Einflussreicher Werbeverband fordert scharfe US-Gesetze, die KI-Unternehmen für das unerlaubte Abschöpfen von Verlagsinhalten haftbar machen sollen. Die Branche warnt vor einer existenzielle Krise.
Die Werbebranche geht in die Offensive gegen KI-Giganten: Der einflussreiche Interactive Advertising Bureau (IAB) hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der KI-Unternehmen bei unerlaubter Nutzung von Verlagstexten streng haftbar machen soll. Die „AI Accountability for Publishers Act“ genannte Initiative wurde diese Woche auf der IAB-Jahrestagung in Palm Springs vorgestellt und zielt darauf ab, das etablierte Fair-Use-Prinzip im Urheberrecht auszuhebeln. Für deutsche Medienhäuser, die ebenfalls mit ungefragt genutzten Inhalten kämpfen, könnte dies ein wegweisender Präzedenzfall werden.
Neuer Rechtsrahmen: Zustimmung vor Nutzung
Der Entwurf sieht einen radikalen Kurswechsel vor. Künftig müssten KI-Entwickler ausdrückliche Zustimmung einholen, bevor sie redaktionelle Inhalte für das Training von Sprachmodellen oder die Erstellung von Zusammenfassungen nutzen. „Das ist ein notwendiger Schritt, um die wirtschaftliche Grundlage des offenen Webs zu schützen“, erklärte IAB-Chef David Cohen.
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Kern des Vorschlags ist eine neue, bundesweite Klagemöglichkeit für Verlage. Sie könnten auf Schadensersatz oder die Herausgabe der von der KI erwirtschafteten Gewinne klagen. Besonders brisant: Das Gesetz würde Schiedsklauseln aussetzen, die solche Zivilklagen bisher oft blockieren. Ausgenommen wäre nur nicht-kommerzielle Forschung.
„Existentielle Krise“ für Verlage
Cohen beschrieb die Situation als existenzielle Bedrohung. KI-Systeme, die mit geklauten Inhalten trainieren, würden das werbefinanzierte Geschäftsmodell des Journalismus untergraben. „Wenn KI umfassende Antworten aus unseren Artikeln liefert, hat der Nutzer keinen Grund mehr, auf die Originalseite zu klicken“, so Cohen. Die Werbeeinnahmen, die große Nachrichtenportale wie kleine Blogs finanzieren, drohten wegzubrechen.
Der Vergleich liegt nahe: Ähnlich wie soziale Medien vor 20 Jahren lokale Zeitungen aushöhlten, bedrohen nun KI-Tools die verbliebenen Einnahmequellen. Die IAB wirft den Tech-Konzernen vor, sich kostenlos am Investment der Verlage zu bedienen, um dann mit den daraus entstandenen Produkten deren Geschäft zu übernehmen.
Kampf gegen die Datensammler
Technische Abwehrmaßnahmen der Verlage zeigen kaum Wirkung. Ein aktueller Bericht der Datenplattform Tollbit identifiziert fast 40 verschiedene Schnittstellen, über die die KI-Industrie Webinhalte abschöpft – oft unter Umgehung von Standards wie „robots.txt“. Der Gesetzesvorschlag will dieses technische Wettrüsten durch rechtliche Konsequenzen beenden.
Die größte Hürde ist jedoch die geplante Aussetzung von Fair Use. Bisher argumentieren KI-Firmen erfolgreich, dass das Analysieren öffentlicher Texte zum Erlernen von Mustern unter diese Ausnahmeregelung fällt. Der IAB-Entwurf würde diese Verteidigungslinie durchbrechen und die rechtlichen Spielregeln für das KI-Zeitalter neu definieren.
Steiniger Weg zum Gesetz
Der Verband will nun Fürsprecher im US-Kongress finden. Ob das Gesetz angesichts der mächtigen Tech-Lobby eine Chance hat, ist ungewiss. Doch der Vorstoß zeigt den geschlossenen Willen der Werbe- und Verlagswelt, sich gegen die unkontrollierte Datennutzung durch KI zu wehren.
Für Verlage weltweit ist die Botschaft klar: Es geht um nichts Geringeres als die finanzielle Zukunft des qualitativen Journalismus. Die IAB setzt auf ein System von Erlaubnis und Bezahlung, nicht auf Hintertüren und rechtliche Grauzonen. Ob das Zeitfenster für eine solche Kehrtwende noch offen ist, wird sich in den kommenden politischen Auseinandersetzungen zeigen.
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