfangreiche Industriepartnerschaften vorweisen kann.

Ein britisches Startup will mit einer neuen KI-Architektur die Fabrik- und Haushaltsrobotik revolutionieren. Das System KinetIQ soll als gemeinsames Gehirn für verschiedenste Roboter fungieren.

London — Die Landschaft der Industrieautomatisierung steht vor einem Umbruch. Das britische Startup Humanoid (SKL Robotics Ltd.) hat mit KinetIQ ein KI-Framework vorgestellt, das heterogene Roboterflotten orchestrieren kann. Das am 5. Februar präsentierte System vereint die Steuerung von fahrbaren Logistikmaschinen und zweibeinigen Androiden unter einer einzigen „kognitiven“ Architektur. Es schafft damit eine gemeinsame Intelligenzebene für unterschiedlichste Roboter-Arbeitskräfte.

Ein Betriebssystem für den Roboter-Körper

Statt jeden Roboter isoliert zu programmieren, agiert KinetIQ als mehrschichtiges, agentenbasiertes Framework. Es kann Operationen über verschiedene Zeitskalen hinweg managen – von der strategischen Flottenplanung bis zur millisekundenschnellen Gelenkstabilisierung.

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Die Architektur ist in vier kognitive Schichten unterteilt:
* System 3 (Der Flotten-Agent) ist der oberste Orchestrator. Er integriert sich in Facility-Management-Systeme, weist Aufgaben zu und optimiert Workflows für die gesamte Halle. Diese Ebene behandelt einzelne Roboter als „Werkzeuge“ und verteilt Jobs dynamisch an fahrbare oder zweibeinige Einheiten.
* System 2 (Roboter-Planung) übernimmt exekutive Funktionen für einzelne Einheiten. Omni-modale Sprachmodelle zerlegen komplexe Anweisungen in ausführbare Teilaufgaben.
* System 1 (VLA-basierte Ausführung) ist ein Vision-Language-Action-Netzwerk. Es diktiert spezifische Bewegungen von Körperteilen wie Händen oder Torso.
* System 0 (Ganzkörperkontrolle) bildet die „Reflex“-Schicht. Verstärkendes Lernen sorgt hier mit 50 Hz für dynamische Stabilität und Balance, damit zweibeinige Roboter auch bei Störungen aufrecht bleiben.

Schaeffler als Partner, Siemens als Testfeld

Die Marktreaktion auf den Launch war unmittelbar. Humanoid bestätigte eine fünfjährige strategische Partnerschaft mit dem Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler. Der Deal sieht den Einsatz hunderter KinetIQ-gesteuerter Roboter in Produktionslinien vor. Humanoid liefert die KI-Software, Schaeffler die Gelenkaktuatoren.

Die Technologie wurde bereits bei Siemens im Praxistest erprobt. Dort erreichten die fahrbaren „Alpha“-Roboter eine Leistung von 60 Behälterbewegungen pro Stunde – eine Rate, die Analysten mit menschlicher Leistung in ähnlichen Logistikaufgaben vergleichen.

Das Marktvertrauen scheint groß: Das Unternehmen meldet rund 20.500 Vorbestellungen für seine Roboterplattformen. Zudem berichten Quellen von einer Vereinbarung über den Einsatz von bis zu 10.000 Einheiten in Saudi-Arabien. Das signalisiert den Schritt von Pilotprojekten hin zum großflächigen kommerziellen Betrieb.

Vom Lager direkt in die Wohnung

Ein entscheidender Unterschied zu anderen Systemen ist KinetIQs Fähigkeit, „gemischte“ Flotten zu managen. Eine Demo zeigt nahtlose Workflows von der Lagerhalle bis ins Zuhause.

Im Video empfangen fahrbare Manipulatoren in einem Logistikzentrum eine Bestellung für Kakaopulver und Olivenöl. Die Industrieroboter packen die Artikel mit fünf-fingrigen Händen in einen Behälter. Die Aufgabe wechselt dann in eine Wohnumgebung: Ein humanoid geformter Roboter empfängt das Paket, packt aus und verstaut die Artikel per Sprachbefehl.

Diese Fähigkeit adressiert eine zentrale Herausforderung der „Physical AI“: Die Übertragung von hochrangiger KI-Logik in präzise physische Aktionen über verschiedene Hardware-Konfigurationen hinweg. Durch die Standardisierung der Intelligenzschicht will Humanoid die Hürde für den Einsatz von Mehrzweckrobotern in unstrukturierten Umgebungen senken – vom Lager bis zum Privathaushalt.

Trendwende: Von der Hardware zur Software-Orchestrierung

KinetIQ steht für einen breiteren Branchentrend: Der Fokus verschiebt sich von Hardware-Innovation hin zu Software-Orchestrierung. Während Unternehmen wie Boston Dynamics oder Tesla bei mechanischen Fähigkeiten und individueller Agilität Fortschritte machen, blieb die effektive Koordination hunderter autonomer Agenten ein Engpass für die Unternehmenseinführung.

Analysten sehen in Humanoids „agentischem“ Ansatz Parallelen zu jüngsten Durchbrüchen in generativer KI. Jede Schicht des Software-Stacks „promptet“ autonom die darunterliegende Ebene. Diese Struktur erlaubt die unabhängige Verbesserung einzelner Komponenten. Das Vision-System kann upgedatet werden, ohne die Flottenmanagement-Logik neu schreiben zu müssen.

Bei Erfolg könnte dieses Betriebssystem-Modell KinetIQ als Standardplattform für den aufkeimenden Humanoid-Arbeitsmarkt etablieren – ähnlich wie Windows den PC oder Android das Smartphone standardisierte.

Ausblick: Der Beweis kommt mit der Masse

Humanoid wird sich nun auf die Abwicklung der umfangreichen Vorbestellungen und die Verträge mit Schaeffler konzentrieren. Die eigenen zweibeinigen Plattformen, derzeit noch Testsysteme für Forschung und Entwicklung, sollen für Service- und Haushaltsanwendungen beschleunigt weiterentwickelt werden.

Während sich der „Physical AI“-Sektor 2026 weiter konsolidiert, wird die Branche genau beobachten, ob KinetIQ seine Stabilität und Effizienz auch im Maßstab von über 10.000 Einheiten bewahren kann. Erfolg in diesen Großprojekten könnte die kommerzielle Tragfähigkeit humanoider Allzweckroboter beweisen – und ihren Einzug in den Alltag deutlich beschleunigen.

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