Indien wird bei KI-Gipfel zum globalen Governance-Zentrum

Deutschland und die EU verhandeln auf dem KI-Impact Summit eine umfassende Digitalpartnerschaft mit Indien, um gemeinsame Standards und Innovationen voranzutreiben.

Indien etabliert sich beim KI-Impact Summit in Neu-Delhi als Schlüsselpartner für Europa bei der Regulierung Künstlicher Intelligenz. Eine hochrangige deutsche Delegation verhandelt eine neue Digitalpartnerschaft, während die EU eine Allianz der „Mittelmächte“ anstrebt.

Deutschland sucht strategische KI-Allianz

Deutschland setzt mit einer prominenten Delegation ein starkes Zeichen für die Tech-Zusammenarbeit. Unter der Leitung von Digitalminister Karsten Wildberger verhandeln Vertreter von Konzernen wie SAP und Mercedes-Benz sowie von KI-Firmen wie DeepL eine umfassende Digitalpartnerschaft. Mit dabei sind auch der Bundesverband KI und TÜV – ein Signal, dass es Deutschland sowohl um Innovation als auch um Sicherheitsstandards geht.

Die Gespräche zielen auf eine Vertiefung der bilateralen Tech-Kooperation. Im Fokus stehen gemeinsame Forschung, die Förderung von KI-Start-ups und konkrete Anwendungen in Nachhaltigkeit und Gesundheitswesen. Ein eigener deutscher Pavillon auf der begleitenden Messe präsentiert die hiesige Technologie-Landschaft einem globalen Publikum.

EU wirbt für Partnerschaft der „Mittelmächte“

Die Europäische Union schickte mit Henna Virkkunen, Vizepräsidentin für Tech-Souveränität, eine Spitzenvertreterin nach Neu-Delhi. Ihr Ziel: Eine strategische Partnerschaft mit Indien aufbauen, die globale KI-Governance mit demokratischen Werten in Einklang bringt. Der EU-Abgeordnete Brando Benifei brachte es auf den Punkt: Statt eines Wettrennens um die leistungsstärksten Modelle brauche es eine Kooperation, die auf reale Anwendungen setzt.

Benifei plädierte für ein Netzwerk „mittlerer Mächte“ – also der EU und Indien – um vertrauenswürdige KI voranzutreiben. Diese Allianz soll Produktivität steigern, wirtschaftliche Chancen vergrößern und die Abhängigkeit von anderen globalen Playern verringern. Weitere europäische Staaten wie Frankreich und Schweden unterstreichen mit ihrer Präsenz die Bedeutung des Gipfels.

Von der Theorie zur Praxis: Indiens KI-Offensive

Ein Kernthema des Gipfels ist der Sprung von der KI-Experimentierphase zum großflächigen, realen Einsatz. Im Rahmen des Treffens tagt auch der Ministerrat der Global Partnership on Artificial Intelligence (GPAI), die verantwortungsvolle KI-Leitlinien entwickelt.

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Indien nutzt die Veranstaltung, um seine Vision einer inklusiven KI zu präsentieren. Herzstück ist die IndiaAI Mission mit einem Volumen von umgerechnet über 1,1 Milliarden Euro. Sie bietet Start-ups und Forschern Zugang zu mehr als 38.000 GPUs und fördert die Entwicklung einheimischer Basismodelle, die alle 22 offiziellen Landessprachen unterstützen. „Indien liefert massive Datenmengen für globale KI-Modelle“, betonte Indiens G20-Sherpa Amitabh Kant. „Diese Modelle müssen sich weiterentwickeln, um auch nicht-englischsprachige Bevölkerungen zu bedienen.“

Strategischer Zeitpunkt nach Handelsabkommen

Der Gipfel findet zu einem symbolträchtigen Zeitpunkt statt – nur Wochen nach dem Abschluss des lang verhandelten EU-Indien-Freihandelsabkommens im Januar 2026. Die starke europäische Präsenz markiert eine klare strategische Hinwendung zu Indien als Schlüsselpartner im digitalen Zeitalter.

Die diese Woche geknüpften Kontakte sollen in den kommenden Monaten in konkrete Projekte münden. Für Deutschland könnte eine Digitalpartnerschaft Joint Ventures und harmonisierte Regulierung erleichtern. Für die EU festigt der Gipfel die Arbeit des EU-Indien Handels- und Technologierats und setzt einen kooperativen Kurs für gemeinsame Sicherheits- und Ethikstandards in der KI.