Indiens Minister für Elektronik und Informationstechnik, Ashwini Vaishnaw, hat die baldige Vorlage eines Konsultationspapiers für Entwurfsregulierungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz angekündigt.
Die Veröffentlichung des Dokuments soll innerhalb des nächsten Monats erfolgen und das Fundament für einen künftigen Regulierungsrahmen bilden. Vaishnaw gab diesen Schritt in Neu-Delhi anlässlich der Vorstellung des World Development Report 2026 bekannt.
Fokus auf Sicherheit und systemische Risiken
Das geplante Konsultationspapier soll zentrale Herausforderungen der Technologie adressieren. Inhaltlich stehen dabei Fragen der KI-Sicherheit, der Abwehr potenzieller Schäden durch Technologieeinsatz, der Umgang mit Deepfakes sowie Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen im Mittelpunkt. Die Regierung verfolge dabei einen menschenzentrierten Ansatz.
Vaishnaw betonte, dass eine reine Gesetzgebung für diese Aufgabenfelder nicht ausreiche. Erforderlich sei vielmehr eine technologie-rechtliche Lösung, an der alle relevanten Interessengruppen beteiligt werden müssten.
Zugleich wies der Minister der Technologiebranche die Hauptverantwortung für operationelle und gesellschaftliche Risiken zu. Dies betreffe Aspekte wie Sicherheit, Cybersicherheit, Nutzerschäden und gefälschte Medieninhalte. Deepfakes bezeichnete Vaishnaw als gravierendes Problem, das weitreichende gesellschaftliche Verwerfungen auslösen könne.
Darüber hinaus soll der künftige Rahmen auch systemische Risiken erfassen. Dazu zählen mögliche Betriebsausfälle automatisierter Systeme, ethische Fragen bei der maschinellen Erstellung von Inhalten sowie negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Nutzer.
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Steigender Druck auf Technologieunternehmen
Nach der Veröffentlichung des Konsultationspapiers ist eine einmonatige Frist für Stellungnahmen und Kommentare aus der Fachöffentlichkeit vorgesehen. Für Technologieunternehmen zeichnen sich bereits erweiterte Compliance-Anforderungen ab, die mit höheren Betriebskosten für die KI-Governance einhergehen dürften. Insbesondere Anbieter generativer Modelle stehen vor der Aufgabe, robuste Sicherheitsvorkehrungen einzurichten.
Die Initiative folgt auf eine frühere Verschärfung der indischen Internetregulierung. Vor rund zwei Monaten hatte die Regierung die IT-Regeln angepasst und die Löschfrist für rechtswidrige Inhalte nach einer staatlichen oder gerichtlichen Aufforderung von 36 auf drei Stunden verkürzt.
Große Plattformen müssen zudem bestimmte Inhalte automatisiert proaktiv erfassen und Beschwerden in sensiblen Fällen wie Identitätsdiebstahl oder Nacktdarstellungen binnen zwei Stunden bearbeiten. Bei Verstößen droht Plattformbetreibern der Verlust des haftungsrechtlichen Schutzes nach Abschnitt 79 des IT-Gesetzes.
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Nationale Ausrichtung und globale Dynamik
Auch S. Krishnan, Staatssekretär im Ministerium für Elektronik und Informationstechnik, bekräftigte die Notwendigkeit schärferer Vorgaben. Während Indien bisher vor allem auf bestehende Gesetze und freiwillige Verpflichtungen der Industrie gesetzt habe, sei angesichts expliziter formulierter existenzieller Risiken ein fortgeschrittener Regulierungsrahmen erforderlich. Zudem verwies Krishnan darauf, dass bereits Beschränkungen beim grenzüberschreitenden Transfer von Modellen eine Form von Regulierung darstellen.
Sudeep Shrivastava, COO der Initiative IndiaAI Mission und Ministerialrat im IT-Ministerium, forderte einen multilateralen Dialog. Die globalen Standards für KI-Sicherheit dürften nicht einseitig von den USA und China bestimmt werden.
Beide Staaten hatten Ende September bei einem Treffen in Washington einen Kommunikationskanal für Sicherheitsvorfälle verabredet und weitere Gespräche für November angekündigt. Laut Shrivastava laufen in Indien gegenwärtig 13 Projekte zur Entwicklung sicherer und vertrauenswürdiger KI.
Nach der formellen Errichtung eines indischen KI-Sicherheitsinstituts seien weitere Schritte geplant. Mayank Vatsa vom indischen Technologieinstitut IIT Jodhpur merkte in diesem Zusammenhang an, dass es im Land bisher an eigenen, indigenen Sicherheits-Benchmarks für KI fehle. Parallel dazu arbeitet die indische Finanzmarktaufsicht SEBI an separaten Richtlinien für den Wertpapiersektor.

