Infineon und Indien starten Chip-Allianz für günstige Elektronik

Deutschland und Indien schließen Halbleiter-Partnerschaft, um durch lokale Ausbildung und Produktion die Kosten für Elektronikbauteile zu senken. Infineon und NIELIT kooperieren im Bereich Montage und Verpackung.

Deutschland und Indien ebnen den Weg für erschwingliche Smartphones und IoT-Geräte. Im Fokus: eine neue Ausbildungsoffensive für Halbleiter-Fachkräfte.

Während des ersten Indien-Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichneten die Regierungen eine umfassende „Halbleiter-Ökosystem-Partnerschaft“. Kern ist eine strategische Vereinbarung zwischen dem deutschen Chip-Riesen Infineon und dem indischen Ausbildungsinstitut NIELIT. Das Ziel ist klar: Durch lokale Produktion und qualifizierte Arbeitskräfte sollen die Kosten für preisgünstige Elektronikbauteile sinken.

Ausbildungsoffensive gegen den Fachkräftemangel

Am 14. Januar 2026 besiegelten Infineon und NIELIT in Ahmedabad eine strategische Absichtserklärung. Im Beisein von Kanzler Merz und Premierminister Narendra Modi verpflichteten sich die Partner zu einem umfangreichen Ausbildungsprogramm. Es konzentriert sich auf Montage, Test und Verpackung (ATP) von Halbleitern – genau die Prozesse, die für die Massenproduktion kostengünstiger Geräte entscheidend sind.

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Infineon-Chef Jochen Hanebeck, der Merz in einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation begleitete, betonte den langfristigen Ansatz. „Wir sehen Indien nicht nur als Absatzmarkt, sondern als strategischen Innovations-Hub“, so Hanebeck. Das Programm umfasst die Schulung von Ausbildern, die Entwicklung von Lehrplänen und die Bereitstellung modernster Ausrüstung für NIELIT-Zentren. So soll praktisches Know-how für moderne Fertigungsstandards direkt vor Ort entstehen.

Günstige Chips für Smart-Home und Elektroautos

Die Partnerschaft zielt speziell auf Leistungselektronik und IoT-Sensoren ab. Diese Komponenten sind nicht die High-End-Prozessoren für Premium-Smartphones, sondern die robusten Arbeitstiere der digitalen Welt. Sie stecken in smarten Steckdosen, günstigen Wearables oder einfachen Elektrofahrzeugen. Indem diese Wertschöpfungskette lokalisiert wird, können indische Hersteller ihre Materialkosten deutlich senken.

Analysen des indischen Business Today zeigen: Der Schritt spielt die Stärken von Infineon perfekt aus. Gleichzeitig unterstützt er die „China-plus-one“-Strategie vieler globaler Konzerne. Deutschland gewinnt mit Indien einen zuverlässigen und kostengünstigen Produktionsstandort, um Lieferketten zu diversifizieren. NIELIT-Direktor M.M. Tripathi sieht in der Kombination aus deutscher Expertise und indischer Ausbildungskapazität ein skalierbares Modell für die gesamte Elektronikbranche.

Vom Handelspartner zur Technologie-Allianz

Das Halbleiter-Abkommen ist Teil eines umfassenden Strategiewechsels. Insgesamt 19 Vereinbarungen unterzeichneten Merz und Modi, die die Beziehungen von reinem Handel zu tiefer technologischer Integration transformieren. Eine gemeinsame Absichtserklärung sieht neben der Chip-Kooperation auch Partnerschaften bei kritischen Rohstoffen und grüner Energie vor.

Ein geplantes „Deutsch-Indisches Exzellenzzentrum“ soll den Wissensaustausch und Technologietransfer fördern. Ein Schlüsselthema ist die grüne Energie. Deutschlands Technologie für Wasserstoff-Infrastruktur trifft auf Indiens Kapazitäten für günstige erneuerbare Energien. Da Energie ein Hauptkostenfaktor in der Chipfertigung ist, könnte diese Synergie die Betriebskosten künftiger Fabriken in Indien weiter drücken.

Blaupause für die europäische Tech-Industrie?

Die Branche reagiert positiv. Im Gegensatz zu milliardenschweren Fab-Projekten, deren Bau Jahre dauert, adressiert dieser Pakt die akuten Ökosystem-Probleme: Fachkräfte und Montagekapazitäten. Erste Ergebnisse sind schneller sichtbar und unterstützen direkt Indiens „Viksit Bharat 2047“-Vision.

Infineon verstärkt parallel sein Engagement vor Ort. Das Unternehmen hat einen Mietvertrag für einen neuen Campus in Bengaluru unterzeichnet, der 2026 fertiggestellt werden soll. Dort sollen F&E-Teams Halbleiter-Lösungen für den lokalen Markt maßschneidern.

Gelingt die Pilotphase mit NIELIT, könnte sie zur Blaupause für andere europäische Technologiekonzerne werden. Branchenkenner rechnen noch in diesem Jahr mit ähnlichen Vereinbarungen in den Bereichen Automotive-Elektronik und Industrieautomatisierung. Die ersten zertifizierten Fachkräfte aus dem Programm sollen bereits Ende 2026 in den Arbeitsmarkt eintreten – rechtzeitig für den Start neuer Montagelinien. Für Verbraucher bedeutet das langfristig stabilere Preise und eine größere Auswahl an erschwinglicher intelligenter Technik.

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