Deutschlands Industrie setzt mit Humanoiden und KI-Clouds auf die näch Automatisierungswelle. Während Infineon den Chip-Bedarf für menschenähnliche Roboter als Milliardenmarkt erkennt, geht Europas erste Industrial AI Cloud in München in Betrieb – angetrieben von Deutscher Telekom und NVIDIA. Diese Doppelstrategie soll die technologische Souveränität im globalen Wettlauf sichern.
KI-Chips als neues Milliarden-Geschäft
Der deutsche Halbleiterriese Infineon positioniert sich gezielt für den erwarteten Boom humanoider Roboter. CEO Jochen Hanebeck sieht in diesem Bereich ein Umsatzpotenzial, das dem heutigen KI-Chipmarkt für Rechenzentren entsprechen könnte. „Viele der benötigten Mikrochips können wir bereits produzieren“, erklärte Hanebeck kürzlich. Das Unternehmen will dabei von seiner Expertise aus der Automobilbranche profitieren und mit minimalen Zusatzinvestitionen in den Markt einsteigen.
Diese Chips bilden das technologische Rückgrat für die komplexe Sensorik, Datenverarbeitung und Motorsteuerung autonomer Systeme. Infineons Fokus auf diesen kritischen Punkt der Wertschöpfungskette zeigt: Deutschland will nicht nur Roboter bauen, sondern vor allem ihre „Gehirne“ liefern.
Europas erste Industrial AI Cloud geht live
Parallel entsteht in München die digitale Infrastruktur für diese intelligente Produktion. Die gemeinsam von Deutscher Telekom und NVIDIA betriebene Industrial AI Cloud nahm Anfang Februar ihren Betrieb auf – symbolisch gestartet von einem humanoiden Roboter des Münchner Unternehmens Agile Robots. Diese Spezial-Cloud bietet europäischen Unternehmen die Hochleistungs-Rechenkapazität, die für Entwicklung und Einsatz industrieller KI-Anwendungen nötig ist.
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Die Beteiligung von Agile Robots als einer der ersten Kunden demonstriert die symbiotische Beziehung zwischen Roboterentwicklern und ihren digitalen Werkzeugen. Die Cloud soll entscheidend dazu beitragen, im Wettbewerb mit den USA und China Schritt zu halten.
Dynamisches Ökosystem aus Forschung und Start-ups
Abseits der Großkonzerne treibt ein lebendiges Forschungs- und Start-up-Umfeld die Innovation voran. Das Berliner Unternehmen Dunia automatisiert mit Roboterlaboren die Suche nach neuen Materialien für Batterien und Halbleiter. Roboterarme führen dabei rund um die Uhr Tests durch, um die riesigen, standardisierten Datensätze für Materialdurchbrüche zu generieren.
Forschungsinstitutionen wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellen kritische Testinfrastruktur bereit. Zudem bündeln Initiativen wie der Robotics Research Action Plan und das Robotics Institute Germany (RIG) die nationale Forschungslandschaft. Ziel ist es, die Innovationskraft zu stärken und Europas technologische Souveränität zu wahren.
Wirtschaftliche Gegenwinde und langfristige Strategie
Diese Zukunftsinvestitionen erfolgen in einer Phase wirtschaftlicher Herausforderungen. Der Verband VDMA Robotics + Automation rechnete zuletzt mit stagnierenden Umsätzen für 2025. Verzögerte Investitionsentscheidungen und zunehmender Wettbewerb aus Asien belasten die Branche.
Dennoch setzen Unternehmen wie BMW und Mercedes verstärkt auf humanoide Roboter. Der Vorteil: Diese flexiblen Systeme können in bestehenden Fabriken arbeiten, die für menschliche Arbeitskräfte konzipiert wurden. Dieser „Brownfield“-Ansatz könnte die Automatisierungskosten gerade für den deutschen Mittelstand deutlich senken.
Von Industrie 4.0 zu autonomen Fabriken
Deutschlands Strategie markiert eine Evolution der „Industrie 4.0“-Initiative – von vernetzten zu intelligenten, autonomen Fabriken. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt diese Entwicklung durch erhebliche Fördermittel aus seinem KI-Aktionsplan. Internationale Partnerschaften, wie Deutschlands Rolle als Ehrengast bei der Technologieveranstaltung ALL IN 2026 in Kanada, sollen die globale Zusammenarbeit stärken.
Die wirtschaftlichen Kurzfristprobleme bleiben spürbar. Doch mit der Fokussierung auf KI-Chips, souveräne Cloud-Infrastruktur und humanoide Roboter legt Deutschland das Fundament, um die nächste Phase der globalen Automatisierung aktiv mitzugestalten – und nicht nur in ihr teilzunehmen.



