Intel plant radikale Architektur-Wende bei Core-Ultra-Prozessoren

Intel plant mit Unified Cores und Hyper-Threading eine neue Chip-Architektur. Ein Sockel für drei Generationen soll die Upgrade-Kosten senken.

Ein geleakter Roadmap enthüllt Intels Strategiewechsel: Unified Cores und eine Rückkehr zu Hyper-Threading sollen die Prozessor-Familie revolutionieren. Gleichzeitig verspricht der Chipriese erstmals einen Sockel, der drei Generationen überdauert.

Die am 22. Mai 2025 aufgetauchten Dokumente zeichnen ein klares Bild: Intel reagiert auf den wachsenden Druck von Konkurrenten wie AMD und Apple. Beide setzen verstärkt auf spezialisierte KI-Chips und effizientere Fertigungsprozesse. Für Intel geht es um nicht weniger als die Zukunft seiner Desktop- und Notebook-Plattformen.

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Unified Cores und Hyper-Threading: Die neue Architektur

Das Herzstück der Neuausrichtung sind die sogenannten Unified Cores. Anders als bei den bisher getrennten Performance- und Effizienz-Kernen sollen diese Einheiten künftig flexibel auf verschiedene Workloads reagieren. Die Roadmap deutet zudem auf eine Rückkehr zu Hyper-Threading hin – eine Technik, die Intel zwischenzeitlich bei einigen Modellen aufgegeben hatte.

„Das ist ein klarer Kurswechsel“, kommentieren Branchenbeobachter. Statt auf immer mehr Kerne zu setzen, will Intel offenbar die Effizienz pro Kern maximieren. Das dürfte besonders bei KI-gestützten Anwendungen zum Tragen kommen, die in der Core-Ultra-Serie künftig eine zentrale Rolle spielen.

Drei Generationen, ein Sockel: Ende des Upgrade-Ärgers?

Ein besonders brisantes Detail: Intel plant offenbar, einen einzigen Sockel über drei Prozessorgenerationen hinweg zu unterstützen. Bisher war der Hersteller dafür bekannt, mit jeder neuen Generation auch die Hauptplatine auszutauschen – ein häufiger Kritikpunkt von Enthusiasten und Systemintegratoren.

Sollte sich dies bewahrheiten, würde das die Gesamtbetriebskosten für Nutzer deutlich senken. Wer heute einen Rechner mit dem neuen Sockel kauft, könnte in den kommenden Jahren einfach den Prozessor tauschen – ohne neues Mainboard. Ein Schritt, der Intels Position im Desktop-Markt nachhaltig stärken könnte.

KI-Leistung am Limit: Der ROG NUC 16 als Vorgeschmack

Was mit der neuen Architektur möglich ist, zeigt das am 22. Mai vorgestellte ASUS ROG NUC 16. Der kompakte Gaming-PC setzt auf den Intel Core Ultra 9 290HX Plus in Kombination mit einer NVIDIA GeForce RTX 5080. Die Rechenleistung: 1334 AI TOPS – ein Wert, der noch vor wenigen Jahren Supercomputern vorbehalten war.

Bis zu 128 GB DDR5-6400-RAM und ein ausgeklügeltes Kühlsystem mit drei Lüftern und zwei Dampfkammern machen das System zum Maßstab für kompakte Hochleistungsrechner. Der Trend ist klar: KI-Berechnungen wandern vom Rechenzentrum auf den Schreibtisch.

AMD kontert: Ryzen AI Halo im Anmarsch

Intel ist nicht allein auf dem Feld. Bereits einen Tag zuvor, am 21. Mai, präsentierte AMD seine Antwort: die Ryzen AI Halo-Entwicklerplattform. Das Herzstück bildet der Ryzen AI Max+ 395 mit 16 Kernen und 128 GB Unified Memory. Für das dritte Quartal 2025 kündigte AMD zudem die Ryzen AI Max PRO 400-Serie an – mit bis zu 192 GB Speicher und einer 55-TOPS-NPU.

Der Wettbewerb verschärft sich. Beide Hersteller liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die beste KI-Integration – ein Rennen, das Intel mit seiner neuen Architektur für sich entscheiden will.

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Samsung erreicht „Golden Yield“ bei OLED-Produktion

Während Intel an der CPU-Front kämpft, gibt es in der Display-Fertigung positive Nachrichten. Samsung Display hat bei seiner 8.6-Generation-IT-OLED-Produktion einen Meilenstein erreicht: Die Gesamtausbeute liegt bei 90 Prozent, bei Teilprozessen sogar bei 95 Prozent. Branchenkenner sprechen von einem „Golden Yield“.

Diese Panels sind für Apples nächste MacBook-Pro-Modelle mit M6-Chips vorgesehen. Die Massenproduktion soll im Juni 2025 anlaufen. Das Ziel: dünnere, leichtere Laptops mit Touchscreen und Punch-Hole-Kamera. Allerdings warnen Experten vor möglichen Verzögerungen durch Chip- und Speicherknappheit – ein Launch 2027 ist nicht ausgeschlossen.

Huawei umgeht US-Sanktionen mit eigener SSD-Technik

Die geopolitischen Verwerfungen in der Halbleiterbranche zeigen sich bei Huawei. Am 23. Mai kündigte der chinesische Konzern eine 122,88 TB SSD für KI-Rechenzentren an. Um US-Sanktionen zu umgehen, die den Zugang zu High-Layer-3D-NAND blockieren, setzt Huawei auf Die-on-Board-Packaging (DoB). Damit lassen sich auch mit den verfügbaren 232-Layer-Designs des chinesischen Partners YMTC hohe Kapazitäten realisieren.

Parallel dazu bezieht Corsair DDR5-Chips vom chinesischen Hersteller CXMT für seine Vengeance-RAM-Module. Ein klares Zeichen, dass sich die Lieferketten in der Speicherbranche neu ordnen.

PCIe 5.0: KIOXIA bringt Tempo in den Speichermarkt

Auch bei den Schnittstellen tut sich etwas. KIOXIA stellte am 21. Mai die XG10-Serie vor – PCIe-5.0-SSDs für OEMs mit sequenziellen Leseraten von bis zu 12 GB/s. Die Massenproduktion startet im dritten Quartal 2025. Solche Geschwindigkeiten sind essenziell für die datenintensiven KI-Workloads, die Intels neue Architektur adressiert.

RISC-V: Nischenplayer oder kommender Rivale?

Am 23. Mai wurden Details zum SpacemiT K3 bekannt – einem Pico-ITX-Kit mit 16-Kern-RISC-V-Prozessor für Edge-KI-Aufgaben. Während x86 und ARM dominieren, zeigen solche Entwicklungen, dass alternative Architekturen in spezialisierten Effizienzmärkten Fuß fassen. Für Intel und AMD sind das noch Randnotizen – aber die Entwicklung sollte man im Auge behalten.

Ausblick: Ein entscheidendes Jahr für Intel

Die zweite Jahreshälfte 2025 wird zur Bewährungsprobe. Mit Samsungs OLED-Massenproduktion ab Juni und Intels neuen Core-Ultra-Chips stehen die Zeichen auf eine große Erneuerungswelle im Premium-Segment. Ob Intel seine ambitionierten Pläne umsetzen kann, hängt von zwei Faktoren ab: der Fähigkeit, die KI-Leistung der Konkurrenz zu übertreffen – und der Fertigungseffizienz, um mit den hohen Ausbeuten der Display- und Speicherbranche mitzuhalten.

Eines ist klar: Der Kampf um die Zukunft der PC-Plattform hat gerade erst begonnen.