Die Internationale Arbeitsorganisation verlangt von Unternehmen, die Produktivitätsvorteile durch Künstliche Intelligenz mit den Beschäftigten zu teilen.
ILO-Generaldirektor Gilbert F. Houngbo rief auf der 114. Internationalen Arbeitskonferenz in Genf dazu auf, die durch KI erzielten Produktivitätssteigerungen in höhere Löhne, bessere Arbeitnehmerrechte und ein inklusiveres Wirtschaftswachstum zu übersetzen. Ohne eine menschenzentrierte Technologiepolitik drohe KI die globale Ungleichheit massiv zu verschärfen, warnte er.
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Mensch im Mittelpunkt der KI-Governance
Auf der Konferenz am Donnerstag und Freitag plädierte Houngbo für einen Governance-Rahmen, der auf Verantwortlichkeit, Transparenz und menschlicher Kontrolle basiert. Die Tarifverhandlungen müssten gestärkt werden, um die Beschäftigten vor den Folgen der Automation zu schützen. Ein auf der Konferenz diskutierter Bericht warnte vor einer „KI-Schere“, die bestehende Ungleichheiten weiter vertiefen könnte.
Houngbo präsentierte zudem düstere gesamtwirtschaftliche Prognosen: Ein anhaltender Ölpreisschock könnte die weltweiten Arbeitsstunden 2026 um umgerechnet 14 Millionen Vollzeitstellen und 2027 um 38 Millionen reduzieren. Die erwarteten Einkommensverluste der Arbeitnehmer beliefen sich bis 2027 auf rund drei Billionen Euro.
Nationale Strategien im Vergleich
Regierungsvertreter nutzten die Genfer Konferenz, um ihre nationalen Antworten auf die rasante Automation zu skizzieren. Nigerias Arbeitsminister Muhammad Maigari Dingyadi forderte eine inklusive Politik zur Sicherung von Arbeitsplätzen. Sein Land automatisiere derzeit den öffentlichen Dienst – die internationale Gemeinschaft müsse den Arbeitnehmerschutz priorisieren, während die Plattformarbeit weiter zunehme.
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Anfang der Woche startete Kanada seine „KI für Alle“-Strategie. Die Initiative umfasst investitionen von rund 2,1 Milliarden Euro, die ein Wirtschaftswachstum von etwa 185 Milliarden Euro auslösen sollen. Kanada will bis 2031 rund 90.000 KI-bezogene Arbeitsplätze schaffen und die KI-Nutzung in Unternehmen von zwölf auf 60 Prozent bis 2034 steigern. Trotz dieser Ziele zeigen Umfragen: 67 Prozent der Kanadier sind nervös angesichts der Technologie.
In Australien beobachtet die Fair Work Commission einen Wandel in der Rechtslandschaft. Die Zahl der Verfahren wird im Haushaltsjahr 2025/26 voraussichtlich auf über 50.000 steigen – ein Anstieg von 70 Prozent binnen drei Jahren. Analysten führen dies teilweise auf generative KI zurück, die zu einem 41-prozentigen Anstieg von Klagen wegen unfairer Kündigungen zwischen 2022 und 2025 beigetragen hat. Immer mehr Kläger nutzen KI-Tools, um sich durch juristische Prozesse zu navigieren.
Regionale Unterschiede und Brancheneffekte
Die Auswirkungen von KI variieren stark nach Region und Bevölkerungsgruppe. Auf den Philippinen sind 40,3 Prozent der von Frauen dominierten Berufe KI-ausgesetzt, verglichen mit 19,3 Prozent in männlich dominierten Bereichen. In der Hauptstadtregion Metro Manila steigt dieser Wert für Frauen auf 51,7 Prozent.
In Großbritannien zeigt eine aktuelle Studie: 65 Prozent der Arbeitgeber beschäftigen sich mit KI am Arbeitsplatz – deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 54 Prozent. Rund 40 Prozent der britischen Firmen gaben an, auf KI für Produktivitätssteigerungen zu setzen, statt neue Mitarbeiter einzustellen. 46 Prozent erwarten, dass ihre Belegschaft durch Automation schrumpfen wird.
Der indische KI-Markt soll bis 2032 auf umgerechnet rund 122 Milliarden Euro wachsen. Branchendaten zeigen, dass 87 Prozent der indischen Unternehmen KI aktiv einsetzen. Während Berufe wie Datenerfassung und Computerprogrammierung stark betroffen sind, bleiben Sektoren wie Landwirtschaft, Bau und Gastgewerbe gegenüber der aktuellen Automatisierungswelle relativ resistent.

