Indiens neue KI-Regeln: Plattformen müssen Deepfakes in zwei Stunden löschen

Indien verschärft die Regulierung für KI-generierte Inhalte mit verpflichtender Kennzeichnung und drastisch verkürzten Löschfristen für Plattformen, um Missbrauch einzudämmen.

Ab heute gelten in Indien verschärfte Regeln für künstliche Intelligenz. Soziale Netzwerke müssen KI-generierte Inhalte klar kennzeichnen und rechtswidriges Material extrem schnell entfernen – sonst droht der Verlust ihres Haftungsschutzes. Die neuen Vorschriften treten genau zur Eröffnung des India AI Impact Summit 2026 in Kraft, auf dem Premierminister Narendra Modi seine „MANAV Vision“ für eine menschenzentrierte KI-Governance vorstellte. Indien positioniert sich damit als eine der ersten großen Volkswirtschaften mit verbindlichen Regeln für synthetische Medien.

Radikal verkürzte Fristen für Plattformen

Der Kern der Reform ist eine drastische Beschleunigung. Digitale Plattformen müssen Inhalte, die per Gerichtsbeschluss oder behördlicher Anordnung als illegal eingestuft werden, nun innerhalb von nur drei Stunden löschen. Bisher galten 36 Stunden. Noch strenger ist die Frist für besonders sensible Inhalte wie Deepfake-Pornografie oder intime Aufnahmen ohne Einwilligung: Sie müssen innerhalb von zwei Stunden nach Meldung entfernt werden.

Die Regeln zielen auf „synthetisch generierte Informationen“ ab. Dieser Begriff umfasst alle Audio-, Video- oder Bildinhalte, die durch KI so verändert wurden, dass sie authentisch wirken. Ausgenommen sind routinemäßige, redaktionelle Bearbeitungen. Die Regierung will damit den Missbrauch generativer KI eindämmen, der zu Rufschädigung, öffentlicher Unordnung und der Ausbeutung Einzelner führen kann.

Transparenz durch Kennzeichnungspflicht und Nutzererklärungen

Ein weiterer Pfeiler ist die verpflichtende Transparenz. Alle KI-generierten Inhalte auf Plattformen müssen deutlich und leicht erkennbar gekennzeichnet werden. Zudem müssen die Plattformen von Nutzern, die Inhalte hochladen, eine Erklärung einholen, ob diese mit KI-Tools erstellt oder verändert wurden.

Das Entfernen oder Manipulieren dieser Kennzeichnungen oder eingebetteter Metadaten zur Herkunft ist verboten. Dieser Doppelansatz aus Plattform-Kennzeichnung und Nutzer-Erklärung soll die Verbreitung von Deepfakes eindämmen, indem er Nutzern den nötigen Kontext zur Bewertung gibt. Zusätzlich müssen Plattformen ihre Nutzer nun alle drei Monate über die Strafen für das Erstellen und Teilen illegaler KI-Inhalte warnen.

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Der Haftungsschutz steht auf dem Spiel

Die wohl schwerwiegendste Konsequenz bei Verstößen ist der mögliche Verlust des „Safe Harbour“-Status nach Section 79 des IT-Gesetzes. Dieser rechtliche Schutzschild bewahrt Intermediäre bisher vor der Haftung für Inhalte Dritter. Indem die Einhaltung der neuen Regeln an diesen Schutz geknüpft wird, hat die Regierung die finanziellen und rechtlichen Risiken für Plattformen erheblich erhöht.

Auch das Beschwerdeverfahren wurde überarbeitet. Die Frist zur Bearbeitung von Nutzerbeschwerden wurde von 15 auf sieben Tage halbiert. Diese komprimierten Fristen für Löschungen und Beschwerden stellen Tech-Unternehmen vor enorme operative Herausforderungen. Die Branche diskutiert bereits über die Gefahr von Über-Zensur und dem versehentlichen Löschen legitimer Inhalte durch automatisierte Moderationssysteme.

Leichte Regulierung mit globalem Ambition

Die Regeln fallen in eine Phase, in der Indien aktiv seine eigene und die globale KI-Landschaft gestalten will. Die Regierung verfolgt einen „light-touch“-Ansatz, der Innovation fördern, aber nicht voreilig ein umfassendes KI-Gesetz wie den EU AI Act einführen will. Die jüngste Bereitstellung erheblicher Mittel im Bundeshaushalt für die IndiaAI Mission unterstreicht diesen Kurs.

Die auf dem Gipfel vorgestellte „MANAV Vision“ mit Fokus auf moralische Leitlinien und inklusiven Zugang passt zum Ziel, dass KI der Menschheit dienen soll. Während Plattformen nun ihre Systeme anpassen müssen, wird die Aufmerksamkeit auf die Umsetzung und Wirkung der Regeln gerichtet sein. Kann Indien schädliche Inhalte eindämmen, ohne die Meinungsfreiheit zu ersticken? Die Botschaft der Regierung ist klar: Die Ära der „gemächlichen Compliance“ ist vorbei.