Indiens KI-Weg: Eigenes Regelwerk statt USA-EU-Kopie

Indien entwickelt einen eigenen Regulierungsansatz für Künstliche Intelligenz, der Innovation fördert und Sicherheit gewährleisten soll.

Die indische Regierung arbeitet an einem maßgeschneiderten Regelwerk für Künstliche Intelligenz – und orientiert sich dabei bewusst nicht nur an Vorbildern aus den USA oder der EU.

IT-Staatssekretär S. Krishnan erklärte am heutigen Sonntag, das Land studiere zwar die Regulierungsmodelle aus Washington und Brüssel, werde aber keinen der beiden Ansätze direkt übernehmen. „Wir brauchen einen eigenen Weg“, so Krishnan. Das Ziel: Innovation fördern, ohne die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen zu vernachlässigen.

Balanceakt zwischen Fortschritt und Kontrolle

Das entstehende Regelwerk soll die Risiken sogenannter Frontier-KI-Modelle adressieren – also besonders leistungsfähiger Systeme an der Spitze der technologischen Entwicklung. Gleichzeitig will Neu-Delhi den Start-up-Sektor nicht mit übermäßiger Bürokratie belasten.

Hintergrund ist ein wachsender globaler Konsens, dass KI reguliert werden muss. Selbst die USA, lange Zeit Verfechter eines weitgehend freien Marktes, haben jüngst begonnen, Frontier-Modelle einer Kontrolle zu unterwerfen. Indien beteiligt sich aktiv an den internationalen Debatten zur KI-Governance, unter anderem mit der EU und im Rahmen der Pax-Silica-Initiative.

Bereits am 5. November 2025 hatte Indien die „India AI Governance Guidelines“ veröffentlicht. Diese basieren auf sieben Prinzipien, den sogenannten Sutras: Vertrauen, Mensch im Mittelpunkt, Innovation vor Zurückhaltung, Fairness, Rechenschaftspflicht, verständliches Design und Sicherheit.

Anders als die EU mit ihrem strengen KI-Gesetz setzt Indien bislang nicht auf ein einzelnes, alles umfassendes Gesetz. Stattdessen greift das Land auf ein Bündel bestehender Regelungen zurück – darunter das IT-Gesetz von 2000 und das Datenschutzgesetz von 2023 – sowie auf die Aufsicht durch sektorale Regulierungsbehörden wie die Zentralbank RBI, die Börsenaufsicht SEBI und die Telekom-Regulierungsbehörde TRAI.

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Plattformen in der Pflicht: Null Toleranz bei illegalen Inhalten

Parallel dazu verschärft die Regierung ihren Kurs in Sachen digitaler Verantwortung. Krishnan warnte soziale Medien unmissverständlich: Sie riskierten ihren rechtlichen Schutzschild – den sogenannten Safe-Harbour-Status –, wenn sie nicht schnell gegen illegale Inhalte vorgingen.

Besonders deutlich wird die Null-Toleranz-Politik der Regierung bei kinderpornografischem Material (CSAM). „Die Plattformen müssen solche Inhalte proaktiv erkennen und entfernen“, so der IT-Staatssekretär. Die Äußerungen folgen auf Berichte über die Verfügbarkeit von CSAM auf großen Social-Media-Plattformen.

Die IT-Änderungsverordnung von 2026 verschärft die Regeln zusätzlich: Synthetische Inhalte müssen gekennzeichnet werden. Für bestimmte verbotene Kategorien gilt ein striktes Drei-Stunden-Fenster zur Löschung.

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KI gegen Cyberangriffe: Indien rüstet digital auf

Indien setzt Künstliche Intelligenz aber nicht nur regulierend ein, sondern auch zur Stärkung der eigenen digitalen Infrastruktur. Das indische Computer-Notfallteam CERT-In hat eine KI-Sandbox geschaffen, um Regierungsanwendungen auf Herz und Nieren zu prüfen.

Allein im vergangenen Monat wurden rund 500 staatliche Apps auf Cybersicherheitslücken getestet. Zum Einsatz kamen dabei etwa zehn Open-Source-Modelle sowie zwei einheimische indische KI-Modelle.

Die Initiative ist Teil der breiter angelegten IndiaAI-Mission. Diese baut die öffentliche KI-Rechnerinfrastruktur aus und fördert die Entwicklung eigener indischer Basismodelle.

Halbleiter-Offensive: 105 Start-ups für die Chip-Zukunft

Parallel zur KI-Strategie treibt die Regierung die heimische Hardware-Industrie voran. Das Programm Semicon 2.0 ist mit umgerechnet rund 14 Milliarden Euro (1,27 Lakh Crore Rupien) ausgestattet und zielt darauf ab, fortschrittliches Chip-Design in Indien zu fördern.

Die Regierung hat bereits 105 Start-ups für das Programm identifiziert. Über Beteiligungen und Co-Investitionen mit zugelassenen Risikokapitalfirmen soll der heimische Designsektor nachhaltig gestärkt werden. Ein klares Signal: Indien will nicht nur KI-Anwender sein, sondern auch die zugrundeliegende Hardware-Technologie beherrschen.