Indien startet zwei Lernportale: 750.000 Lehrkräfte schulen sich in KI

Regierungen und Unternehmen treiben die Digitalisierung der Berufsbildung weltweit voran. Neue Projekte in Indien, Afrika und Europa setzen auf KI und mobiles Lernen.

Weltweit treiben Regierungen die Digitalisierung der Berufsbildung voran – mit KI-Portalen, Milliarden-Förderungen und neuen Lernplattformen. Der Druck auf die Bildungssysteme wächst: Die Arbeitsmärkte verändern sich rasant, qualifizierte Fachkräfte werden knapp.

Karibik: EU-finanziertes Pilotprojekt erfolgreich abgeschlossen

Ein Vorzeigeprojekt zeigt, wie internationale Zusammenarbeit funktionieren kann. Am 25. Juni 2026 endete die Umsetzungsphase des CARICOM-Projekts zur Digitalisierung der technischen Berufsbildung (TVET). Mit 700.000 Euro aus einer trilateralen Kooperation zwischen Brasilien, der Europäischen Union und Deutschland entstanden drei Online-Lerneinheiten. Vier Länder – Barbados, Grenada, Jamaika sowie Trinidad und Tobago – testeten die digitalen Lösungen in Pilotprogrammen.

Die brasilianische Bildungsinstitution SENAI schulte dabei Ausbilder und entwickelte operative Planungsstrukturen. Das Projekt startete bereits im November 2022.

Indien: Zwei Portale für Millionen junge Menschen

Der indische Bundesstaat Uttar Pradesh geht einen Schritt weiter. Am 22. Juli 2026 startete die Regierung gleich zwei digitale Plattformen: „Kaushal Setu“ und „Kaushal Sarathi“. Die Portale ermöglichen die digitale Registrierung von Ausbildungspartnern und zeigen über interaktive Karten, wo sich Trainingszentren befinden.

Zum Start unterzeichneten Behördenvertreter Vereinbarungen mit Privatunternehmen. Sie bieten spezialisierte Schulungen in Robotik, Künstlicher Intelligenz und Textilproduktion an. Der Starttermin war bewusst gewählt: Er fiel auf den Weltjugend-Kompetenztag.

KI-Schulung für 750.000 Lehrkräfte in Maharashtra

Indien setzt auch bei der Lehrerbildung auf Künstliche Intelligenz. Das staatliche Bildungsforschungs- und Ausbildungsgremium SCERT in Maharashtra startete gemeinsam mit der Kotak Education Foundation das Programm „AI Saathi“. Rund 750.000 Lehrer müssen einen vierstündigen Online-Kurs absolvieren.

Der Kurs läuft über die DIKSHA-Plattform und wird in der Regional-sprache Marathi angeboten. Die Inhalte orientieren sich am UNESCO-Rahmenwerk für Lehrerkompetenzen. Sie vermitteln Grundlagen der KI und zeigen, wie sich die Technologie im Unterricht einsetzen lässt.

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Afrika: Japan investiert eine Million Dollar in mobile Lehrerbildung

Nigeria koordiniert ein ambitioniertes Projekt für fünf afrikanische Länder. Das Bundesbildungsministerium startete gemeinsam mit Japan und der UNESCO einen dreitägigen Master-Trainingsworkshop. Eine Million US-Dollar aus japanischen Mitteln fließen in das Programm.

Das Ziel: 2.000 Pädagogen in Algerien, Kamerun, Kenia und Südsudan erreichen. Die Schulung setzt auf mobiles Lernen – ein Ansatz, der in Regionen mit schwacher Internetinfrastruktur besonders wichtig ist. Organisatoren spendeten 40 Tablets und Edge-Computing-Geräte. Ein Schwerpunkt liegt auf der Förderung weiblicher Führungskräfte an Schulen.

Malaysia: IBM schult 41.000 Lernende bis Jahresende

Auch die Privatwirtschaft engagiert sich massiv. IBM und die malaysische Initiative Biji-biji kündigten an, bis Ende 2026 insgesamt 41.000 Lernende zu schulen. Unterstützt wird das Projekt von der Malaysia Digital Economy Corporation.

Die Teilnehmer nutzen die IBM-Plattform SkillsBuild. Sie können zwischen Kursen zu KI-Grundlagen und agentischer Softwareentwicklung wählen. Angesprochen sind sowohl Erwachsene als auch technische Studenten.

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USA: Tiny Homes als Lernprojekt für Jugendliche

Nicht alle Initiativen setzen auf reine Digitalisierung. Das UA-Pulaski Technical College in den USA sicherte sich 1,8 Millionen Dollar aus Bundesmitteln für das Programm „YouthBuild BRIDGE“. Der offizielle Start ist für den 5. August 2026 geplant.

Junge Erwachsene erwerben Baukompetenzen und Zertifikate – und zwar beim Bau von 400 Tiny Homes. Das Projekt verbindet praktische Ausbildung mit sozialem Wohnungsbau.

Großbritannien: 4,5 Millionen Pfund für kostenlose Kurse

Hartlepool im Nordosten Englands setzt auf eine breite Bildungsoffensive. Der Stadtrat und das Hartlepool College of Further Education starteten eine Partnerschaft im Wert von 4,5 Millionen Pfund. Finanziert wird sie von der Tees Valley Combined Authority.

Bis Juli 2027 können Erwachsene kostenlose Kurse belegen. Das Angebot reicht von digitalen Kompetenzen bis zu traditionellen Handwerken wie Schweißen und Maurern.

Südkorea: KI-Kurse speziell für die Generation 50+

Yongin, eine Stadt in der Metropolregion Seoul, startet ein KI-Programm für eine besondere Zielgruppe. Ab dem 4. August 2026 können sich Bürger für einen Kurs zur digitalen Alphabetisierung anmelden. Angesprochen sind vor allem Menschen mittleren und höheren Alters.

Deutschland: VHS Krefeld wird komplett digital – während Bund kürzt

In Deutschland zeigt sich ein widersprüchliches Bild. Die Volkshochschule Krefeld stellte am 22. Juli 2026 ihr gesamtes Programm mit rund 1.000 Veranstaltungen auf digitale Formate um. Gedruckte Kataloge gibt es nicht mehr, die Buchung läuft ausschließlich online.

Gleichzeitig sorgt eine geplante Kürzung im Bundeshaushalt für Unruhe. Die Mittel für Integrationskurse sollen 2027 auf 590 Millionen Euro sinken – nach einer Milliarde Euro im Jahr 2026. Der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) und Mitglieder des Innenausschusses kritisieren den Schritt scharf. Sie befürchten negative Folgen für die Infrastruktur der Erwachsenenbildung.

Das Innenministerium verweist dagegen auf mögliche Restmittel aus früheren Haushaltszyklen. Ob diese tatsächlich zur Verfügung stehen, bleibt offen.