Illinois verabschiedet als erster US-Bundesstaat ein Gesetz zur verpflichtenden Sicherheitsprüfung von KI-Systemen, während Peking einen nationalen Rahmen für mehr Transparenz vorlegt. Die Entwicklungen Ende Mai 2026 markieren einen Wendepunkt in der globalen Regulierung der Branche.
Illinois setzt auf unabhängige Prüfungen
Der Bundesstaat Illinois hat mit SB 315 ein wegweisendes Gesetz verabschiedet. Es verpflichtet große KI-Unternehmen zu externen Sicherheitsaudits. Das Repräsentantenhaus stimmte am 29. Mai mit 110:0 dafür, der Senat mit 52:5. Betroffen sind Entwickler mit Jahresumsätzen über 500 Millionen US-Dollar – umgerechnet rund 460 Millionen Euro.
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Damit fallen Branchengrößen wie OpenAI, Google, Meta, Microsoft, xAI und Anthropic unter die neuen Regeln. Gouverneur Pritzker wird das Gesetz voraussichtlich unterzeichnen. Die Unternehmen müssen dann umfassende Sicherheitskonzepte veröffentlichen und jährliche Prüfungen durch unabhängige Dritte vorlegen.
Besonders streng sind die Meldefristen: Zwischenfälle sind innerhalb von 72 Stunden zu melden, bei Gefahr für Menschenleben sogar binnen 24 Stunden. Verstöße können mit bis zu drei Millionen Dollar (rund 2,8 Millionen Euro) geahndet werden. Das Gesetz enthält zudem Schutz für Whistleblower und einen Transparenzrahmen.
Die Hauptregelungen treten allerdings erst am 1. Januar 2028 in Kraft. OpenAI und Anthropic haben sich bereits zustimmend geäußert – während eine bundesweite Regulierung in Washington weiter auf Eis liegt.
Peking setzt auf messbare Standards
Am 30. Mai 2026 veröffentlichte die chinesische Regierung einen neuen nationalen Bewertungsrahmen für KI. Die Staatliche Marktaufsichtsbehörde (SAMR) und die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission wollen damit verlässliche und nachvollziehbare Leistungskennzahlen für heimische KI-Modelle etablieren.
Das Regelwerk vereinheitlicht, wie KI-Modelle, Datenqualität und Rechenleistung verglichen werden. Es folgt auf Chinas jüngste Entscheidung, KI-Trainings- und Inferenzchips in das nationale Sicherheitszertifizierungssystem aufzunehmen. Neun heimische Chips – unter anderem von Huawei HiSilicon, Alibaba T-Head und Biren Technology – haben bereits die höchste Zertifizierungsstufe erhalten.
Parallel dazu stellten chinesische Forscher das „Air Target Agent System“ vor. Es nutzt große Sprachmodelle zur automatisierten Satellitenüberwachung und Entscheidungsfindung und verkürzt Analysezeiten in der Luft- und Raumfahrt drastisch – ganz ohne menschliches Eingreifen.
Industrie reagiert auf Regulierungswelle
OpenAI veröffentlichte am 29. Mai 2026 sein „Frontier Governance Framework“ und neue Standards für externe Evaluierungen. Das Unternehmen betont die Bedeutung von Reproduzierbarkeit und Prüfpfaden. Externe Prüfer sollen Modellfähigkeiten und Sicherheitsvorkehrungen testen. OpenAI begründet die Schritte mit neuen Vorschriften wie dem EU AI Act und Transparenzgesetzen in Kalifornien.
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Auch andere Bundesstaaten werden aktiv. Connecticut verabschiedete am 27. Mai 2026 den Online Safety Act (PA 26-15) . Das Gesetz reguliert KI-gestützte Einstellungstools, Abonnementmodelle und „KI-Begleiter“. Es enthält spezifische Anforderungen zur Suizidprävention und zur Verhinderung betrügerischer Praktiken. Whistleblower-Schutz für Mitarbeiter an Spitzen-KI-Modellen tritt dort am 1. Januar 2027 in Kraft.
Die Europäische Kommission schloss am 3. Juni 2026 ihre Konsultation zu Transparenzpflichten nach Artikel 50 des AI Act ab. Die Leitlinien sollen klären, wie Entwickler KI-generierte Inhalte kennzeichnen und technische Spezifikationen offenlegen müssen.
Flickenteppich statt Bundesgesetz
Der Trend zu einzelstaatlichen Regelungen in den USA veranlasst Branchenbeobachter zu der Einschätzung, dass die Blockade eines Bundesgesetzes zu einem noch strengeren Regelungsflickenteppich führt. Währenddessen steigt die Bewertung von Anthropic auf 900 Milliarden Dollar (rund 830 Milliarden Euro). Microsoft meldete im Frühjahr 2026 bereits 20 Millionen zahlende Copilot Enterprise-Nutzer und baut seine KI-Infrastruktur weiter aus.

