Identitätsdiebstahl: 79% aller Ransomware-Angriffe starten damit

Cyberkriminelle nutzen vertrauenswürdige Plattformen für Angriffe. Identitätsdiebstahl ist laut Sophos-Report die Hauptursache für Ransomware.

Eine aktuelle Welle von Phishing-Angriffen missbraucht die Infrastruktur von Zoom, Microsoft Teams und Anthropics Claude – mit verheerenden Folgen.

Zoom-Events als Trojanisches Pferd

Besonders perfide: Angreifer nutzen gekaperte Zoom-Konten, um authentisch wirkende System-E-Mails zu versenden. Die Nachrichten mit dem Betreff „Team Resource Shared“ stammen von der legitimen Adresse noreply-zoomevents@zoom.us und passieren daher oft unbemerkt die Sicherheitsschleusen.

Wer auf die enthaltenen Links klickt, landet auf einer gefälschten Microsoft-Anmeldeseite – die Eingabe der Zugangsdaten endet direkt in den Händen der Betrüger. In manchen Fällen lockt der Link auch zum Download von ConnectWise ScreenConnect, einem legitimen Remote-Support-Tool. Die Angreifer nutzen es, um sich unbemerkt Zugriff zu verschaffen und weitere Schadsoftware zu installieren.

Claude-KI als Einfallstor für Mac-Nutzer

Parallel dazu haben Sicherheitsforscher von Zscaler eine Kampagne aufgedeckt, die die geteilten Chat-Funktionen von Anthropics Claude missbraucht. Über Google-Suchanzeigen locken die Täter Nutzer zu manipulierten Chat-Seiten.

Die Masche zielt gezielt auf Mac-Anwender: Statt hilfreicher KI-Antworten installiert sich der MacSync-Stealer. Einmal aktiv, plündert die Schadsoftware Browserdaten, System-Zugangsdaten und sogar Informationen aus Kryptowährungs-Wallets. Der Angriff zeigt, wie Kriminelle die Vertrauenswürdigkeit moderner KI-Tools für ihre Zwecke instrumentalisieren.

Ransomware: Identitätsdiebstahl als neue Hauptgefahr

Die ausgefeilten Phishing-Methoden sind Teil eines größeren Trends. Ein aktueller Bericht von Sophos belegt: Identitätsbasierte Angriffe haben klassische Software-Sicherheitslücken als Haupteinfallstor für Ransomware abgelöst.

Die Zahlen sind alarmierend:
79 Prozent aller Ransomware-Vorfälle beginnen mit gestohlenen Zugangsdaten
67 Prozent der betroffenen Unternehmen sehen Identitätsangriffe als größtes Sicherheitsrisiko
56 Prozent der Attacken führten zur erfolgreichen Verschlüsselung von Daten – ein Anstieg von 50 Prozent im Vorjahr

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Immerhin: Die durchschnittlichen Lösegeldforderungen sind binnen zwei Jahren um 65 Prozent gesunken. Dafür steigen die Kosten für die Wiederherstellung – sie liegen nun bei rund 1,7 Millionen Euro pro Vorfall.

Staatliche Akteure und der „Chef-Trick“

Auch staatlich gesteuerte Gruppen nutzen die neuen Methoden. Die russische Gruppe UAC-0145 setzt auf gefälschte CAPTCHA-Abfragen auf kompromittierten Websites. Wer darauf hereinfällt, führt unbemerkt PowerShell-Befehle aus – und installiert Schadsoftware wie SCOUTCURL oder FLUIDLEECH. Ziel der Kampagne: ukrainische Systeme.

Im Unternehmensbereich bleiben die sogenannten Boss-Scams eine massive Bedrohung. Erst Anfang Juli entging ein Unternehmen in Pune, Indien, nur knapp einer Katastrophe: Ein CFO erhielt eine Microsoft-Teams-Nachricht – angeblich vom CEO. Der Finanzchef überwies umgerechnet rund 620.000 Euro. Erst als eine zweite Forderung über 1,7 Millionen Euro kam, schrillten die Alarmglocken. Die Polizei ermittelt.

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Fake-Spiele als Millionengrab

Das FBI konnte kürzlich einen 21-Jährigen festnehmen, der über gefälschte Steam-Spiele rund 8.000 Computer infiziert haben soll. Zwischen Mai 2024 und Februar 2026 erbeutete der mutmaßliche Täter mehr als 200.000 Euro in Kryptowährung – nachweislich ausgegeben für Geschenkkarten von Lieferdiensten.

Die Botschaft der Sicherheitsexperten ist eindeutig: Vertrauen allein reicht nicht mehr. Jede E-Mail, jeder Chat und jeder Download – selbst von vermeintlich seriösen Quellen – verdient kritische Prüfung.