iFixit zerlegt Apple-Laptops: Retina-Modell braucht 53 Schritte für Akkutausch

iFixits Teardowns dokumentieren den Wandel von gut zugänglichen Unibody-Modellen zu schwer reparierbaren Laptops und einzelne Verbesserungen.

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Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg hat das Reparatur- und Analyseportal iFixit Apple-Laptops systematisch zerlegt und dokumentiert. Die Teardown-Reihe zeichnet ein aufschlussreiches Bild davon, wie sich Bauweise, Akkutechnik und Reparierbarkeit der Geräte über die Jahre verändert haben – von den ersten Unibody-Modellen bis zum Retina-Zeitalter und darüber hinaus.

Die Unibody-Ära: Solide Bauweise, gute Reparierbarkeit

Im Oktober 2008 zerlegte iFixit das erste MacBook Unibody und zeigte sich beeindruckt von der neuen Fertigungsmethode, die auf einem sogenannten „Brick“-Verfahren beruhte. Das Design orientierte sich am MacBook Air und ließ MacBook- und MacBook-Pro-Baureihen optisch zusammenwachsen.

Industrieingenieure lobten laut iFixit die Bauqualität des unibody-gefrästen Gehäuses; das neue MacBook glich in Aufbau und Fertigungsqualität faktisch einem 13-Zoll MacBook Pro, inklusive identischem Superdrive.

Die Teardowns aus dem Jahr 2009 bestätigten diesen Eindruck. Beim 17-Zoll-MacBook-Pro-Unibody, das für 2.799 US-Dollar verkauft wurde und ohne Mini-DisplayPort-Adapter auslief, wog der Akku 20,1 Unzen und machte damit rund ein Fünftel des Gesamtgewichts aus.

Der Batteriewechsel war mit 13 Schrauben plus einem ersetzbaren Sticker vergleichsweise unkompliziert, das Bluetooth-Board leichter zugänglich als beim 15-Zoll-Pendant.

Auch das 13-Zoll MacBook Pro Unibody und das reguläre MacBook Unibody aus demselben Jahr zeigten in den Teardowns robuste, aber noch gut zugängliche Konstruktionen: Der 60-Wh-Akku des 13-Zoll-Modells löste den 45-Wh-Vorgänger ab und sollte laut Apple die Laufzeit von 5 auf 7 Stunden anheben.

Beim MacBook Unibody entfernte Apple zugleich FireWire- und Infrarot-Port sowie den externen Batterieindikator und verlegte die Bluetooth-Antenne ins Display-Gehäuse.

2010 bis 2012: Größere Akkus, wachsende Komplexität

Der Teardown des MacBook Pro 15″ mit Core i5 aus dem Jahr 2010 zeigte einen auf 77,5 Wh vergrößerten Akku – 6 Prozent mehr Kapazität als beim Vorjahresmodell –, den Wechsel von Fünfpunkt-Torx- zu Tri-Wing-Schrauben sowie ein neu positioniertes WLAN/Bluetooth-Board. Das Gerät konnte zwischen NVIDIA-GeForce-GT-330M- und Intel-Core-i5-Grafik umschalten, ohne auf NVidia Optimus zurückzugreifen.

Einen deutlichen Bruch markierte 2012 das MacBook Pro mit Retina Display. iFixit vergab für das nur 0,71 Zoll dünne Gerät mit 95-Wh-Akku und 5,1-Millionen-Pixel-Display lediglich einen Reparatur-Score von 1 von 10 – der schlechteste Wert, den das Portal bis dahin vergeben hatte.

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Verantwortlich dafür waren Pentalobe-Schrauben, verlöteter Arbeitsspeicher mit einer Obergrenze von 16 GB, eine nicht aufrüstbare SSD sowie ein verklebter Akku, der zudem das Trackpad-Kabel verdeckte.

Auch das Display war komplett verklebt. Laut iFixit-Recherchen zu Apples Umweltberichten verursacht ein 15-Zoll MacBook Pro Retina über seine Lebensdauer 592 Kilogramm Treibhausgasemissionen, wovon 79 Prozent auf die Produktionsphase entfallen.

