Internet-Blackouts: Bitchat und AirDrop halten Kommunikation aufrecht

Mesh-Projekte, Funklösungen und staatliche Backups sollen Kommunikation bei Netzausfällen ermöglichen; Sicherheitsrisiken und offene Pläne bleiben.

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Wenn staatliche Zensur, Infrastrukturschäden oder Krisen herkömmliche Online-Verbindungen kappen, greifen Nutzer zunehmend auf alternative Übertragungswege zurück.

Technologische Methoden wie die Peer-to-Peer-Anwendung Bitchat, Apples Dateifreigabedienst Airdrop sowie physische Datentransfers kommen Berichten zufolge zum Einsatz, um Kommunikationsnetzwerke während vollständiger Internet-Blackouts aufrechtzuerhalten. Neben solchen Ad-hoc-Lösungen gewinnen dezentrale Mesh-Systeme, Funkverbindungen und institutionelle Backup-Strukturen an Bedeutung.

Risiken und Grenzen mobiler Mesh-Anwendungen

Apps, die ohne zentrale Serverinfrastruktur auskommen, spielen bei Netzausfällen eine wachsende Rolle. Programme wie Bridgefy arbeiten als Bluetooth-Mesh-Netzwerk, bei dem Nachrichten über zwischengeschaltete Geräte weitergeleitet werden.

Die Anwendung Briar fungiert auf Android-Geräten als Peer-to-Peer-System, das offline über Bluetooth und lokales WLAN sowie online über das Tor-Netzwerk operiert, während Bitchat ebenfalls auf Bluetooth-basierte Peer-to-Peer-Verbindungen setzt.

Experten und Beobachter mahnen jedoch zur Vorsicht beim Einsatz solcher Werkzeuge. So warnte der YouTuber Dhruv Rathee auf der Plattform X vor dem Download von Bridgefy und Briar und berief sich dabei auf entsprechende Hinweise des Nutzers Joydas.

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Für Bridgefy, Briar und Bitchat besteht demnach keine Garantie für Anonymität oder Sicherheit. Als wesentliche Risikofaktoren gelten Schwachstellen bei der Verschlüsselung, unzureichende Gerätesicherheit, anfallende Metadaten, die begrenzte physische Reichweite von Bluetooth-Signalen sowie veraltete App-Versionen.

Dezentrale Initiativen und lokale Funklösungen

Um eine verlässliche Basiskommunikation unabhängig von kommerziellen Anbietern zu ermöglichen, entstehen weltweit gemeinnützige Mesh- und Funkinitiativen. In Melbourne verfolgt die im Jahr 2023 gegründete Organisation Merri-bek Tech das Ziel, mithilfe von Open-Source-Software einen begrenzten Datenaustausch ohne Internet zu ermöglichen.

Geplant sind solarbetriebene Server in Gemeinschaftszentren wie Bibliotheken, um Notfälle bei Strom- und Netzausfällen abzufedern. Bislang haben 20 Personen entsprechende Geräte zu Hause installiert; da institutionelle Knotenpunkte noch nicht überzeugt werden konnten, ist der Plan derzeit noch nicht operativ.

Im Kosovo setzt die Bewegung Ee We, die Anfang der 2010er Jahre entstand, auf ein dezentrales Mesh-Netzwerk in der Region Peje. Nach Angaben des Koordinators Dr. Kreshnik Shabani greift das Projekt auf ungenutzte Funkfrequenzen im ISM- und Amateurfunkbereich sowie auf quelloffene Programme zurück, um ein auf gegenseitiger Unterstützung basierendes Netz abseits von Profitinteressen bereitzustellen.

Ähnliche Ansätze existieren für Spezialumgebungen: Das System Wi Lake Link nutzt bojenbasierte Relaisstationen mit solarbetriebenen Funkgeräten und Richtantennen, um Mesh-Netzwerke auf abgelegenen Seen für Schulunterricht und Telemedizin bereitzustellen.

Für den reinen Funkchat existiert zudem der APRSPH Messenger in der Version v0.9.7, der Kurznachrichten mit einem Limit von 67 Zeichen über Amateurfunk-Gateways ohne App-Store-Bindung überträgt.

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Vorbereitungen auf staatlicher Ebene

Auch Staaten und Institutionen wappnen sich gegen den Ausfall kritischer Kommunikationskanäle. Taiwan simulierte im Jahr 2026 eine Übung für den Fall eines großflächigen Internet-Blackouts, um sich auf potenzielle militärische Bedrohungen vorzubereiten.

Das Land stützt sich auf 16 internationale und 10 inländische Unterseekabel, die nach Angaben der taiwanesischen Küstenwache in den vergangenen Jahren wiederholt durch Schiffe mit Verbindungen zu China beschädigt wurden. Als Ausweichoptionen prüft die Insel Satelliten im niedrigen Erdorbit und Funknetzwerke.

Auf europäischer Ebene baut die EU-Kommission das auf dem Matrix-Protokoll basierende System Element auf. Es soll als souveränes Backup dienen, um die Kernkommunikation aufrechtzuerhalten, falls der Zugang zu US-Cloud-Diensten entzogen werden sollte.

Microsoft Teams bleibt zwar das primäre Werkzeug der Kommission, doch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, Europa könne es sich nicht leisten, bei Technologien zur Sicherung von Krankenhäusern, Energienetzen und Diensten von externen Akteuren abhängig zu sein. Die Pläne zur Verringerung der Abhängigkeit bei Cloud, Software und Hardware sind allerdings noch nicht gesetzlich verankert.