Indien setzt im globalen KI-Wettlauf auf eine eigene, pragmatische Strategie. Statt teure Allzweck-KI zu entwickeln, investiert das Land 70 Milliarden Euro in Infrastruktur für praxisnahe Anwendungen.
Die Regierung in Neu-Delhi vollzieht einen strategischen Schwenk. Anstatt wie die USA oder China im kapitalintensiven Wettrennen um riesige KI-Grundmodelle mitzuhalten, konzentriert sich Indien auf den Einsatz kleinerer, domänenspezifischer Lösungen. Diese Wende ist das zentrale Ergebnis des aktuellen Wirtschaftsberichts 2025-26. Die Devise lautet: Echte Probleme lösen, statt theoretische Rekorde zu jagen.
Pragmatismus statt Prestige: Die Logik der Anwendungs-Strategie
Der Wirtschaftsbericht begründet den Kurswechsel mit knappen Ressourcen. Der Zugang zu modernster Computer-Hardware und die Finanzierung für das Training großer Modelle seien begrenzt. Daher sei der Fokus auf kostengünstige, spezialisierte KI-Werkzeuge die effizientere Strategie für das Land.
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Dieser Ansatz trägt bereits Früchte. Indische IT-Unternehmen haben über 200 fokussierte, branchenspezifische KI-Modelle entwickelt. Sie sollen beim bevorstehenden India-AI Impact Summit im Februar vorgestellt werden. Die Industrie investiert zunehmend in maßgeschneiderte Lösungen für Banken, das Gesundheitswesen und die Fertigung. Erste Anwendungen reichen von KI-Tools für Bauern, die Wetterdaten und Pflanzenzustand analysieren, bis zu Systemen für bessere medizinische Diagnosen in ländlichen Regionen.
Der Motor dahinter: Eine 70-Milliarden-Wette auf eigene Rechenkraft
Den Treibstoff für diese anwendungsgetriebene Strategie liefert eine gewaltige Investition in heimische Infrastruktur. Unionsminister Ashwini Vaishnaw bestätigte kürzlich, dass bereits 70 Milliarden Euro für den Aufbau von Indiens KI-Rechenkapazität bereitstehen und ausgegeben werden. Die Begeisterung ist so groß, dass der Minister eine Verdopplung dieser Summe bis zum Ende des Februar-Gipfels für möglich hält.
Diese Mittel bauen auf den Erfolgen der IndiaAI Mission auf. Seit ihrem Start 2024 hat die Mission die verfügbare Rechenleistung massiv ausgebaut. Die Kapazität an Grafikprozessoren (GPUs) stieg von einem ursprünglichen Ziel von 10.000 auf nun 38.000 Einheiten. Diese Infrastruktur soll Start-ups, Forschern und Hochschulen den Zugang zu Hochleistungsrechnen demokratisieren.
Von der Strategie zur Umsetzung: Neue Institutionen und Pläne
Die Regierung markierte den Übergang von der Planung zur Ausführung mit der Gründung der Indian AI Research Organisation (IAIRO) am 30. Januar 2026. Die neue nationale Institution soll Grundlagen- und Anwendungsforschung vorantreiben, die auf Indiens Prioritäten abgestimmt ist. Die IAIRO wird sich auf die Entwicklung kompakterer, kostengünstigerer und domänenspezifischer KI-Modelle konzentrieren – ein direkter Gegenentwurf zu den monolithischen Allzweckmodellen anderer Nationen.
Beim bevorstehenden Gipfel soll zudem eine Suite eigenständig entwickelter „souveräner Modelle“ vorgestellt werden. Innerhalb der nächsten sechs Monate kündigte die Regierung außerdem eine ehrgeizigere „AI Mission 2.0“ mit stärkerer industrieller Beteiligung an. Das Ziel ist ein widerstandsfähiger, souveräner KI-Stack – von den Daten über die Modelle bis zur Rechenleistung.
Herausforderungen auf dem Weg zur KI-Macht
Indiens Strategie bietet eine überzeugende Alternative, doch es bleiben Hürden. Der Wirtschaftsbericht verweist auf eine signifikante Lücke bei lokalen Start-ups, die KI-Trainingsdaten aufbereiten. Ihr globaler Anteil liege bei nur 2 Prozent, verglichen mit 40 Prozent in den USA. Unternehmen nennen zudem die Datenqualität und die Verfügbarkeit von Fachkräften als Engpässe, um Pilotprojekte hochzuskalieren.
Dennoch könnte der Februar-Gipfel zu einem Schlüsselmoment werden. Die Vorstellung der über 200 Branchenmodelle und mögliche neue Investitionsankündigungen werden international genau beobachtet. Mit Plänen, KI-Curricula an Hunderten Universitäten einzuführen und die eigenen Fähigkeiten zu stärken, baut Indien ein pragmatisches, einsatzorientiertes Ökosystem auf. Das Ziel ist klar: Bis zum Ende des Jahrzehnts will das Land KI in alle Wirtschaftsbereiche integrieren und als bedeutende globale KI-Macht hervorgehen.
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