Die Phase des KI-Experimentierens ist vorbei – jetzt zählt der finanzielle Nachweis. Der globale IT-Dienstleister Infosys hat mit seinem neuen „AI First Value Framework“ einen branchenweiten Kurswechsel eingeläutet. Das Framework soll Unternehmen helfen, konkrete Erträge aus ihren KI-Investitionen zu messen und zu skalieren. Es ist das deutlichste Signal für einen strategischen Schwenk der Beratungsbranche: weg von der reinen Implementierung, hin zur lückenlosen Wertschöpfung.
In deutschen Vorstandsetagen wächst derweil der Druck. Nach Jahren der Pilotprojekte fordern Aufsichtsräte handfeste Beweise für die Return on Investment (ROI). Die Antwort der Beratungsriesen sind ausgefeilte Wertschöpfungs-Frameworks, die KI-Initiativen direkt mit messbaren Geschäftsergebnissen verknüpfen. Ein entscheidender Reifeprozess, denn die weltweiten Unternehmensausgaben für KI sollen sich 2026 voraussichtlich verdoppeln.
Die neue ROI-Pflicht: Vom Projekt zur Bilanzwirkung
Trotz breiter Einführung klafft eine Lücke zwischen Technologie und finanzieller Wirkung. Studien wie von McKinsey sprechen von einem „Gen-AI-Paradoxon“: Obwohl KI-Tools flächendeckend eingesetzt werden, zeigen sie kaum Effekte auf die Gewinne. Die Herausforderung liegt darin, von isolierten Produktivitätssteigerungen zu unternehmensweiten finanziellen Vorteilen zu kommen.
Diese Erwartungshaltung ist in den Chefetagen angekommen. Eine aktuelle Umfrage von Boston Consulting Group (BCG) zeigt, dass sich rund drei Viertel der CEOs inzwischen als Hauptentscheider für KI sehen. Etwa 90 Prozent erwarten, dass KI-Agenten noch 2026 messbare Erträge liefern. Für die Hälfte der Vorstandsvorsitzenden hängt sogar der eigene Job davon ab, die KI-Strategie zum Erfolg zu führen. Die Geduld für Projekte ohne klare Finanzierungslogik ist erschöpft.
Infosys mischt den Markt der Wertschöpfungs-Frameworks auf
Das am 17. Februar vorgestellte Framework von Infosys zielt genau auf diese ROI-Lücke. Es basiert auf sechs Kernbereichen – von der KI-Strategie über die Datenbereitschaft bis zur Transformation von Geschäftsprozessen durch KI-Agenten. Der Fokus liegt auf der Neugestaltung kompletter Arbeitsabläufe, um eine einheitliche, wertschöpfende Betriebsstruktur zu etablieren. Infosys gibt an, bereits mit dem Großteil seiner Top-Kunden an KI-Projekten zu arbeiten; über 4.600 Initiativen laufen derzeit.
Damit positioniert sich der Konzern in einem umkämpften Feld. Auch Wettbewerber wie PwC und KPMG schärfen ihr Profil als Wertetreiber. PwC setzt auf tiefe Fachkompetenz in Bereichen wie Finance oder Supply Chain, um messbare Ergebnisse zu liefern. KPMG wiederum bietet mit seinem „Trusted AI“-Framework Prüf- und Validierungsdienstleistungen an, um die Zuverlässigkeit und Compliance von KI-Modellen zu gewährleisten. Governance und Vertrauen werden so zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Der menschliche Faktor: Die letzte Hürde für den KI-Erfolg
Die größte Blockade für die KI-Wertschöpfung ist oft nicht die Technologie, sondern der Mensch. Eine Analyse von PwC identifiziert die mangelnde Menschliche Kapazität als begrenzenden Faktor. Viele Firmen haben Pilotprojekte gestartet und Data Scientists eingestellt, doch der finanzielle Impact bleibt bescheiden, weil die Belegschaft die Tools nicht effektiv im Alltag nutzen kann.
Die Kluft zwischen gelegentlicher und täglicher Nutzung ist enorm: Regelmäßige Anwender berichten von deutlich höheren Produktivitätsvorteilen. Dies erfordert massive Investitionen in Change Management, Training und die Neugestaltung von Rollen. Die Leistungsschere zwischen KI-Vorreitern und Nachzüglern geht schnell auseinander. Führende Unternehmen erwarten laut Studien doppelt so hohe Umsatzsteigerungen und 40 Prozent höhere Kosteneinsparungen durch KI. Ihr Erfolgsgeheimnis: Sie behandeln KI als Katalysator für die gesamte Organisation, nicht als reines IT-Projekt.
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Ausblick: Das Zeitalter der belegbaren KI-Wertschöpfung
Der Fokus auf messbaren ROI wird sich weiter verschärfen. Die nächste Stufe der Unternehmens-KI sind autonome „Agentic AI“-Systeme, die komplexe Geschäftsprozesse eigenständig managen und neu gestalten können. Beratungsfirmen sehen darin den Schlüssel für die nächste Wertschöpfungswelle – jenseits simpler Automatisierung.
Der Erfolg dieser Systeme hängt ganz davon ab, ihren Wert beweisen zu können. Die Branche wird daher eine Flut spezialisierter Wertrealisierungs-Frameworks und KI-Prüfdienstleistungen erleben. Die Gewinner werden jene sein, die die Lücke zwischen KI-Potenzial und nachgewiesener Performance schließen können. Für Unternehmen weltweit bedeutet das: Künftige KI-Investitionen werden weniger eine Frage des Glaubens, sondern vor allem der Finanzen sein.





