Internetkriminalität: USA verlieren 20,9 Mrd. Euro in einem Jahr

Open-Banking-Zahlungen erweisen sich als sicherer als traditionelle Transaktionen. Bankfilialen helfen Kunden, Betrug zu erkennen.

Behörden und Finanzinstitute verschärfen den Kampf gegen digitale Betrugsmaschen – und setzen dabei auf neue Technologien, strengere Regeln und persönliche Beratung.

Open Banking: Sicherer als der Durchschnitt

Die britische Open Banking Limited (OBL) hat am 7. Juli 2026 ihren ersten umfassenden Betrugsmonitor vorgelegt. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Open-Banking-Zahlungen sind deutlich sicherer als herkömmliche Transaktionen. Während im Jahr 2025 etwa jede 2.500ste Zahlung im britischen Zahlungsverkehr betrügerisch war, traf dies bei Open Banking nur auf jede 6.000ste Transaktion zu.

Im ersten Quartal 2026 lag der Betrugsanteil in diesem Bereich bei lediglich 0,024 Prozent aller Transaktionen. Allerdings entfielen mehr als zwei Drittel dieser Fälle auf sogenannte Autorisierte Push-Zahlungsbetrüge (APP Fraud). OBL-Chef Henk Van Hulle betont, dass die Organisation diese Entwicklung genau im Blick behält.

Filialen als Schutzschild gegen Betrug

Parallel dazu zeigt eine Studie der Building Societies Association (BSA) vom selben Tag: Der persönliche Kontakt in Bankfilialen bleibt ein wichtiger Schutzfaktor. Rund 26 Prozent der Kunden gaben an, dass Mitarbeiter vor Ort ihnen bereits geholfen haben, einen Betrug zu erkennen oder abzuwehren. Zudem fühlen sich 68 Prozent der Kunden von Bausparkassen mit ihrem Geld sicher – ein Drittel erhielt konkrete Präventionshinweise von ihrem Institut.

Rekordverluste durch Online-Kriminalität

Der Handlungsdruck ist enorm: Neue Daten des FBI zeigen, dass US-Bürger im Jahr 2025 insgesamt 20,9 Milliarden Euro durch Internetkriminalität verloren haben – bei über einer Million gemeldeter Fälle. Zum Vergleich: 2024 waren es noch rund 16 Milliarden Euro. Besonders betroffen: Menschen über 60 Jahre, die überproportional häufig Opfer von Phishing, Spoofing und Investmentbetrug werden.

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Das Bank Policy Institute (BPI) hat darauf mit einem umfassenden Maßnahmenpaket reagiert. Dessen Daten für 2024 weisen Verbraucherbetrugsverluste in Höhe von 12,5 Milliarden Euro aus – ein Anstieg um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. BPI-Chef Greg Baer fordert gezielte Maßnahmen gegen die Ursprünge des Betrugs, insbesondere auf Social-Media-Plattformen, die allein in diesem Jahr für 1,9 Milliarden Euro Verluste verantwortlich sein sollen.

Rechtsstreit um Haftung bei Zahlungsdiensten

Der American Bankers Association (ABA) hat am 6. Juli 2026 eine Stellungnahme beim Obersten Gerichtshof von New York eingereicht. Es geht um eine Klage gegen Early Warning Services, den Betreiber des Zahlungsdienstes Zelle. Die ABA argumentiert, dass 99,98 Prozent aller Zelle-Zahlungen betrugsfrei ablaufen. Eine zu weitreichende Haftung der Zahlungsanbieter könnte das gesamte Finanzsystem destabilisieren, ohne Betrug tatsächlich zu verhindern.

Internationale Erfolge bei der Betrugsbekämpfung

Auch operativ gibt es Erfolge: Die Polizei von Singapur und die Blockchain-Analysefirma Chainalysis haben zwischen dem 16. April und 31. Mai 2026 in einer gemeinsamen Aktion 4,2 Millionen Euro potenzielle Kryptowährungsverluste blockiert. Mit Hilfe von Blockchain-Analysetools und in Zusammenarbeit mit Börsen wie Coinbase, Gemini und OKX konnten mehr als 145 potenzielle Opfer erreicht werden.

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Strengere Regeln für Banken in Kanada

Die kanadische Regierung hat Ende Juni 2026 neue Vorschriften vorgeschlagen: Banken sollen künftig die ausdrückliche Zustimmung ihrer Kunden einholen müssen, bevor sie elektronische Überweisungen freischalten. Nach einer 30-tägigen Konsultationsphase könnten die Regeln im Juli 2027 in Kraft treten.

In den USA hat die Finanzaufsicht FinCEN im Juni 2026 ihre Richtlinien aktualisiert. Künftig dürfen Finanzinstitute Echtzeit-Betrugsindikatoren wie IP-Adressen und Login-Muster untereinander austauschen, um Betrug schneller zu erkennen.

KI: Fluch und Segen zugleich

Die Rolle Künstlicher Intelligenz ist zwiespältig. Bereits Anfang 2025 warnten Analysten, dass mehr als 50 Prozent aller Betrugsfälle inzwischen KI-gestützt sind – mit Deepfakes, Sprachklonen und ausgefeiltem Social Engineering. Zwar setzen rund 90 Prozent der Banken KI zur Betrugserkennung ein, doch viele Institute kämpfen mit der Datenverwaltung, um mit den rasanten Entwicklungen generativer KI Schritt zu halten.

Im Telekommunikationssektor meldet VodafoneThree Erfolge: In einem Pilotprojekt mit großen Finanzinstituten wurden zwei Millionen betrügerische Bank-SMS blockiert. Insgesamt stoppte das Unternehmen im Jahr 2025 rund 139 Millionen Spam-Nachrichten.