Angesichts anhaltender Produktionsengpässe beim Marktführer TSMC erwägen Google und NVIDIA Berichten zufolge, Intel als sekundären Foundry-Partner für die Fertigung von KI-Chips zu nutzen. Diese strategische Diversifizierung soll die Lieferketten stabilisieren, da die Kapazitäten für Hochleistungs-Halbleiter weltweit stark beansprucht sind. Intel reagiert auf das steigende Interesse mit einer massiven Kapitaloffensive und dem Ausbau seiner Fertigungsinfrastruktur.
Intel plant Rekord-Kapitalaufnahme für Foundry-Ausbau
Um den technologischen Rückstand auf den Marktführer TSMC aufzuholen und die Kapazitäten zu erweitern, kündigte Intel ein Aktienangebot in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar an. Das Volumen kann laut Unternehmensangaben auf bis zu 20 Milliarden US-Dollar erweitert werden. Es handelt sich dabei um das erste öffentliche Angebot des Konzerns seit dem Jahr 1971. Das Volumen entspricht etwa 7 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung.
Die Kapitalausgaben für das Jahr 2026 wurden parallel dazu von 18 Milliarden auf 20 Milliarden US-Dollar angehoben. Der Finanzierungsplan sieht konkrete Investitionen vor: 12 Milliarden US-Dollar sollen in die Fabrik „Arizona 14A“ fließen, während 5,7 Milliarden US-Dollar für Packaging-Kapazitäten in Irland vorgesehen sind. Weitere 2 Milliarden US-Dollar entfallen auf die Lithographie und 0,8 Milliarden US-Dollar auf die allgemeine Infrastruktur. Derzeit verfügt Intel über Barmittel in Höhe von rund 30 Milliarden US-Dollar sowie eine Kreditlinie über 10 Milliarden US-Dollar.
Kundenakquise und finanzielle Entwicklung der Intel Foundry
In der Branche zeichnet sich ein wachsendes Interesse an Intels Fertigungsdienstleistungen ab. Das Unternehmen nannte Tesla bereits als Kunden für den 14A-Prozess, zudem befände sich Intel in Gesprächen mit Apple. Die gesamte potenzielle Nachfrage wird auf über 100 Milliarden US-Dollar geschätzt. Mit Fortinet konnte zudem der erste namentlich bekannte externe Kunde unter der Führung von CEO Lip-Bu Tan gewonnen werden. Eine entsprechende Vereinbarung vom Juli 2026 sieht die Fertigung von Fortinets „Security Processor 6“ im Verfahren „Intel 4“ vor.
Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete Intels Foundry-Sparte einen Umsatz von 5,8 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Betriebsverlust verringerte sich in diesem Zeitraum auf 2,1 Milliarden US-Dollar, nachdem er im Vorjahr noch bei 3,2 Milliarden US-Dollar gelegen hatte. Bemerkenswert bleibt jedoch, dass externe Kunden bislang lediglich 293 Millionen US-Dollar zum Foundry-Umsatz beisteuerten. Das Erreichen der Gewinnschwelle (Break-even) wird für das Jahr 2027 angestrebt.
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TSMC-Dominanz und der wachsende Bedarf der Hyperscaler
Trotz der Ambitionen von Intel kontrolliert TSMC laut Marktforschern von TrendForce weiterhin rund 72 Prozent des Foundry-Marktes. Der taiwanische Konzern konnte seine Kapazitäten für spezialisierte Verfahren wie CoWoS und SoIC in den letzten Jahren jährlich verdoppeln und erreicht dabei Ausbeuten von über 98 Prozent. Dennoch reicht dieses Angebot nicht aus, um den Hunger der sogenannten Hyperscaler zu stillen.
Analysten zufolge haben Unternehmen wie Alphabet, Microsoft, Meta und Amazon bis zum zweiten Quartal 2026 Kaufverpflichtungen für KI-Hardware und Speicher im Wert von fast 2 Billionen US-Dollar unterzeichnet. Allein auf Alphabet entfallen dabei rund 811 Milliarden US-Dollar, gefolgt von Microsoft mit zirka 678 Milliarden US-Dollar. Für den Zeitraum von 2026 bis 2028 prognostiziert Morgan Stanley Gesamtausgaben der Hyperscaler in Höhe von 3,5 Billionen US-Dollar.
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NVIDIA mobilisiert Drittkapital für KI-Infrastruktur
NVIDIA selbst treibt die Expansion über die reine Chipfertigung hinaus voran. Das Unternehmen kündigte Partnerschaften mit Finanzschwergewichten wie BlackRock, Goldman Sachs und KKR an, um über 500 Milliarden US-Dollar an Drittkapital für den Ausbau der KI-Infrastruktur zu mobilisieren. Zudem gewährt NVIDIA seinen Kunden Garantien für bis zu 25 Prozent des Restwerts seiner Chips.
Auf technologischer Ebene stellte NVIDIA Ende Mai die „Vera CPU“ vor, die über 88 Kerne und eine Speicherbandbreite von bis zu 1,2 Terabyte pro Sekunde verfügt. Die Auslieferung dieser Prozessoren soll im dritten Quartal 2026 beginnen. Während NVIDIA im Bereich der Server-CPUs Ende 2025 einen Marktanteil von 6,2 Prozent hielt, dominierte Intel dieses Segment weiterhin mit 60 Prozent vor AMD mit 24,3 Prozent. Die Kosten für ein vollständiges „Vera Rubin NVL72 Rack“ werden von Analysten auf etwa 7,8 Millionen US-Dollar taxiert.

