Intels Flaggschiff-Grafikkarte Arc B770 bleibt ein Phantom. Statt des erwarteten „Big Battlemage“ setzte der Chip-Riese auf seiner CES-Keynote voll auf mobile Lösungen. Das enttäuscht viele Gamer, verrät aber viel über die Strategie des Konzerns.
Der Chip-Riese hat die Erwartungen der Gaming-Community auf der Technikmesse CES 2026 nicht erfüllt. Anstatt die hoch gehandelte Desktop-Grafikkarte Arc B770 „Big Battlemage“ vorzustellen, konzentrierte sich Intel in seiner Präsentation am 5. Januar ausschließlich auf den Mobilmarkt. Im Fokus standen die neuen Core Ultra Series 3 „Panther Lake“ Prozessoren und die integrierte Grafikeinheit Arc B390. Die Entscheidung, das diskrete Flaggschiff zurückzuhalten, wirft Fragen zur Marktstrategie und zum Zeitplan des dritten Players im GPU-Markt auf.
Panther Lake und B390: Intels offizielle Mobil-Offensive
Intels Botschaft auf der CES war klar: Die Zukunft liegt im mobilen Rechnen. Die neuen Panther Lake Prozessoren, gefertigt im fortschrittlichen 18A-Prozess, sollen vor allem Effizienz und KI-Leistung in Laptops steigern. Damit will sich Intel gegen Rivalen wie AMD und Qualcomm im hart umkämpften Notebook-Markt behaupten.
Das grafische Zugpferd der Veranstaltung war die integrierte Arc B390 GPU. Mit stolzen 12 Xe2-Kernen verspricht sie in High-End-Laptops Leistung auf diskretem Niveau. Für Branchenbeobachter ist das ein wichtiges Signal: Die Skalierbarkeit der Xe2-Architektur funktioniert. Das lässt für die noch ausstehenden, größeren diskreten Chips wie die B770 hoffen. Die Architektur bildet die technische Grundlage für Intels gesamte Grafik-Offensive.
Das Phantom: Wo bleibt der „Big Battlemage“?
Die Abwesenheit der Arc B770 war das große Thema nach der Keynote. Dabei schienen die Indizien für einen baldigen Launch erdrückend. Schiffsmanifeste und Intels eigene GitHub-Datenbanken wiesen eindeutig auf eine „B770“ mit dem Codenamen BMG-G31 hin. Die Spezifikationen, die durchgesickert waren, versprachen ein Top-Produkt:
* 32 Xe2-Cores – eine Steigerung um 60 Prozent gegenüber der Mittelklasse-Karte Arc B580.
* 16 GB GDDR6-Speicher über einen 256-Bit-Bus.
* Ein 300-Watt-TDP, das auf Ambitionen in der High-End-Klasse schließen lässt.
Doch Intel schwieg. Keine Karte, kein Termin. Diese Vorgehensweise erinnert an die holprige Einführung der „Alchemist“-Generation. Damals verzögerten sich die Top-Modelle ebenfalls. Ein Abbruch des Projekts ist jedoch unwahrscheinlich. Die Präsenz der Hardware in Treiber-Codes deutet auf fortgeschrittene Testphasen hin. Möglicherweise feilt Intel noch an der letzten Optimierung der Software oder sucht einen strategisch günstigeren Launch-Termin außerhalb der CES.
Marktstrategie: Warum zögert Intel?
Die Entscheidung, die B770 zurückzuhalten, ist aus Geschäftsperspektive nachvollziehbar. Mit Panther Lake stärkt Intel sein Kerngeschäft: den mobilen Massenmarkt. Die Integration von CPU, GPU und NPU zur „AI PC“-Plattform hat aktuell höhere Priorität als der Angriff auf den etablierten Desktop-GPU-Markt.
Doch das Timing ist heikel. Die Konkurrenz schläft nicht. Nvidia mit seiner „Blackwell“- und AMD mit seiner „RDNA 4“-Architektur bereiten ihre nächste Generation vor. Je länger Intel mit der B770 wartet, desto mehr Schwung verliert das Unternehmen. Der Kampf um Gamer, die in WQHD oder 4K spielen wollen, ist gnadenlos.
Experten vermuten einen weiteren Grund für die Verzögerung: die Treiber. Der Launch der „Alchemist“-Karten 2022 litt unter anfänglicher Software-Unreife – ein Image-Schaden, den Intel um jeden Preis vermeiden will. Indem das Unternehmen die Treiberstabilität zunächst mit der B580 und der neuen B390 unter Beweis stellt, könnte der spätere Rollout der Flaggschiffkarte reibungsloser verlaufen.
Auch die Preisfrage spielt eine Rolle. Bei Berichten über mögliche Speicherknappheit und steigende Komponentenkosten 2026 könnte Intels großer Vorteil ein aggressiver Preis sein. Das Aussparen der CES könnte eine taktische Pause sein, um die Preissetzung der Konkurrenz abzuwarten, bevor man selbst eine unverbindliche Preisempfehlung festlegt.
Wann kommt die B770 endlich?
Da die CES ohne Launch zu Ende ging, richten sich alle Blicke auf kommende Events. Wahrscheinliche Kandidaten für eine Enthüllung sind eine eigene „Intel Innovation“-Veranstaltung im ersten Quartal oder ein großer Auftritt auf der Computex Mitte 2026.
Einige Hoffnung auf ein baldiges Erscheinen bleibt. Das Auftauchen der B770 in offiziellen Software-Repositories geht einem Launch oft nur um Wochen oder Monate voraus. Denkbar ist auch ein Launch per Pressemitteilung im Februar oder März, ähnlich wie bei der B580.
Bis dahin bleibt der „Big Battlemage“ das wohl bekannteste Phantom der Tech-Branche. Für Gamer, die auf einen dritten starken Mitbewerber im High-End-Segment hoffen, heißt es weiter: gedulden. Das Jahr 2026 in der Grafikchip-Branche hat gerade erst begonnen.





