Die strategische Ausrichtung der Gaming-Sparte von Microsoft stößt auf deutliche Kritik aus den eigenen Reihen. Chris Hays, Lead-Services-Programmierer beim Traditionsstudio id Software, äußerte sich öffentlich massiv enttäuscht über die aktuelle Führung des Konzerns. Er warf dem Management vor, kein grundlegendes Verständnis für die künstlerische Seite der Spieleentwicklung oder das notwendige Geschäftsmodell zu besitzen. Diese Kritik erfolgt vor dem Hintergrund einschneidender Personalmaßnahmen innerhalb des gesamten Microsoft-Konzerns und speziell bei der Spieleschmiede hinter Titeln wie Doom.
Personalabbau und sinkende Moral bei id Software
Laut Angaben von Hays, der seit dem Jahr 2010 für das Studio tätig ist, hat der jüngste Stellenabbau das Team schwer getroffen. In den vergangenen Wochen wurden demnach 136 der ursprünglich rund 185 Mitarbeiter entlassen. Hays bezeichnete dieses Vorgehen als unmenschlich und gab an, dass die Moral innerhalb der verbleibenden Belegschaft einen historischen Tiefpunkt erreicht habe. Da das Studio im Kern aus seinen Mitarbeitern bestehe, handele es sich nach der Entlassungswelle nur noch um eine Rumpfbesetzung.
Die Auswirkungen auf die Produktion künftiger Titel seien gravierend. Hays erklärte, dass die Entwicklung eines weiteren großen Titels im Doom-Franchise mit dem verbliebenen Team faktisch unmöglich sei. Die aktuellen Ressourcen erlaubten lediglich Projekte in einem Umfang, wie sie in der Ära der Xbox 360 üblich waren. Zudem berichtete er von internen Anweisungen durch das Management: Die Führungsebene habe Sprechzettel verteilt, um gezielt Unruhe in der Belegschaft zu unterbinden.
Zweifel an der Game-Pass-Strategie
Ein zentraler Punkt der Kritik betrifft die wirtschaftliche Messbarkeit von Erfolg unter der Regie von Microsoft. Hays hinterfragte offen die Metriken des Abonnement-Dienstes Game Pass. Es bleibe unklar, wie ein Verkaufswert definiert werde, wenn Spiele direkt in einem Abo-Modell erscheinen. Seiner Einschätzung nach bewertet Microsoft die Leistung von Spielen vorrangig auf Basis von kurzfristigen Geschäftsquartalen, anstatt den langfristigen Wert einer Marke in den Fokus zu rücken.
Dieser Darstellung widersprach Hugo Martin, Co-Studio-Direktor von id Software, in Teilen. Er wies die Einschätzung zurück, dass das Studio zerstört worden sei. Die Belegschaft sei zwar auf 49 Personen reduziert worden, doch das Team bleibe intakt und konzentriere sich weiterhin auf die Weiterentwicklung der hauseigenen id-Tech-Engine. Martin stellte zudem den Abschluss der Doom-Ursprungsgeschichte als eine mögliche Option für die Zukunft in den Raum.
Breit angelegte Umstrukturierung im Xbox-Sektor
Die Entwicklungen bei id Software sind Teil einer umfassenden Restrukturierung. Microsoft hatte Anfang Juli 2026 angekündigt, insgesamt 4.800 Mitarbeiter zu entlassen, was etwa 2,1 Prozent der gesamten Belegschaft entspricht. Die Gaming-Sparte Xbox ist davon besonders betroffen: Rund 3.200 Stellen werden dort gestrichen, was einem Fünftel des Konsolen-Teams entspricht. Während 1.600 Mitarbeiter unmittelbar informiert wurden, soll der verbleibende Abbau innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden.
Bereits im Juni 2026 hatte die Branchenexpertin Laura Fryer davor gewarnt, dass das Management versuchen könnte, das wahre Ausmaß der Entlassungen zu verschleiern. Die Folgen für die Studio-Landschaft sind weitreichend. Während id Software unter dem Dach von Microsoft verbleibt, erlangen andere Studios wie Double Fine und Compulsion Games ihre Unabhängigkeit zurück. Die Studios Ninja Theory und Undead Labs stehen hingegen vor einer Versteigerung.
Inmitten dieser Turbulenzen betonte Doom-Mitschöpfer John Romero die historische Verantwortung des Unternehmens. Er bezeichnete die Bewahrung der Geschichte von id Software als kritisch für die gesamte Branche. Er gab jedoch zu bedenken, dass das Studio den Zugriff auf viele frühe Materialien und Assets bereits verloren habe.

