Zero-Click-Angriffe, manipulierte KI-Tools und gestohlene Zugangsdaten: Die Bedrohungslage für Unternehmen und Verbraucher hat sich dramatisch verschärft. Angreifer nutzen zunehmend Schwachstellen in automatisierten KI-Systemen aus.
Die Sicherheitsforschung schlägt Alarm: Gleich mehrere schwerwiegende Verwundbarkeiten in KI-gestützten Systemen und Authentifizierungslösungen wurden auf der Konferenz Black Hat USA 2026 in Las Vegas offengelegt. Besonders betroffen: sogenannte agentische KI-Anwendungen, die eigenständig im Internet navigieren und Aufgaben für Nutzer erledigen. Für deutsche Unternehmen und Privatanwender steigt damit das Risiko, Opfer von Datendiebstahl zu werden – oft ohne dass sie überhaupt etwas tun müssen.
„Intent Collision“: Wenn KI-Anweisungen manipuliert werden
Forscher des Unternehmens Zenity präsentierten am 5. August eine neue Angriffsklasse namens „Intent Collision“, die gängige agentische Browser-Plattformen von Anbietern wie Perplexity, OpenAI, Google, Microsoft und Anthropic betrifft. Der Angriff ermöglicht eine Zero-Click-Übernahme von Nutzersitzungen: Versteckte Anweisungen werden in Webseiten eingebettet und von der KI unbemerkt ausgeführt.
Diese manipulierten Prompts umgehen traditionelle Sicherheitsgrenzen wie die Same-Origin-Policy. Angreifer können so aktive Sitzungen kapern und sensible Authentifizierungstokens abgreifen. Besonders tückisch: Der Nutzer muss lediglich eine kompromittierte Seite besuchen – eine weitere Interaktion ist nicht erforderlich. Wer agentische Tools zur Navigation durch Online-Konten nutzt, ist potenziell gefährdet.
Trojanisierte KI-Fähigkeiten: 1,7 Millionen Installationen
Parallel zu den Browser-Exploits läuft eine massive Kampagne mit schädlichen KI-Erweiterungen. Zwischen dem 11. Juli und dem 2. August 2026 wurden auf Plattformen wie skills.sh trojanisierte KI-Skills verbreitet, die rund 1,7 Millionen Installationen verzeichneten. Die Schadsoftware tarnte sich häufig als legitime Werkzeuge wie Paperclip oder Browser Use, um in Wahrheit Datendiebstahl zu betreiben.
Noch größer ist die Kampagne „FakeGit“: Rund 7.600 schädliche GitHub-Repositories wurden identifiziert, von denen mehr als 800 als KI-Skills oder MCP-Server (Model Context Protocol) getarnt waren. Die Kampagne erzielte über 14 Millionen Downloads aus etwa 200 spezifischen Repositories. Die Angreifer setzen dabei den StealC-Infostealer ein und nutzen Smart Contracts im Polygon-Netzwerk für ihre Kommandozentrale. Im Visier: Zugangsdaten für Dienste wie ChatGPT, Claude Code und Gemini.
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Gezielte Angriffe auf Identitäten und Authentifizierung
Staatlich unterstützte Gruppen und Erpresserbanden haben ihre Strategie geändert: Statt auf klassische Malware setzen sie auf automatisierten Identitätsdiebstahl und die Ausnutzung von Schwachstellen in SaaS-Authentifizierungssystemen. Die Gruppe UNC6671, die sich kürzlich unter Namen wie Redact und Helix neu positionierte, steht im Zusammenhang mit mehreren Angriffswellen auf Microsoft-365- und Okta-Umgebungen.
Die Angreifer nutzen Vishing – also Phishing per Telefonanruf – und rufen gezielt die privaten Handynummern von Mitarbeitern großer Finanzunternehmen wie Blackstone, Apollo und KKR an. Sie geben sich als IT-Helpdesk-Mitarbeiter aus und erbeuten so Multi-Faktor-Authentifizierungstokens und Session-Cookies. Mit diesen gestohlenen Daten können sie automatisiert Daten aus Unternehmensumgebungen abziehen, ohne dass Sicherheitswarnungen ausgelöst werden. Eine Analyse der zugehörigen Bitcoin-Wallets zeigt: Zwischen Januar und Mai 2026 erhielt die Gruppe rund 141,65 BTC – damals etwa 10,69 Millionen US-Dollar wert.
Die Infrastruktur solcher Angriffe bleibt trotz Strafverfolgungsmaßnahmen widerstandsfähig. Zwar legten deutsche Behörden am 20. Juli 2026 mehr als 200 Server mit dem Kratos-Phishing-Kit lahm, doch schätzungsweise 1.800 Abonnenten des Kits sind weiterhin aktiv. Das Kit nutzt Browser-in-Browser-Techniken, um MFA-Schutz zu umgehen und Sitzungsdaten zu stehlen.
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Schwachstellen in neuen Standards und Infrastruktur
Auch vermeintlich sichere Systeme weisen Lücken auf: Forscher entdeckten einen Leck im Apple Private Relay, bei dem Passkey-Anfragen das Relay umgehen und die echte IP-Adresse des Nutzers offenlegen. Apple bestätigte, dass ein Fix für die WebKit-basierte Schwachstelle für den Herbst 2026 geplant ist.
Und die Bedrohung wächst weiter: OpenAI räumte ein, dass sein kommendes Modell Astra eine kritische Schwelle für Cybersicherheitsrisiken erreichen könnte. Erste Bewertungen deuten darauf hin, dass das Modell möglicherweise bei autonomen Zero-Day-Exploits helfen könnte. Das Unternehmen hat daraufhin strengere Sicherheitskontrollen eingeführt, bestimmte Aktivitäten pausiert und koordiniert sich mit Regierungsbehörden.

