Im juristischen Konflikt zwischen OpenAI und Apple hat das KI-Unternehmen interne Kommunikationsdaten vorgelegt, um Vorwürfe des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen zu entkräften. OpenAI publizierte im Rahmen des Verfahrens verschiedene iMessage-Chats und E-Mails. Dieser Schritt erfolgt als Reaktion auf eine Klage von Apple, in der dem Entwickler von ChatGPT vorgeworfen wird, vertrauliche Informationen unrechtmäßig erlangt und für eigene Zwecke genutzt zu haben.
Vorwurf des massiven Mitarbeiter-Abwerbens
Der Kern der Auseinandersetzung liegt in der Rekrutierungspraxis von OpenAI. Apple wirft dem Konkurrenten vor, systematisch Geschäftsgeheimnisse entwendet zu haben, insbesondere im Zusammenhang mit der Abwerbung von insgesamt 400 Mitarbeitern. In diesem Kontext hat Apple eine einstweilige Verfügung gegen OpenAI sowie gegen die ehemaligen Angestellten Chang Liu und Tang Tan beantragt.
Tang Tan, der 24 Jahre lang bei Apple tätig war, wird in dem Verfahren von OpenAI verteidigt. Das Unternehmen betont, dass der erfahrene Mitarbeiter keine vertraulichen Informationen von seinem früheren Arbeitgeber verwendet habe. Im Gegensatz dazu wirft Apple dem Ex-Mitarbeiter Chang Liu vor, unbefugt auf sensible Daten zugegriffen zu haben. OpenAI wies diese Anschuldigungen zurück und erklärte, dass keine Beweise für einen tatsächlichen Diebstahl von Dokumenten vorlägen. Das KI-Unternehmen bezeichnete das Vorgehen von Apple zudem als fahrlässig, aggressiv und in einer ungewöhnlichen Weise persönlich motiviert.
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Sicherheitslücken durch Apples interne iCloud-Politik
Im Zuge der rechtlichen Auseinandersetzung kamen Details über die interne Datenverwaltung bei Apple an die Öffentlichkeit, die Fragen zur Informationssicherheit aufwerfen. Den vorliegenden Informationen zufolge ermöglichte es die iCloud-Politik des Konzerns über einem halben Dutzend ehemaliger Angestellter, auch nach ihrem Ausscheiden Zugriff auf vertrauliche Dokumente zu behalten. Über einen Zeitraum der letzten zehn Jahre sollen insgesamt mehr als ein Dutzend Ex-Mitarbeiter über private iCloud-Konten weiterhin Zugriff auf interne Dateien gehabt haben.
Diese Situation resultierte offenbar daraus, dass Apple seinen Mitarbeitern 2 TB iCloud-Speicher zur Verfügung stellte und dabei die Nutzung privater Apple-IDs für berufliche Aufgaben gestattete. So vermischten sich private und geschäftliche Datenbestände, was eine saubere Trennung nach dem Ende eines Arbeitsverhältnisses erschwerte. Apple stellte jedoch klar, dass sich die aktuelle Klage nicht gegen das versehentliche Mitnehmen von Dateien richte, sondern gezielte Verstöße zum Gegenstand habe.
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Verfahrensfehler und zurückgewiesene Anschuldigungen
Der Rechtsstreit wird zudem von organisatorischen Schwierigkeiten aufseiten Apples begleitet. Das Unternehmen musste einräumen, dass ein im Vorfeld behauptetes Gespräch mit dem General Counsel von OpenAI tatsächlich nie stattgefunden hat. Zudem unterlief einem Anwalt von Apple ein Fehler bei der Identifizierung von Personen, als er asiatische Nachnamen verwechselte und infolgedessen die falsche Person kontaktierte.
Auch die betroffenen Ex-Mitarbeiter wehren sich gegen die Darstellung Apples. Chang Liu gab an, dass Apple-Mitarbeiter ihn nach seinem Weggang sogar selbst kontaktiert und um Hilfe bei der Suche nach bestimmten Dateien gebeten hätten. OpenAI sieht in der Gesamtheit der Ereignisse eine Bestätigung dafür, dass die Vorwürfe einer soliden Grundlage entbehren und die Veröffentlichung der internen E-Mails und Chats die Position des Unternehmens stärke. Eine Entscheidung über die beantragte einstweilige Verfügung steht noch aus.

