Neu-Delhi – Die indische Regierung hat Berichte zurückgewiesen, wonach sie Ministerien angewiesen habe, den Einsatz fortschrittlicher KI-Modelle für Cybersicherheitszwecke zu stoppen. Das Presseinformationsbüro (PIB) dementierte am 13. Juli 2026 entsprechende Meldungen.
Offizielle Klarstellung nach widersprüchlichen Berichten
Zuvor war berichtet worden, dass eine Abteilung des Ministeriums für Elektronik und Informationstechnologie (MeitY) Ministerien angewiesen habe, bestimmte Hochleistungsmodelle vorerst nicht zu nutzen. Die angebliche Pause sollte demnach temporär sein und sich auf Bedenken hinsichtlich nationaler Sicherheit, Datenkontrolle und der sogenannten Dual-Use-Risiken fortschrittlicher KI beziehen.
Laut den ursprünglichen Berichten hatte das Finanzministerium den Einsatz von OpenAIs GPT-5.5 für Cybersicherheitsaufgaben vorgeschlagen – dieser Vorschlag sei jedoch abgelehnt worden. Zu den angeblich eingeschränkten Modellen zählten die GPT-5.6-Familie mit den Varianten Sol, Terra und Luna sowie Anthropics Claude Mythos 5 und Fable 5. Die indische Regierung habe demnach ihren Ansatz zur KI-Governance weiterentwickelt, nachdem am 29. Juni 2026 eine Richtlinie die Nutzung nicht genehmigter externer KI-Tools eingeschränkt hatte.
Warnungen vor KI-gestützten Cyberangriffen
Die Diskussion über den staatlichen Einsatz dieser Modelle fällt mit Warnungen des indischen Computer-Notfallteams CERT-In zusammen. Die Behörde hatte zuvor darauf hingewiesen, dass fortschrittliche KI-Modelle Cyberangriffe beschleunigen könnten, indem sie die Zeit verkürzen, die Angreifer für die Ausnutzung von Sicherheitslücken benötigen.
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Anthropics Claude Mythos 5 und Fable 5, die am 9. Juni 2026 veröffentlicht wurden, stehen international unter besonderer Beobachtung. Der Zugang zu diesen Modellen war zwischen dem 12. und 30. Juni 2026 aufgrund von US-Exportkontrollen vorübergehend ausgesetzt, bevor er Anfang Juli wiederhergestellt wurde. Anthropic hat zudem lokalisierte Preise für seine Dienste in Indien eingeführt: Claude Pro und Claude Max kosten monatlich umgerechnet rund 2.000 bzw. 11.999 Rupien.
Internationale Regulierungsbehörden schlagen Alarm
Während die indische Regierung eine spezifische Pause dementiert, zeigen sich andere internationale Aufsichtsbehörden besorgt über dieselben KI-Modelle. Ende April 2026 warnte Kanadas Aufsichtsbehörde für Finanzinstitute (OSFI) Bankvorstände per E-Mail, dass Anthropics Claude Mythos den Zeitrahmen für Risikominderung drastisch verkürzen könnte.
Die kanadische Behörde veröffentlichte nach dringenden Treffen zwischen dem US-Finanzministerium und der Federal Reserve im April ein öffentliches Bulletin zu generativer KI. Tests des britischen KI-Sicherheitsinstituts sollen zudem ergeben haben, dass das Mythos-Modell in der Lage sei, eigenständig Netzwerkübernahmen durchzuführen.
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Indiens eigene KI-Infrastruktur wächst
Trotz der Kontroverse um die angebliche Richtlinie fördert die indische Regierung weiterhin heimische KI-Initiativen. Die IndiaAI-Mission ist mit umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro ausgestattet, um die Entwicklung eigener Modelle, Start-ups und Recheninfrastruktur zu unterstützen.
Der breitere KI-Governance-Rahmen der Regierung umfasst einen risikobasierten Ansatz, der im November 2025 verabschiedet wurde. Bereits im Januar 2025 hatte das Finanzministerium seine Mitarbeiter gebeten, bestimmte KI-Tools aus Datensicherheitsgründen zu meiden. Derzeit unterhält Anthropic eine eingeschränkte Präsenz in der Region über Project Glasswing, ein Vorschauprogramm für sein Claude-Mythos-Modell, an dem mehr als 150 Organisationen in 15 Ländern teilnehmen.

