Indische IT-Dienstleister sehen sich derzeit mit einer grundlegenden Transformation ihrer Geschäftsmodelle konfrontiert. Angetrieben durch die fortschreitende Integration Künstlicher Intelligenz (KI) fordern Kunden zunehmend eine höhere Leistung bei gleichzeitig sinkenden Kosten. Dieser Trend führt zu einer Abkehr von der traditionellen Abrechnung nach geleisteten Arbeitsstunden hin zu ergebnisbasierten Verträgen.
Wandel der Vertragsstrukturen bei Branchengrößen
Die Verschiebung der Marktmechanismen zeigt sich bereits deutlich in den Bilanzen und Strategien führender Anbieter. Beim IT-Riesen TCS verdeutlichte COO Aarthi Subramanian diesen Wandel am Beispiel des sogenannten agentischen GBS (Global Business Services). Im Bereich der Personal- und Finanzverträge seien mittlerweile rund 80 Prozent der Vereinbarungen ergebnisbasiert gestaltet.
Auch andere Marktteilnehmer passen ihre Strukturen an. Cognizant meldete, dass bereits 45 Prozent seiner Verträge im Bereich Business Process Outsourcing (BPO) auf Ergebnissen basieren. Bei Coforge machen solche Kontrakte derzeit etwa 6 bis 7 Prozent des Gesamtumsatzes aus.
Im Gegensatz dazu gab Infosys-CEO Salil Parekh an, dass ergebnisbasierte Verträge in seinem Unternehmen aktuell noch keinen großen Anteil an der allgemeinen Geschäftstätigkeit ausmachen.
Welche Effizienzgewinne durch die Umstellung möglich sind, zeigt ein Healthcare-Projekt von Tech Mahindra. Durch den Einsatz moderner Modelle konnten das Ticketaufkommen um 40 Prozent gesenkt und die durchschnittliche Zeit bis zur Wiederherstellung (MTTR) um 20 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig verringerten sich die technischen Schulden um 30 bis 35 Prozent.
Aggressive Preisgestaltung und Marktdynamik
Der Wettbewerbsdruck in der indischen IT-Branche hat sich in den letzten Monaten verschärft. Kunden fordern Preissenkungen in einer Größenordnung von 25 bis 30 Prozent. Während einige Dienstleister diese aggressiven Forderungen akzeptieren, lehnen andere Unternehmen unwirtschaftliche Abschlüsse konsequent ab. Trotz dieses Drucks verzeichnen mittelgroße Firmen wie Persistent Systems und Coforge ein dynamisches Wachstum im zweistelligen Bereich.
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Um die technologische Kompetenz zu sichern, investierten indische IT-Unternehmen in der ersten Jahreshälfte 2026 über 3 Milliarden US-Dollar in Akquisitionen. Parallel dazu verschiebt sich das Einstellungsmodell massiv in Richtung von Ingenieuren mit spezifischen KI-Qualifikationen.
Diese Entwicklung birgt jedoch Risiken: Branchenexperten warnen vor Margendruck, Verzögerungen bei der Ausführung komplexer Projekte sowie neuen rechtlichen Herausforderungen.
Neue Modelle bei Cloud-Anbietern und Kostenkontrolle
Auch internationale Technologiekonzerne reagieren auf den Bedarf an beschleunigten Prozessen. AWS investiert 1 Milliarde US-Dollar in seine Forward Deployed Engineering (FDE)-Organisation. Dieses Modell verfolgt einen „Agentic-first“-Ansatz, der darauf abzielt, Projektlaufzeiten von mehreren Monaten auf wenige Tage zu komprimieren. Die Bereitstellung erfolgt hierbei auf Basis gemeinsamer Geschäftsziele statt abrechenbarer Stunden.
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Mit der umstellung auf verbrauchsbasierte oder ergebnisorientierte Modelle steigen jedoch auch die Anforderungen an das Finanzmanagement. Eine Allianz zwischen Vertice und RSM US widmet sich der Kontrolle von Softwareausgaben in solchen Modellen.
Daten belegen die Notwendigkeit: Verbrauchsbasierte Verträge überschreiten Budgets im Durchschnitt um 38 Prozent, während dieser Wert bei klassischen, sitzplatzbasierten Modellen nur bei 4 Prozent liegt. Zudem steigen die Vertragskosten bei einer Umstellung auf verbrauchsbasierte Abrechnungen durchschnittlich um 23 Prozent an.

