Norddeutschland steht vor einer radikalen Vereinfachung seiner Planungsverfahren. Das neue Infrastruktur-Zukunftsgesetz soll Bauvorhaben für Verkehr und Energie durch Digitalisierung und weniger Bürokratie halbieren. Hamburg geht mit einem Pilotprojekt bereits voran.
Bundesgesetz ebnet den Weg
Der entscheidende Impuls kommt aus Berlin: Das Kabinett billigte das Gesetz am 17. Dezember, der finale Entwurf lag am 22. Dezember vor. Kern ist die Halbierung der Planungsdauer für Projekte von „überragendem öffentlichem Interesse“. Für den Norden ist das besonders relevant. Denn das Gesetz zielt auf Schienenausbau, Brückensanierung und Energienetze – allesamt langjährige Engpässe der Region.
Ein zentrales Instrument ist die Pflicht zu Building Information Modeling (BIM). Für alle großen Bundesprojekte müssen künftig digitale Zwillinge statt Papierakten verwendet werden. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) spricht vom Ende der „Ära der Dauer-Verzögerungen“. Nur so bleibe Deutschland wirtschaftlich wettbewerbsfähig.
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Hamburgs Vorgriffsfall: Pilot für schnelleres Bauen
Hamburg nutzt die neuen Möglichkeiten sofort. Für den dringenden Neubau der Norderelbbrücke auf der A1 wendet die Stadt einen „Vorgriffsfall“ an. Erste Baumaßnahmen können damit noch vor dem rechtskräftigen Planfeststellungsbeschluss starten.
Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) begrüßt die Beschleunigung. Der Brückenersatz sei das wichtigste Projekt für die Logistik in der Metropolregion. Durch die neuen Werkzeuge sollen Jahre an Klageverfahren und Verwaltungsstillstand übersprungen werden. Hamburg zeigt, wie digitale Verwaltung und rechtliche Beschleunigung zusammenwirken können.
Deutschlandweiter Trend zur Digitalverwaltung
Der Reformschub im Norden fällt mit einer bundesweiten Bewegung zusammen. Erst am 26. Dezember kündigten München und Berlin eine Kooperation für KI-gestützte Verwaltungsverfahren an. Das analoge Silodenken soll durch vernetzte, digitale Systeme ersetzt werden.
Für Projekte wie den Schienenausbau Hamburg–Büchen bedeutet das: Die „digitalen Planungsmappen“ werden wohl bald mit KI-Tools verknüpft. Das Ziel ist ein reibungsloser Datenaustausch zwischen Baufirmen, Umweltbehörden und Genehmigungsstellen. Das zeitraubende „Ping-Pong“ der Nachfragen soll so der Vergangenheit angehören.
Wirtschaft jubelt, Naturschützer warnen
Die Bauindustrie begrüßt die Pläne. Der Bauindustrieverband Hamburg Schleswig-Holstein unterstützt die Priorisierung und die digitalen Planungsakten. Der „Hamburger Standard“ für kostengünstiges und schnelles Bauen könne mit dem Bundesgesetz zum Vorbild für ganz Deutschland werden.
Doch der Tempo-Vorstoß stößt auf Kritik von Umweltverbänden. Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste warnt vor einem „tiefgreifenden Paradigmenwechsel“. Besonders umstritten ist eine Klausel: In bestimmten Fällen sollen Geldzahlungen ökologische Ausgleichsmaßnahmen ersetzen dürfen. Für die Kritiker ist das ein „Ausverkauf des Naturschutzes“.
Ausblick: Entscheidung im Bundesrat steht an
Das Gesetz liegt nun dem Bundesrat zur Beratung im Januar 2026 vor. Eine breite politische Mehrheit für die Modernisierung macht eine zügige Verabschiedung wahrscheinlich. Für Norddeutschlands Verwaltung beginnt das neue Jahr arbeitsreich.
2026 könnte das Jahr werden, in dem „Digital First“ vom Schlagwort zur rechtlichen Pflicht wird. Der beschleunigte Start der Norderelbbrücke zeigt, dass die Werkzeuge bereitliegen. Vielleicht nimmt der berüchtigte „deutsche Baupreis“ nun endlich Fahrt auf.
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