Die indische Regierung erwägt ein spezielles Gesetz zur Regulierung Künstlicher Intelligenz. Das wäre ein radikaler Kurswechsel.
Bisher galt: kein neues Gesetz, die bestehenden Regeln reichen. Doch Minister Ashwini Vaishnaw machte am heutigen Donnerstag klar, dass das Informations-Technologie-Gesetz aus dem Jahr 2000 den rasanten Entwicklungen bei generativer KI und autonomen Systemen nicht mehr gewachsen ist. Die Ankündigung kommt überraschend – noch im Dezember 2025 hatte das Elektronik- und IT-Ministerium (MeitY) erklärt, ein eigenes KI-Gesetz sei nicht geplant.
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Neuer Rahmen für generative KI
Die Regierung führt nun Gespräche mit Industrievertretern. Ziel ist ein Regelwerk, das Innovation ermöglicht, aber auch Bürger schützt. Im Fokus stehen Herausforderungen, die mit generativer KI entstanden sind – Phänomene, die der Gesetzgeber bei der Konzeption der Regeln für Social-Media-Plattformen nicht vorhersehen konnte.
Bereits im Februar 2026 verschärfte Neu-Delhi die IT-Regeln: Online-Plattformen müssen Deepfakes und synthetische Inhalte binnen drei Stunden nach einer Meldung durch eine zuständige Behörde oder Gerichtsentscheidung löschen.
Gerichte ziehen eigene Grenzen
Auch die Justiz stellt sich neu auf. Der Oberste Gerichtshof Indiens veröffentlichte Anfang Juni einen Entwurf für KI-Regeln in Gerichtssälen. Demnach bleibt KI streng assistierend – die letzte Entscheidung liegt bei Richtern. Verboten sind algorithmische Urteile oder Vorhersagen von Verfahrensausgängen. Erlaubt ist KI dagegen für Recherche, Transkription und Fallverwaltung – allerdings nur mit vorheriger Genehmigung.
Indiens KI-Offensive läuft auf Hochtouren
Die Gesetzespläne fallen in eine Phase massiver Investitionen. Die „India AI Mission“ hat bereits rund 700 kleine KI-Modelle entwickelt. Parallel baut die Regierung die Infrastruktur aus: Erst heute eröffnete Vaishnaw ein „Makers Lab“ am MNIT in Jaipur. Das Projekt umfasst 323 Hochschulen landesweit und bildet Studierende in Halbleitersimulation, Quantencomputing und KI aus.
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Die Privatwirtschaft zieht mit. Der IT-Dienstleister TCS schloss eine globale Partnerschaft mit Anthropic, dem Entwickler des KI-Systems Claude. 50.000 Mitarbeiter sollen damit arbeiten. Vaishnaw kündigte zudem an, dass Anthropics Modell „Mythos“ bald in Indien verfügbar sein könnte – vorbehaltlich der Zustimmung der US-Behörden.
Arbeitsmarkt und Sicherheit im Fokus
Die Regulierungsdebatte berührt auch die Frage nach Arbeitsplätzen. MeitY steht im Austausch mit dem Branchenverband NASSCOM über KI-bedingte Entlassungen. Gleichzeitig trainieren indische Arbeitskräfte in Tamil Nadu humanoide Roboter mit Videodaten – ein Markt, der Analysten zufolge bis 2050 weltweit mehr als eine Milliarde Einheiten umfassen könnte.
Für zusätzlichen Druck sorgt Anthropic-CEO Dario Amodei. Erst gestern forderte er stärkere staatliche Regulierung und bezeichnete freiwillige Sicherheitsmaßnahmen als unzureichend. Nötig seien unabhängige Sicherheitstests für fortgeschrittene Modelle – besonders mit Blick auf Cybersicherheit und autonomes Verhalten.

