Neue Daten des FBI und internationaler Strafverfolgungsbehörden zeigen einen dramatischen Anstieg der Schadenssummen – angetrieben durch hochentwickelte Identitätstäuschungen und den massiven Einsatz künstlicher Intelligenz.
Allein in den USA beliefen sich die Verluste durch Cyberkriminalität im Jahr 2025 auf umgerechnet rund 19,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das FBI in einem am 4. Juni veröffentlichten Bericht mitteilte. Mehr als eine Million Beschwerden gingen bei der Behörde ein.
Besonders betroffen: ältere Menschen. Personen ab 60 Jahren verloren fast 7,4 Milliarden Euro durch verschiedene Betrugsmaschen. Die Täter nutzen zunehmend KI-Technologien, um ihre Attacken glaubwürdiger zu machen – etwa durch Stimmklonen oder hochgradig personalisierte Nachrichten.
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Gefälschte Gewinnspiele und Paketbenachrichtigungen
Polizeibehörden und Regierungsstellen haben diese Woche eindringliche Warnungen vor neuen Phishing-Wellen herausgegeben. Die Polizei der Stadt Williamsburg in den USA warnte vor betrügerischen E-Mails, die angeblich von den Handelsketten Costco oder der Hotelkette Marriott stammen. Die Nachrichten versprechen teure Prämien wie ein iPhone – angeblich als Dank für die Teilnahme an einer Umfrage. Ein Countdown-Timer soll Druck aufbauen, damit Opfer ihre Kreditkartendaten für eine angebliche Versandgebühr preisgeben.
Auch in Südkorea schlägt die Postbehörde Alarm. Seit dem 5. Juni häufen sich Phishing-Mails, die angeblich von der Behörde selbst stammen. Sie behaupten, ein Paket habe nicht zugestellt werden können, und locken die Empfänger auf gefälschte Webseiten. Die Behörde stellt klar: Echte Postämter fordern niemals per E-Mail Adressänderungen oder Zahlungen an.
In Zypern warnten die Krankenversicherung OAY und die Polizei vor gefälschten SMS, die unter dem Namen des Gesundheitssystems „GESY“ versuchen, Bankdaten zu ergaunern.
KI revolutioniert den Betrug – 1200 Prozent mehr Angriffe
Branchenanalysten haben einen Anstieg KI-gestützter Phishing-Angriffe um 1200 Prozent in den letzten zwei Jahren registriert. Doch die Täter gehen längst über einfache E-Mails hinaus. Sie setzen auf Stimmklonen und Deepfake-Videoanrufe, um sogenannte Business Email Compromise (BEC)-Angriffe durchzuführen – also die Täuschung von Unternehmen.
Ein besonders dreister Fall: Ein Deepfake-Videoanruf führte zu einer nicht autorisierten Überweisung von umgerechnet 23 Millionen Euro.
Die finanziellen Schäden durch BEC sind für die Wirtschaft zur größten Sorge geworden. Laut FBI-Daten beliefen sich die Verluste durch diese Betrugsform im Jahr vor dem aktuellen Bericht auf umgerechnet 2,7 Milliarden Euro. Für 2025 übersteigen die Gesamtverluste in den USA die Marke von 2,8 Milliarden Euro. Allein im ersten Quartal 2025 stiegen die BEC-Vorfälle um 13 Prozent. Rund 74 Prozent aller Organisationen berichten, bereits Ziel solcher Angriffe geworden zu sein – sei es durch die Identitätstäuschung von Führungskräften oder durch manipulierte Rechnungen.
Briefkasten statt Postfach: Neue Masche trifft Krypto-Nutzer
Der Krypto-Sicherheitsdienstleister Ledger hat eine ungewöhnliche neue Betrugsmasche identifiziert: Physische Briefe. Die Täter verschicken gefälschte Schreiben an Nutzer – vermutlich auf Basis von Kontaktdaten aus einem Datenleck im Jahr 2020, von dem rund 270.000 Datensätze betroffen waren.
In den Briefen wird behauptet, die Nutzer müssten bis zum 26. Juni 2026 ein sogenanntes „Post-Quantum Cryptography Security Update“ durchführen, um ihre Geräte zu schützen. Ein beigefügter QR-Code führt zu einer gefälschten Webseite, die darauf abzielt, die geheimen Seed-Phrasen und Zugangsdaten zu stehlen. Ledger bestätigte, dass es sich um Betrug handelt, und rät Kunden, solche Briefe zu ignorieren.
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Globale Dimension: 40 Prozent aller Straftaten sind Betrug
Das Ausmaß des Betrugs wird weltweit zur wachsenden Bedrohung. In Großbritannien machen Betrugsfälle inzwischen 40 Prozent aller gemeldeten Straftaten aus. Die globalen Kosten durch Betrug werden auf über 4,6 Billionen Euro pro Jahr geschätzt – allerdings gehen Experten davon aus, dass rund 90 Prozent aller Fälle gar nicht erst angezeigt werden.
Die thailändische Verbraucherschutzbehörde TCC will nun rechtlich gegen die sozialen Medien vorgehen. Sie kündigte für den 8. Juni eine Klage gegen Meta an. Der Vorwurf: Facebook habe es versäumt, betrügerische Anzeigen zu verhindern. Von über 3.700 Beschwerden über Online-Shopping-Betrug zwischen 2024 und März 2026 entfielen demnach allein auf die Plattform. Die Behörde fordert eine 100-prozentige Identitätsprüfung der Werbetreibenden sowie Entschädigungen für die betroffenen Opfer.