Apple selbst bot einen Akkutausch für 199 US-Dollar an; iFixit entwickelte parallel eine Methode zur Akkuentfernung mit Haushaltschemikalien. Ein Nutzer namens Julián Gustavo Gómez ersetzte den Akku mithilfe eines iFixit-Kits für 100 US-Dollar selbst und gewann dadurch nach eigenen Angaben zwei bis drei Jahre zusätzliche Akkulaufzeit.

Im Juli 2020 stufte Apple dieses Modell (A1398) offiziell als „obsolet“ ein, nachdem es bereits 2018 den Status „Vintage“ erhalten hatte – Reparaturen durch Apple selbst schloss der Konzern damit vollständig aus. iFixit bietet für das Gerät weiterhin Ersatzteile und Anleitungen an. Im direkten Vergleich benötigte der Akkutausch beim Retina-Modell 53 Arbeitsschritte, beim baugleich alten Unibody-Modell desselben Jahres dagegen nur sieben.

2015 und 2016: Der Trend setzt sich fort

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Das Retina MacBook aus dem Jahr 2015 erreichte in der iFixit-Bewertung ebenfalls nur 1 von 10 Punkten. Die sogenannte Terraced-Battery-Technologie sollte laut Hersteller 35 Prozent mehr Kapazität liefern, doch auch die mittleren Akkuzellen waren fest verklebt. Pentalobe- und Tri-Wing-Schrauben sowie fragile Kabelverbindungen erschwerten Reparaturen zusätzlich.

Beim MacBook Pro 2016 mit Escape-Taste attestierte iFixit einen Reparierbarkeitswert von 2 von 10. Der 54,5-Wh-Akku speicherte weniger Kapazität als das Vorjahresmodell, blieb aber über dem 49,2-Wh-Wert der Touch-Bar-Variante. Immerhin war die SSD austauschbar, wenn auch mit neuem Formfaktor und neuer Pin-Konfiguration versehen. Die AirPort-Karte entfiel zugunsten von WLAN- und Bluetooth-Chips direkt auf dem Logic Board.

2023: Der Mac Pro bricht mit alten Mustern – teilweise

Der 2023 vorgestellte Mac Pro zum Preis von 7.000 US-Dollar zeigte laut iFixit-Teardown ein gemischtes Bild. Der M2-Ultra-Chip mit integrierter Grafik und integriertem RAM machte Arbeitsspeicher-Upgrades unmöglich, doch modulare I/O-Boards, ein Plug-and-Play-Netzteil und Federkontakt-Lüfter erleichterten andere Reparaturen.

Gegenüber dem Modell von 2019 verbesserte sich die Zugänglichkeit von Kühlkörper und SSD, etwa durch nicht mehr versenkte T15-Schrauben. Allerdings bemängelte iFixit, dass Ersatzteile über Apples Self-Service-Programm teuer und teils nur mit rund einem Jahr Verzögerung verfügbar seien.

Community-Reparaturen als Ergänzung

Neben den offiziellen Teardowns dokumentiert iFixit auch Eigenreparaturen aus der Nutzer-Community. So kombinierte ein Nutzer namens Juan Ordonez zwei defekte iBook-G4-800-Geräte – eines mit defektem Mainboard, eines mit defekter Festplatte – innerhalb von drei Stunden zu einem funktionsfähigen Computer, obwohl er zuvor noch nie ein Notebook geöffnet hatte.

Für den Akkuwechsel bei einem MacBook Pro 15″ Unibody aus dem Jahr 2011 berichteten Nutzer von Reparaturzeiten zwischen 20 Minuten und anderthalb Stunden, abhängig von festsitzenden Schrauben. iFixit warnt in diesem Zusammenhang ausdrücklich vor aufgeblähten Lithium-Ionen-Akkus, die bei Durchstich gefährlich werden können und besondere Vorsicht bei der Entfernung erfordern.

In einer Analyse von 44 Geräten von 17 Herstellern stellte iFixit fest, dass Laptops insgesamt zu den am besten reparierbaren tragbaren Elektronikgeräten zählen – mit der Ausnahme von Apple- und Microsoft-Notebooks, die überdurchschnittlich schwer zu reparieren waren. Die Teardown-Reihe des Portals bleibt damit ein zentrales Referenzwerk für die Entwicklung von Reparierbarkeit und Nachhaltigkeit in der Laptop-Industrie.