Die indische Regierung bereitet neue Leitplanken für den Einsatz künstlicher Intelligenz vor. Wie IT-Minister Ashwini Vaishnaw am 8. Oktober 2026 bekanntgab, wird das Ministerium für Elektronik und Informationstechnik (MeitY) gemeinsam mit dem AI Safety Institute binnen eines Monats ein Konsultationspapier zur KI-Regulierung veröffentlichen.
Das Dokument soll sich auf Kernbereiche wie Cybersicherheit, den Schutz vor Deepfakes, algorithmische Schäden, psychologische Risiken sowie Bildungsinitiativen und gesellschaftliche Teilhabe konzentrieren.
Die Ankündigung erfolgte bei der Vorstellung des Weltbank-Berichts über die Potenziale künstlicher Intelligenz in Neu-Delhi. Vaishnaw betonte, Indien verfolge einen Ansatz, der den Menschen in den Mittelpunkt stelle und sicherstelle, dass niemand abgehängt werde. Um den Risiken durch Desinformation und algorithmische Verzerrungen zu begegnen, sei eine kombinierte Lösung aus Technologie und Recht notwendig.
Die Hauptverantwortung für Cybersicherheit und den Schutz vor Missbrauch wies der Minister dabei der Industrie zu. Das geplante Konsultationsverfahren sieht eine öffentliche Beteiligung vor, deren Ergebnisse in einen späteren Regulierungsrahmen einfließen sollen. Ein neues Gesetz oder konkrete Compliance-Auflagen wurden im Zuge der Ankündigung noch nicht vorgelegt.
Wandel vom freiwilligen Rahmen zum festen Regelwerk
Bislang stützt sich Indien im Digitalbereich vor allem auf den IT Act aus dem Jahr 2000 und die Richtlinien von 2022, ergänzt um die früheren Leitlinien für eine verantwortungsvolle KI-Entwicklung aus dem Jahr 2026. Zur künftigen institutionellen Aufstellung gehören neben dem AI Safety Institute auch eine KI-Governance-Gruppe sowie ein Fachausschuss für Technologiepolitik. Bereits im laufenden Jahr setzte das IT-Ministerium zudem die interministerielle Arbeitsgruppe AIGEG ein.
MeitY-Sekretär S. Krishnan erklärte am 8. Oktober 2026, Indien vollziehe angesichts des rasanten technologischen Fortschritts und potenzieller existenzieller Risiken einen strategischen Wechsel von rein freiwilligen Selbstverpflichtungen hin zu einem dedizierten Regulierungsmodell.
Während weltweit neue Regulierungsmodelle für künstliche Intelligenz entstehen, müssen Unternehmen auch hierzulande die strengen Vorgaben des EU AI Acts im Blick behalten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle neuen Anforderungen, Fristen und Risikoklassen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Krishnan verwies zugleich auf das Risiko proprietärer KI-Modelle, bei denen sensible Daten ins Ausland abfließen und für das Training externer Systeme genutzt werden könnten.
Indien prüfe daher intensiv offene Modelle, die ohne grenzüberschreitenden Datentransfer betrieben werden können. Ziel sei eine ausgewogene Mischung aus offenen und proprietären Lösungen, um die nationale und strategische Autonomie des Landes zu wahren.
Ausbau der Rechenleistung und Halbleiterförderung
Indien verfolgt parallel den Aufbau eines vollständigen heimischen KI-Ökosystems, das von der Energieversorgung über Prozessoren und Rechenzentren bis hin zu Anwendungen reicht.
Im Zentrum steht die im März 2024 genehmigte IndiaAI Mission mit einem Fünfjahresbudget von Rs 10.372 crore, die unter anderem die nationale Datenplattform AIKosh mit mehr als 16.000 Datensätzen umfasst. Nach Angaben aus der Lok Sabha vom August wurden bislang 93,18 lakh GPU-Stunden für 237 Projekte bewilligt, während 15 Rechenkapazitätsanbieter registriert sind.
Die rasante Entwicklung von KI-Systemen bringt nicht nur technologische Chancen, sondern auch komplexe rechtliche Pflichten bei der Dokumentation und Qualitätssicherung mit sich. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und was Verantwortliche jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum AI Act anfordern
Um den steigenden Hardwarebedarf zu decken, treibt die Regierung Beschaffungen und Förderungen voran. Am 7. Oktober 2026 startete MeitY eine Ausschreibung für einen fünfjährigen Liefervertrag zur zentralen Bereitstellung von KI-Infrastruktur für staatliche Behörden.
Derzeit verfügt das Land über rund 38.000 installierte Grafikprozessoren; bis Ende 2026 wird eine Kapazität von 100.000 GPUs angestrebt. Zusätzlichen Schub soll das im Juli 2026 aufgelegte Programm Semicon 2.0 mit einem Volumen von Rs 1,27.500 crore verleihen, bei dem in einer ersten Tranche zwölf Projekte mit einer Gesamtinvestition von Rs 1,64 lakh crore gefördert werden.
Begleitet wird die Infrastrukturoffensive von Qualifizierungsmaßnahmen: Nach einer Direktive von Premierminister Narendra Modi vom 15. August sollen innerhalb eines Jahres zehn Millionen Jugendliche im Umgang mit KI geschult werden. Die Regierung prognostizierte Ende Dezember 2025, dass KI bis zum Jahr 2035 rund 1,7 Billionen US-Dollar zur indischen Wirtschaftsleistung beisteuern könnte.

